Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 8 (26.1.1891)
- Date
- 1891-01-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 8. XXXII Jahrgang. Israelit«»Jeschurun. Zritslhrlfl W Förderullg D. Geikes mb M. Keders io A«s. ErmMe M Ztzilr. Gentrak-Hrgan für das orthodore ZudenIHum. Begründet von Pr. Lehmann in Mainz. Montag, den 2«. Januar 5651 (1891). Zum Geburtslage unseres Kaisers. Mainz, 25. Januar. Heil Dir, Hohenzollernsproß, auf Deutschlands Throne! Ku hast in jungen Jahren, nach Gottes Willen und Rathschluß, das Erbe Deiner Väter, das Jene zu Ruhm und Ehre gebracht, angetreten; doch hast Du Dich trotz Deiner Jugend bereits gezeigt, gleich einem weisen, wohlerfahrenen Manne, hast es verstanden, Dir die Herzen aller Deiner Unterthanen voll und ganz zu gewinnen. Millionen treuer deutscher Herzen schlagen Dir heute jubelnd entgegen und darunter sind die Herzen Deiner jüdischen Unterthanen; denn Du hast Dich ihnen als ein huldreicher, gnädiger Herrscher erwiesen. Wohl dem Fürsten, der sich eins weiß mit seinem Volke. Für Dich flehen sie Alle heute zu Gott und bitten Ihn um Dein Wohlergehen, Deine protestantischen, Deine katholischen, Deine jüdischen Unterthanen, Dein ganzes Volk! Sie Alle lieben Dich, denn Gerechtigkeit hast Du aus das Banner geschrieben, das Du hoch emporhälst. Nicht nach dem Lorbeer der Feldschlacht verlangst Du, nicht mit dem Blute Deiner Unterthanen willst Du Deine Krone schmücken, sondern mit ihrem Glücke. Zu Deinem Throne blicken auf die Äugender Bedrückten und erwarten Hilfe von Dir. Mit klarem Blicke hast Du die Uebel erkannt, die am Volkswohle zehren, und mit kräftiger Hand und frischem Muthe es übernommen, dieselben zu beseitigen. Nicht willst Du durch das Ausstreuen der Zwietracht herrschen, sondern ein einiges Volk willst Du haben, das Dir zujubelt. Denn Deines Volkes Wohl ist Dein Wohl und wer einen Theil Deines Volkes verletzt, hat Dich verletzt. Man hat Dich den Arbeiter-Kaiser genannt, und Du denkst so hoch, daß Du,Dich dieses Namens freuest. Er besagt, daß Du ein offenes Herz, ein edles Gemüth für die Niederen und Bedrückten Deines Volkes hast; mit ihnen hoffen auch wir, die deutschen Juden, auf Dich, Du wirst es nicht zulaffen, daß man uns beschimpft und beleidigt, daß man uns peinigt und quält, uns zu unterdrücken, ja zu ersticken sucht. Und so flehen wir denn zu Gott, daß Er Dich erhalten möge und Dich immerfort das Glück genießen lasse, der Stolz Deines Volkes zu sein. Wir schwören Dir zu, daß wir in den Tagen der Noth uns treu um Deine Fahne schaaren und mit Dir kämpfen und siegen wollen für Deutschlands Ruhm, für des Vaterlandes Ehre. Aber wir bitten zu Gott, daß Er Noth fern halten möge von unserem geliebten Vaterlande, daß Du auch fernerhin ein segensvoller Friedenskaiser sein mögest. Wir sind überzeugt, auch Du betest an diesem Tage zu Gott für Deines Volkes Wohl, zu Gott, dem Allvater, zu dem auch wir bitten, daß Er Dich uns erhalten möge.