Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 8 (26.1.1891)
- Date
- 1891-01-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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132 schenkten 150 fl. 55 kr. nicht abgeführtd WaS soll aus dieser verpfuschten Lehmkugel, die „Erde" heißt, werden, wenn das ohnehin schon riesige Heer haarsträubender Nebel noch um die Höllenschrecken der —„Deutschen Zeitung" vermehrt wird, die vor Kurzem zu melden wußte, der Herausgeber des „Deutschen Volksblatts", der Anttcorruptionist, der Befreier des arischen Volkes aus der Knechtschaft des jüdischen Capitals, der Verbesseerer und Erretter der Gesellschaft, die bis auf die Antisemiten aus lauter Lumpen besteht, habe die armen Bergknappen von Mühldorf, deren Cassenvorstand er war, damit „beglückt," daß er an diese Casse 984 fl. 83 kr. nicht ablieferte! Und — o wie schrecklich schlecht ist diese Welt! — noch Aergeres wird von ihm erzählt. Derselbe Herr Vergani hat es, wie die „Deutsche Zeitung" vom 23 v. mittheilt, wenige Jahre, bevor er beim Antisemitismus sein Brod suchte und fand, mit der Actiengründerei versucht, mit eben dem Geschäfte, das er nun als schreckliche Schandthat ausmalt. Gewiß, die Gründungszett hat die häßlichsten Excesse des Eigennutzes und der gewissenlosesten Volksausbeutung zu Tage gefördert. Aber gerade Herr Vergani sollte mit den „Gründern" nicht so strenge ins Gericht gehen, denn er ist ja ihr Bruder und Genoffe. Er ärgert sich auch wahrscheinlich gar nicht über die große Schlechtigkeit dieser Menschen, sondern darüber, daß ihnen ihre Geniestreiche gelungen sind, während er den heiß ersehnten und sicher erwarteten Erfolg nicht einzuheimsen vermochte, weil er erst zu einer Zeit den Versuch machte, wo die Welt schon zu sehr gewitzigt war und derlei plumpen Gründungsstreichen nicht mehr auf den Leim ging. Es war im Jahre 1884. Damals war Ernst Vergani Pächter der Mühldorfer Graphitwerke und Vorstand der dortigen Bruder-Lade. Da vereinigte er sich mit niemand Geringerem als dem berühmten Herrn von Ofenheim, dem Ritter von Ponteuxin, dem Helden des Processes der Lemberg-Czernowitzer Bahn, dem Verfasser des geflügelten Wortes: „Ja, mit Sittensprüchlein baut man keine Eisenbahnen!" Beide miteinander — Vergani wollte allemal „hoch hinaus", entweder mittelst des Herrn v. Ofenheim, oder wenn das nicht geht, wenigstens mittelst des Herrn v. Schönerer! — Beide miteinander gingen darauf aus, eine Actiengesellschaft mit einem Capital von mehreren Millionen zu gründen und durch dieselbe die österreichischen Graphit-Bergwerke zusammenzukaufen, um sodann ein förmliches Monopol im Graphithandel zu schaffen. Ja, ja, man sollte es nicht glauben, was für ein „alter Hallodri" dieser Herr Vergani in der Gründerei eigentlich ist. Vergani und Ofenheim Hand in Hand! Aber freilich, es kam nicht zu Stande. Vergani glaubte sogar, einem Ofenheim noch „über zu sein". Die'Werke wurden so theuer geschätzt, daß die für die „Financirung" ins Auge gefaßte Länderbank das Geschäft denn doch für nicht solid genug erkannte und die Mitwirkung ablehnte. Aber die Actenstücke existiren noch und sie sind lehrreich genug für die Beurtheilung des Herrn Vergani als — Gründer. Die Leimspindel, die der künftige Director dieser Graphit-Actiengesellschaft hinaushing, entsprach aufs Haar den berühmtesten Mustern aus der vorkrachlichen Gründungsperiode, und auch das^ Kunststück, die vorhandenen und anzukaufenden Jnduftrialien viel zu hoch zu bewerthen, wobei das mit den Actien zu „beglückende" Publicum natürlich jämmerlich hätte „eingehen" müssen, wurde in Scene gesetzt. Wir wollen hier nur mit einigen Stichproben dienen. Eines der Werke, das in den Siebzigerjahren für nicht ganz fl. 80.000 erworben worden, wurde behufs Ankaufs durch die Gesellschaft auf fl. 910.000 bewerthet, ein anderes, seinerzeit für fl. 6000 angekauftes Werk mit fl. 112.500, ein drittes, dem Herrn Vergani besonders nahestehendes Werk, welches berufene Fachmänner mit allerhöchstcns fl. 50.000 bewerthen, figurirtein dem „Finanzexpose" der Gründer mit fl. 200.000 Welche Bewandtniß es mit den damals für die „abzusiedenden" Actionäre berechneten Schätzungen hatte, ist in den Jahren seit 1884 an mehreren geschäftlichen Thatsachen offenbar geworden. Für „Generationen hinaus" sollten die Werke Graphit zum Abbau bieten und bei einem derselben, von den „Gründern" mit fl. 120.00 bewerthet, mußte seither wegen gänzlicher Unergiebigkeit der Betrieb völlig aufhören! Ein anderes, mit fl. 200.000 angesetzt, ist darnach in der Concursmaffe des St. Josef-Sparvereins mit dem wahren Werthe von nicht ganz fl. 40.000 eingestellt worden. Ein weiteres, mit 46.000 fl. den Actionären zugedacht gewesenes kleines Werk ist vor zwei Jahren um — fl. 1200 verkauft worden; ein anderes, von den Gründern mit fl. 80.000 bewerthtes Werk hat beim Verkauf aus freier Hand einen Preis von fl. 28.000 erzielt. Wir sehen also, daß behufs der Actiengründung eine Ueberschätzung von wahrhaft maßloser Steigerung unternommen wurde, wohl nach dem Spruche: „Wenn schon, denn schon!" Aber, es war das doch gar zu arg. Die Bank sagte: „Lieber nicht!" Ofenheim zog sich darauf gleichfalls zurück, aber Vergani wollte nicht loslaffen. „Nur gründen!" war sein Wahlspruch. Unter dem 20. Dezember 1884 schrieb Herr von Ofenheim an Herrn Ernst Vergani — der Brief ist in unseren Händen — nicht ohne feine, aber dem Adressaten wohl unverständliche Ironie, er könne ihn nur beglückwünschen zu der engerischen und mannhaften Weise, mit der er nun doch um