Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 8 (26.1.1891)
- Date
- 1891-01-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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I3i Segens und des Friedens alle Zeit sein möge. Alsdann entzündete Redner nach alter Sitte die vor der heiligen Lade hängende ewige Lampe, hierauf folgte die Weihrede des Rabbiners Herrn Dr. Olitzky, welche ebenso gediegen ihrem Inhalte nach, wie vollendet in der Form, alle Anwesenden zu fesseln und alle in wahrhaft weihe- und andachtvolle Stimmung zu versetzen geeignet war. So würdig die Feier in der Synagoge bei Einweihung derselben war, so fröhlich und gehoben war der Verlauf des darauffolgenden Festessens. Zahlreiche Gäste aus Nah und Fern, sowie fast sämmtliche Gemeindemitgliedcr hatten sich eingefunden. Als Vertreter des Herzogs war der Geh. Ober-Regierungsrath Rindfleisch aus Deffau anwesend. Derselbe ergriff, nachdem vorher ein Prolog von Herrn Mendershausen gesprochen worden war, zuerst das Wort. Er erklärte zunächst, daß Se. Hoheit es außerordentlich bedauere, persönlich der Einweihungsfeier nicht beiwohnen zu können. Se. Hoheit sei von dem aufrichtigsten Wunsche erfüllt, daß das neue Gotteshaus zum Heile der Gemeinde sein möge. Se. Hoheit lege ganz besonderen Werth auf seine jüdischen Unterthanen, sie hätten in Folge ihrer Religion bei allen Gelegenheiten sich auf das Edelste bewiesen und ihre Treue znm Herrscherhaus bethätigt. Redner hob die Tradition des Ascanischen Hauses, allen Unterthanen des Landes ohne Unterschied des Glaubens gleiches Recht angedeihen zu lassen, hervor. Se Hoheit halte fest an dieser Tradition. Redner forderte daher auf, mit ihm das Glas auf das Wohl Sr. Hoheit des Herzogs und des ganzen Herzoglichen Hauses zu leeren, welcher Aufforderung die Versammlung, sich erhebend, begeistert Folge leistete. Hierauf widmete Herr Rabbiner Dr. Olitzky hochpatriotische Worte dem Kaiser Wilhelm II., er bezeichnete das Fest als Friedensfest, an welchem die Herzen in Liebe und Begeisterung für den Hort des äußeren, wie des innern Friedens, Kaiser Wilhelm, erglühen müßten. Der Trinkspruch fand ebenfalls begeisterte Zustimmung. Herr Oberbürgermeister Joachim! betonte besonders das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Confessionen in der Stadt Cöthen und trank auf ferneres friedliches Zusammenleben aller Confessionen. Herr Kreisdircctor Geh. Regierungsrath Bramigk erwähnte, welchen Edelsinn und welche Opferwilligkeit die Gemeindemitglieder für den Synagogenbau gezeigt hätten, um dessen Zustandekommen der Vorstand sich ganz besonders verdient gemacht habe. Nachdem Herr Herz noch der Bauverwaltung gedacht, insbesondere die bedeutenden Leistungen des Königl. Regierungs-Baumeisters Hagemann-Halle erwähnt hatte, toastete Herr Mendershausen auf die Damen. Der Herr Landesrabbiner Dr. Weiße (Dessau) dankte insbesondere der Anhaltischen Regierung für ihre den jüdischen Unterthanen stets bewiesene Huld und schloß mit einem Hoch auf den anwesenden Herrn Geh. Ober- Regierungsrath Rindfleisch. Der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Commissionsrath E. Meyer hob hervor, daß zu dem friedlichen Einvernehmen aller Confessionen die Stadt- und Kreisverwaltung nicht wenig beigetragen habe. Herr Regierungsbaumeister Hagemann dankte im Namen der Werkmeister und erklärte, daß ihm die Arbeit durch den Bauherrn, Commissionsrath Meyer, in hohem Maße erleichtert worden sei, daß dieser, wo die künstlerische Ausführung in Frage kam, bereitwilligst Mittel zur Verfügung gestellt habe, während er sonst das pekuniäre Interesse der Gemeinde mit größter Sorgfalt wahrgenommen. Herr Rabbiner Dr. Flaschner trank auf das friedliche Zusammenhalten in der Gemeinde. Herr Commerzienrath Felix Friedheim sprach von der würdigen Feier in der Synagoge, dankte insbesondere für die erbauliche, tiefempfundene Weiherede und toastete aus die Herren Rabbiner Dr. Olitzky und Cantor Senior. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. (Vergant als „Gründer".) Ein Antisemit ist das Ideal eines Menschen, so sagen nämlich — die Antisemiten. Er ist selbstlos, uneigennützig, ehrlich bis zum Fanatismus, wahrheitsliebend, unerschrocken, muthtg, bieder, fromm, kurz ein Ausbund aller menschlichen Tugenden. Nun leben wir aber in der schlechtesten aller Welten. WaS Wunder, wenn sein Streben in diesem irdischen Jammerthale nicht die gebürende Anerkennung finden, wenn er als Märtyrer seiner Ueberzeugung von einer Leidensstation zur anderen pilgert, wenn die Majestät seiner erhabenen Persönlichkeit mit Koth besudelt wird und ihm unter der Hand alle herrlichen Geistesmerkmale in ebensoviele Makel verkehrt werden? Daran ist doch nur die miserable Einrichtung dieser Welt schuld, die vorläufig noch gar nicht würdig ist, so potenzirte Geschöpfe," wie das neue g6nu8 humanum antisemiticum, zu tragen. Die böse Welt, die dumme Welt!! Herr Bergan! z. B. ist das Musterstück eines Ehrenmannes und doch wird ihm nachgesagt, er habe sich von seinem Herrn und Gebieter Schönerer moralische Fußtritte appliciren lassen, er habe zu wiederholten Malen sein Ehrenwort discreditirt, er sei bei einem bekannten Preßproceß feige ausgekniffen, und das, um die Wahrheit des Sprüchleins zu erhärten: Die Deutschen fürchten Gott und — den Gerichtssaal. Diese Welt ist eben zu schlecht für ihn, den guten Antisemiten. Was soll man zu einer Welt sagen, in der ein Herr Pattai existirt, der seinerzeit dem aufhorschenden Publicum zu erzählen sich berufen fühlte, sein einstiger Mitkämpe Vergani habe zum Nachtheil des Wiener ArmenfondeS die ihm ge-