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Der Israelit · 1891-01-26 · Heft 8 (26.1.1891) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 8 (26.1.1891)
Date
1891-01-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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134 Aufenthaltsrechte besitzen, beschloß der Gouverneur ernste Maßregeln gegen die Inden zu ergreifen, sobald sich ihm eine passende Gelegenheit bieten würde. Er brauchte nicht lange darauf zu warten. Von ihrem Spaziergange zurückkehrcnd, begegnete die Frau des Gouverneurs einem Juden, der nicht nur nicht zur Seite trat, um der Danie aus dem schmalen Bürgerfteg Raum zu geben, sondern sie so anstieß, daß sie zu Boden fiel. Das geschah dicht bei dem Hause des Herrn Gouverneurs. Der dort stehende Polizist sprang sofort hinzu und packte den Juden. In großer Erregung erzählte sie ihrem Gatten, was geschehen war, worauf der Gouverneur dem Juden sofort so und so viel aufzählen ließ. Am anderen Tage erscheint beim Gouverneur ein Bevollmächtigter des Geprügelten, gleichfalls ein Jude, und forderte vom Gouverneur eine Kopie des Protokolls, auf Grund dessen er, der Gouverneur, sich für berechtigt gehalten, seinem Clienten so und so viel Prügel zu diktiren. „Sie wünschen eine genaue Copie?" fragte der Gouverneur. „Ja wohl, Excellenz", erwiderte der Bevollmächtigte. „Gut. Wenden Sie sich morgen an den Polizeimeister. Ich werde das Nöthige veranlassen." Am folgenden Tage begibt sich der Bevollmächtigte zum Polizeimeister und dort wird ihm die versprochene „genaue Copie" zu Theil, d. h. ihm werden genau eben so viel aufgezählt wie seinem Clienten und dann wird er an die Luft gesetzt! — Das genannte halbamtliche Blatt entblödet sich nicht, diese Geschichte, in welcher der Gouverneur wider alles Recht und Gesetz gehandelt, mir großer Genugthuung wiederzuerzählen l Türkei. Smyrna, 8. Januar. Vor Kurzem hat in dem nahe von hier gelegenen Städtchen Burnabat die feierliche Einweihung der von der „Alliance Jsraelire" daselbst erbauten Muster-Meierei unter starker Betheiligung der hiesigen jüdischen Bevölkerung stattgefunden. Die „Alliance" war dabei durch den Direktor ihrer hiesigen Schule vertreten. In dieser Meierei werden nun jüdische Knaben aus unserer Gemeinde und den anderen Gemeinden Anatoliens die Oekonomie und die Viehzucht praktisch erlernen, um dann später selbst Feldbebauer, Milchmeier, Butter- und Käsefabrikanten zu werden. Wie verlautet, hat Baron Hirsch für diese Mustermeierei 45,000 Francs gespendet. Schon setzt haben sich mehrere Zöglinge zum Eintritte in den Dienst dieser Meieret gemeldet. Möge dieselbe blühen und gedeihen! -£» Vermischtes. < WormS, 21. Jan. Die bei dem Exzeß im hiesigen Festhause betheiligt gewesenen Corpsstudenten geben sich alle Mühe, den Vorgang abzuschwächen. So wird neuerdings dem „Wormser Tageblatt" von betheiligter studentischer Seite geschrieben, die behauptete Besudelung eines älteren Herrn habe nicht stattgefunden. Der Schreiber hat angeblich von allen betheiligten Studenten, „an die er sich schriftlich wendete", die ehrenwörtliche Aussage erhalten, daß ihrerseits Derartiges nicht geschehen sei. Klarheit wird wohl vor Gericht, wo sich das Nachspiel vollziehen wird, erwirkt werden Aus Solingen wird uns berichtet, daß in der circa 70 Familien zählenden jüdischen Gemeinde einem jungen Manne nicht möglich sei, koschere Kost zu erhalten. Eine jüdische Restauration und jüdische Metzger sind nicht vorhanden In den meisten Familien wird ein trefener Haushalt geführt, und die wenigen streng Religiösen ließen sich auch nicht herbei, Koscherkost zu verabreichen. Wir hoffen, daß dieser traurige Zustand in einer oder anderen Weise bald geändert werde. Marburg, 22. Jan. Heute kam vor dem hiesigen Schöffengericht die Privaiklage der Darmstädter Kaufleute Cahn u. Kons, gegen Dr. Böckel zur Verhandlung. In einem Artikel des „Reichsherold" war die Stadt Darmstadt als „greulich verjudet" bezeichnet und unter Hinweis auf die vielen Kaufleute jüdischen Namens das Vorhandensein eines „fressenden Krebsschadens" behauptet worden. Der Vertreter des Klägers, Rechtsanwalt Grünewald-Gießen, erklärte, daß der Artikel zweifellos beleidigend sei und daß die Geflissentlichkeit, mit welcher der Angeklagte in seinem Blatte die Juden nicht nur, sondern Alle, die seine antisemitischen Hetzereien nicht billigten, Private wie Behörden, verfolge und beleidige, eine empfindliche Strafe angezeigt erscheinen lasse. Der Angeklagte leugnete das Vorhandensein einer Beleidigung und bestritt, daß seine Zeitung konfessionelle und persönliche Hetzerei treibe. Er bat um Freisprechung. Das Gericht verurtheilte Böckel in eine Geldstrafe von 50 Mark, eventuell eine Woche Haft, und in die Kosten. Molsheim (Elsaß). Zu der Weihnachtsfeier der hiesigen Realschule fand sich auch der Rabbiner Herr Dr. Go Idstein aus Mutzig ein!! Commeutar unnöthig. Herr Hirsch Stern in Schütt-Som nerein hat der Gemeinde eine neu und schön ausgestattete min "iDD geschenkt. Bei der Uebergabe an die Gemeinde hat dessen Sohn, Herr Mordechai Stern, Zögling der Preßburger Jeschibah, eine gediegene Rede gehalten. Hultfchrn, 10. Jan. Hier starb im Alter von 62 Jahren Herr Louis Lewin, seit 28Jahren der erste Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde. Ein katholischer Amtsrichter widmet dem Verstorbenen in politischen Blättern einen überaus warmen Nachruf. Herr Rabbiner Dr. Blume n th al-Ratibor zeichnete in seiner Trauerrede die Tugenden des Verklärten. Moskau. Ueber Odessa wird der „Daily News" gemeldet, daß der Polizeichef von Moskau die Verhaftung von in Razon (Rjäsan?) seßhaften, Moskau besuchenden Juden angeordnet und der Polizei Vollmacht gegeben habe, selbst die mit Pässen versehenen Juden zu verhaften und zurückzuschicken. Siroka, 11. Jan. Unter der Leitung des Herrn Lemel Paberg ist hier seit Kurzem eine rrun Dt7 in's Leben gerufen worden, in welcher die Herren Faber, Fuchsz und Zsupnik vortragen.

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