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Der Israelit · 1891-01-22 · Heft 7 (22.1.1891) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 7 (22.1.1891)
Date
1891-01-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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126 und Toleranz gegen fremde Meinungen ist der beste Gradmesser des Kultur- und Bildungsstandes eines Volkes. Würde das deutsche Volk sich in weiterem Umfange der Böckel'schen Hetze anschließen, so verdiente es nichts Besseres, als von einem Dr. Böckel geführt zu werden." Böckel war in seiner Erwiderung recht kleinlaut; sie beschäftigte sich hauptsächlich mit den „eleganten Herren" der „Frankfurter Zeitung" und einem Feuilleton Karl Vogt's, welches letztere vor Jahren gebracht hat. Nach Böckel's Replik schloß der Vorsitzende sofort die Versammlung, es wurde nicht einmal die übliche Aufforderung zur Vereinsgründung oder dgl. erlassen. Die Herren wollten offenbar keine Gegner mehr zum Wort kommen lassen. Herr Böckel ließ sich von Hochstadt bis an die Station von einer Schaar halbwüchsiger Burschen begleiten, welche brennende Fackeln trugen, ein billiger Scherz, der auch von den „Judenfreunden" Angesichts der nächtlichen Zeit und des schneebedeckten Wegs dankbar empfunden wurde und insofern als ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit angesehen werden kann, als in der Versammlung selbst seitens der Gegner mit Herrn Dr. Böckel keineswegs „gefackelt" worden war. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Prag, 26. Dezember. Nr. 100 Ihres gesch. Blattes enthält einen Berliner Bericht über die neuen Statuten der dortigen mm d"b\ welcher Ihr Eorrespondent eine kurze Geschichte des Vereines vorangehen läßt. Ich bin in der Lage zu dieser Geschichte auch noch eine Vorgeschichte mitzutheilen, welche ganz gewiß Ihre Leser interessiren dürfte. Im Frühjahre 1846 gründete ich dahier im Vereine mit mehreren jungen Leuten einen mm dhv, welche heute noch besteht und an welcher im Laufe von nahezu einem halben Jahrhundert die hervorragendsten Männer der Judenheit als Mitglieder angehörten, von denen ich nur folgende anführe: Dr. Herr mann Adler, Oberrabbiner von Großbritanien, Dr. E h r e n fe l d, Oberrabbiner von Prag, Dr. Eisler, Religionsprofessor,und Schuldirektor von Nikolsburg (Gründer des Vereins), M. H i r s ch, Oberrabbiner in Hamburg, Dr. M. Kayserling, Prediger in Pesth, Dr. M. Lehmann, Rabbiner in Mainz, Begründer dieser Blätter, Neugebauer in Paris, L. Pollak, Rabbiner in Pesth, S. L. Rappoport, Oberrabbiuer von Prag. Da der Verein zum großen Thetle aus auswärtigen Mitgliedern bestand, wurde beschlossen, daß alle Mitglieder, welche Prag verließen, bestrebt sein sollten, an ihrem neuen Domicile eine man o"v zu gründen, welche dieselbe 'dd wie die Prager mm fortlernen sollte. Als Herr Dr. Lehmann 1852 nach Berlin ging, war er es, welcher die Anregung zur Gründung des Berliner Talmud-Thora-Vereins gab. Wie mir später mitgetheilt wurde, ist auch die Frankfurter mm ww ursprünglich von einem aus Berlin kommenden Mitgliede der dortigen mm gegründet worden. S. Kohn. Pesth, den 11. Januar. In Angelegenheit der Sonntagsruhe versammelten sich mehrere Rabbiner des Landes unter Vorsitz des Preßburger Oberrabbiners B. Schreiber '"5 zu einer Berathung in der Hauptstadt. Die isr. orthodoxe Landeskanzlei, welche sich in dieser Angelegenheit schon früher an das Abgeordnetenhaus wandte, unterbreitete der Rabbiner-Versammlung, die inzwischen gesammelten einschlägigen englischen und niederländischen Gesetze und die Enunciationen der Rabbiner von London und Amsterdam, aus welchen sich ergibt, daß die englischen und holländischen Legislationen bei Schaffung der diesbezüglichen Gesetze von großem Bedacht auf die religiösen Vorschriften der Juden waren. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß, unter Benützung dieser Daten, die Versammlung sich direct an den Handelsminister wenden werde. Italien. Livorno, 1. Januar. „Vessilo israelitico“ veröffentlicht ein Schreiben des Apellationsgerichtsraths Ritters Miglietta an unseren Glaubensgenossen Segre, in welchem derselbe sich sehr rühmend über die Redlichkeit, die Ehrenhaftigkeit und den guten Lebenswandel der italienischen Israeliten ausspricht. Unter Anderem schreibt er: „Ich war zehn Jahre nacheinander Untersuchungsrichter in Livorno, welches ungefähr 4000 Israeliten zählt, und während dieser Zeit kam nur einmal ein Vergehen eines Israeliten vor mich, und zwar hatte ein Israelit einem Rabbiner eine Uhr entwendet; niemals aber fand ich Israeliten im Streite gegen die Person und das Gut der Ehristen. Im Handel finde ich die Israeliten gerader und ehrlicher als meine eigenen Glaubensgenossen. Was den Wucher anbelangt, so finde er sich mehr bei denen, deren Stirn das Taufwasser empfangen, und hauptsächlich habe ich in Neapel diese Erfahrung gemacht." Amerika. Detroit (Mich.). Neben einer Reformgemeinde bestehen dahier drei polnische Gemeinden, an deren Spitze ein großer Talmudgelehrter steht. Derselbe, ein streng religiöser, erst 25 Jahre alter Mann, hat bereits bewirkt, daß die streng gehandhabr wird, so daß man dahier -,120 leben kann; auf seine Veranlassung wurde auch eine nipo erbaut. H. Werner.

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