Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 8 (26.1.1891)
- Date
- 1891-01-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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130 Literarischer Bericht. Stimme« vom Jordan und Euphrat. Ein Buch für's Haus von Dr. Michael Sachs. Dritte Auflage mit dem Bildniß des Verfassers. Frankfurt a. M. Verlag von I. K ausfm ann, Preis 5 Mark. Bl. Sie rauschen weiter, die Stimmen vom Jordan und Euphrat, sie füllen mit einem zaubervollen Frohsinn noch heut unser Ohr, sie werden auch in kommenden Tagen jedes begeifterungsfrohe Gemüth wundersam bewegen. Es liegt eine ganz eigenartige Anmuth in diesen Dichtungen des gottbegnadeten Mannes; der Versbau, die Gedankeufolge, selbst der Reim, das Alles sind nicht Früchte der modernen Dichterfchulen, orientalischer Hauch weht über diese Blätter, in den Liebreiz morgenländischer Sage hüllt sich die schmucklose Form, erhabene Einfachheit/und stille Größe, hellenischer Schönheitssinn und judäischer Schwung verbinden sich zu harmonischer Fülle in dem Verfasser und in seinem Gedicht. Eine werthvolle Bereicherung hat das prächtige Buch dadurch erfahren, daß in der vorliegenden Auflage die Vorrede des Herrn Prof. Lazarus fortgefallen ist. Lazarus besitzt Geist, und geistvoll ist auch seine „Vorrede" geschrieben; wenn er aber die eherne Gesetzestreue des bei alledem mildgesinnten und duldsamen Sachs seinem „kindlichen Sinn", seiner „naiven Begeisterung" und „poetischen Täuschungen" zuschreibt, wenn er von dem crbittersten Feinde Holdheims sagt: „er ist so kühn so freisinnig-orthodox zu sein", wenn er seine Gläubigkeit mit den Worten vertheidigt: „mit dem Werkzeug der modernen Bildung ist Negiren so leicht, Conserviren schwerer; desto schwerer, wo Negation im Rechte ist" — so ist das eine Kritik des Verstorbenen, die mit Recht lebhaften Widerspruch und zumal in den Kreisen gefunden hat, welche dem trefflichen Namen im Leben am Nächsten gestanden haben. Herr Fel ix Sachs, welcher diese Auflage besorgte, hat das Vorwort gestrichen und man wird ihm beipflichten müssen, wenn er schreibt: „Dieses schöne, von Freundschaft und Liebe eingegebene Vorwort enthält neben warmer Anerkennung deffen, was mein seliger Vater der Mitwelt gewesen ist, zugleich eine herbe Kritik dessen, was ihm das Heiligste war, seiner religiösen Anschauungen. DaS Urtheil durfte Herr Prof. Lazarus von seinem Standorte aus fällen; dem Sohne stände es schlecht an, es als Einleitung zu einer Schrift des Vaters zu wiederholen." Dazu kommt, daß die große Masse des Volkes Sachs' „Stimmen" kauft, um sie zu lesen und zu hören und sich an ihnen zu erquicken; die Rubrik „Parteinachrichten" interessirt daS Publikum nicht. Die Verlagsbuchhandlung von Kauffmann hat daS Werk so glänzend ausgestattet, daß es als Fe st ge schenk mit in erster Reihe empfohlen werden darf, und so wird diese köstliche von dem Bildniß des Verfassers begleitete Gabe auch in Zukunft sein, was bisher sie gewesen: Der Liebling der jüdischen Leserwelt. Zeitungsnachrichten und Correspondeuze«. Deutschland. Cöthen, 9. Januar. Die jüdische Gemeinde hierlelbst beging gestern eine seltene Feier, die Einweihung ihres neuerbauten Gotteshauses. Dasselbe, nicht ohne bedeutende Opfer der doch nicht eben zahlreichen Gemeinde hergestellt, ist ein sehr wohlgelungenes Werk, ein gefälliges Gebäude, innen ein Schmuckkästchen, doch frei von jeglichem überladenen Prunk. Die Einweihungsfeier begann gestern Nachmittag. Jeder Platz in der neuen Synagoge war besetzt, die Gemeinde vollzählig versammelt. Als Vertreter der Herzog!. Staatsregierung wohnte dem Einweihungsakte der Geh. Ober-Regicrungsrath und Vortragende Rath im Anhaltischen Staatsministerium Älbrecht Rindfleisch bei, ein geborener Cöthener. Der Landesherr hatte dem ersten Vorsteher der Gemeinde gegenüber seinem Bedauern Ausdruck geben lassen, daß er nicht selbst habe nach Cöthen kommen können, ebenso aber auch seiner Freude über die Fertigstellung des Gotteshauses. Gleichzeitig hat der Herzog in Aussicht gestellt, daß er sich dasselbe bald einmal ansehen werde. Unter den Theilnehmern an der Einweihungsfcier befanden sich ferner der Kreisdirector Geheimrath Bramigk, der Oberbürgermeister Joachimi, der Stadtverordnetenvorsteher Trautmann uud mehrere Stadtverordnete. Das glänzend erleuchtete, mit großen bunten Fenstern gezierte, vollbesetzte Gotteshaus in seinem frischen Schmuck machte einen wohlthuenden Eindruck. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde, der Rabbiner und die Gemeinderepräsentanten betraten, von feierlichem Gesang des Sängerchors empfangen, die Synagoge, trugen die in prachtvollen, silbergeschmückten Sammethüllen befindlichen Thorarollen in würdevollem Zuge herein. Es folgte eine Reihe religiöser Wechselgesänge des Vorbeters und des Chors. Unter feierlichem Gesänge wurden alsdann von dem 1. Gemeindevorstand, Commissionsrath Meyer, die Thorarollen in die heilige Lade gestellt, dann hielt der genannte Herr eine kurze Ansprache, um allen Betheiligtcn, dem Landesfürsten, der Regierung, den Staats- und Gemeindebehörden, den Mitgliedern der Gemeinde, den Beiträgespendern, den Erbauern u. s. w. zu danken und das neuerbaute Gotteshaus der Gemeinde zu übereignen mit dem Wunsche, daß es eine Weihe- und Erbauungsstätte, eine Stätte der Aussaat und der Pflege echten Menschenthums, eine Stätte des Lichts, des