Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 8 (26.1.1891)
- Date
- 1891-01-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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133 die Concession sich bewerben wolle, und er fährt dann fort: „Ich kann Ihnen nur zu Ihrem Entschlüsse ein Glückauf! entgegenbringen und stehe Ihnen selbstverständlich jederzeit gerne zu Diensten, wenn Sie aus meinen längjährigen Erfahrungen (wahrscheinlich im Gründen!) Nutzen zu ziehen wünschen." Schließlich ersucht Herr v. Ofenheim den Herrn Vergani, gelegentlich seiner Hieherkunft nach Wien „ihn freundlichst besuchen zu wollen", um das Protokoll der letzten Sitzung zu verificieren, und unterzeichnet sich als Verganis „aufrichtiger v. Ofenheim". Als Ofenheim sich zurückgezogen hatte, ging es mit der Gründung nicht und Vergani wurde Antisemit und donnerte seitdem mit dem Brusttöne der Ueberzeugung gegen die schändliche Angewöhnung des Gründens, und was denn er selbst und seine Leute dagegen für wunderbrave Menschen seien. Es fehlt nicht viel und er würde ganz naiv fragen: Was ist denn das, eine „Actie"? So ein loser Schäcker; als wahrer Menschenfreund sollte er Gott danken, daß ihm seine geplante Gründung mißlungen ist, mit der entweder die Actiouäre angeschmiert oder aber ganze Geschäfts-Zweige ehrlich arbeitender Bürger durch ein künstlich geschaffenes kapitalistisches Monopol geschädigt und erdrückt worden wären. Wir haben nun wieder ein anderes Zipfelchen des Schleiers behoben, welcher die geschäftliche Thätigkeit dieses so viel Lärm verursachenden Mithäuptlings der antiliberalen Bande bedeckt. (Neuzt.) Preßbrrrg. Diesen Winter wurde dahier ein Verein gegründet, welcher sich zur Aufgabe stellt, den Dman Gelegenheit zu bieten, sich in exegetischen und halachischen Vorträgen zu üben. Der Verein zählt 16 Mitglieder und jeden rot? sprechen zwei, manchmal drei Redner und zwar abwechselnd einer niDnn und der zweite nvrjö. An der Spitze des Vereins stehen die Herren A. L i n d e n f e l d und Eh. Israel. Italien. Rom, 20. Januar. Zu den Kostbarkeiten der vaticanischen Bibliothek gehört auch ein Manuscript der Vulgata (lateinischen Uebersctzung der heiligen Schrift) aus dem Jahre 1209, das wieder die Copie eines Manuscriptes aus dem 4. Jahrhundert ist. Von dieseni Manuscripte wurden bisher zwei Auflagen veranstaltet, eine im 16. Jahrhundert und eine erst in unserer Zeit unter Pius IX. Im Aufträge des jetzigen Papstes, der bekanntlich ein großer Förderer des Bibelstudiums ist, wird jetzt in der vaticanischen Buchdruckerei auch eine photo-typische Auflage dieses Manuscriptes veranstaltet. Zugleich verlautet, daß nächstens auch von den in der genannten Bibliothek aufbewahrten Ueberresten der Itala eine photo-typische Auflage veranstaltet werden soll. Die Itala war nämlich gleichfalls eine lateinische Uebersctzung der Bibel, die lange vor der Vulxata schon existirte; doch ist deren Autor gänzlich unbekannt und sind heute nur noch Bruchstücke derselben vorhanden. Die Gesellschaft für biblische Alterthümer hier, der auch mehrere Cardinäle angehören, hielt am 11. v. eine Versammlung ab, in der derAbtCozza- Luci einen Vortrag darüber hielt, ob die alten Griechen schon die Bibel gekannt haben und citirte er dabei mehrere Stellen aus Homer, um so nachzuweisen, daß dieser Dichter schon die heilige Schrift gelesen hatte. Sollte nun der päpstliche „Osservatore Romano", der gewöhnlich die wissenschaftlichen Vorträge dieser Gesellschaft zu veröffentlichen pflegt, auch die Dissertation des genannten Abtes publiciren, so werde ich dieselbe für den „Israelit" ins Deutsche übertragen. Ich muß jedoch hier sogleich bemerken, daß einige Gelehrte der Ansicht sind, daß schon Pythagoras die heilige Schrift gekannt habe, während Andere wieder glauben, daß Plato mit dem Propheten Jeremias in Egypten verkehrt habe, denn dieser Philosoph erwähnt in seinen Schriften eines gelehrten Juden, den er in diesem Laude gesprochen. Die von dem verstorbenen Giacomo Alatri, Sohn unseres gleichfalls schon verewigten und unvergeßlichen Präses unserer Cultusgemeinde, Samuele Alatri, 1122 *nn:D, hier gegründeten jüdischen Kiudcrbewahranstalten erfreuen sich eines lebhaften Zuspruches und werden sie jetzt von circa 250 Zöglingen besucht. Vorsteherin dieser Anstalten ist jetzt Frl. Jda Finzi, eine vortreffliche Pädagogin, die ihrem Amte mit aller Treue obliegt. Vor Kurzem hat nun eine Prämienvertheilung unter diesen Zöglingen stattgcfundeu, wobei der Cultusvorstand Angliolo Tagliacozzo eine schwungvolle Ansprache an die so Ausgezeichneten hielt. Auch Commendatore Gioda, der das Unterrichtsministerium bei dieser Feier vertrat, richtete einige schmeichelhafte Worte an die Zöglinge. Der bisherige jüdische Deputirte im italienischen Parlamente, Commendatore Enrico Fano, soll, wie der „Vessillo Jsraelitico" meldet, den Glauben seiner Väter abgeschworen haben und zum Katholicismus übergetreten sein. Die Familie Fano ist eine höchst geachtete unter den Juden Italiens. Rußland. Petersburg, 20. Januar. Der „Wilenski Westnik", das halbamtliche, unter Censur des Generalgouverneurs erscheinende Blatt erzählt Folgendes : „In einer der Städte, in welcher die Juden