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Der Israelit · 1891-01-22 · Heft 7 (22.1.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 7 (22.1.1891)
Date
1891-01-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Zweite Beilage M M 7 -rs „Israelit & Ieschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutsch! a u d. Berlin, 8. Januar. Eine neue antisernitischc Spi lart wird augekündigt, sie soll sich dem Stöckei'schen „Volk" zufolge demnächst als „sozialdemokratisch-antisemitische Partei" der Welt offenbaren. An ihrer Spitze steht ein gewisser Dr. Fennhagen und, wie es heißt, soll ein Berliner Bankier eine bedeutende Summe zur Gründung eines Parteiorgans zugesichert haben. Die Hanptthätigkeit dieser Gründung wird wohl in der Balgerei mit den Stöcker'schen und Böckel'schen bestehen, Hochstadt bei Hanau, 8. Jan. Heute hatte unser Ort die Ehre und das Vergnügen, den Generalfeldmarschall der deutschen Judenhetze, Dr. O. Böckel, als Gast zu beherbergen. Zweck der Anwesenheit des illustren Mannes war natürlich das Hineintragen konfessionellen Unfriedens in unsere bis dahin des Friedens sich erfreuende Gegend. Wie wir hören, war der „Mitteldeutsche Bauernverein" der Veranstalter der „Feier." Man hatte nicht blos hier, sondern auch in der Umgegend vorher eifrig für den großen Abend geworben und so war denn der Weber'sche Saal, in dem die Sache vor sich gehen sollte, bereits lange vor der für den Beginn der Versammlung festgesetzten Zeit, 7 Uhr Abends, bis auf den letzten Platz gefüllt. Allerdings, wie sich später zeigen sollte, keineswegs nur von Freunden der „heiligen Sache" Böckel's. Polizei war natürlich ebenfalls in höchst beruhigender Stärke vertreten. Ein in unserer Gegend gänzlich unbekannter, den gebildet gekleideten Ständen angehörender, jugendlicher Herr führte den Vorsitz. In etwa einstündiger Rede entwickelte Herr Böckel sein „Programm", aus dessen Einzelheitten wir nicht einzugehen brauchen, denn die Hauptsache ist ja doch die Judenhetze. Herr Böckel verwahrte sich allerdings feierlichst dagegen, eine solche Hetze treiben zu wollen; was es aber mit dieser Verwahrung auf sich hat, geht zur Genüge daraus hervor, daß der Ausdruck „Schmuser" in der Böckel'schen Rede etwa ein Dntzendmal vorkam und der Herr u. A. vorschlug, auf das Frankfurter Börsengebäude eine große krumme Nase als oberste Zier zu setzen. Schließlich forderte Böckel auf, einen Bauernverein zu gründen, bezw. sich dem Mitteldeutschen Bauernverein auzuschließen. Der Beifall, den die Rede Böckel's fand, war keineswegs ein sehr lebhafter, und während der Rede hatte es nicht an kräftigen Mißfallensbezeugungen gefehlt, was dem Vorsitzenden wiederholt Gelegenheit gab, seine Unfähigkeit für die Führung des Vorsitzes eklatant darzuthun. Unter mehr oder minder lärmenden Verhalten der Versammlung trat dann zunächst Herr Gastwirth Gert Fechenheim in kurzen Worten Herrn Böckel entgegen, indem er darauf hinwies, daß in hiesiger Gegend zwischen Christen und Juden immer ein gutes Verhältniß geherrscht habe und hoffentlich auch ferner herrschen werde. Nach einer Entgegnung Böckel's erwiederte diesem darauf Herr Emmel- Frankfurt vom sozialdemokratischen Standpunkt aus, öfters in wenig parlamentarischer Weise von Böckel selbst und außerdem von einem Polizeiwachtmeister unterbrochen, der die Versammlung mit der Versicherung beruhigen zu müssen glaubte, daß Herr Böckel sich auf die Angriffe schon „reoanchiren" werde. Diese Einmischung des Polizeibeamten wurde von dem sozialdemokratischen Redner gebührend kräftig zurückgewiesen, ebenso eine stark an Agents provocateurs erinnernde Anfrage Böckels an den Redner bezw. die Auslegung der Antwort desselben. Nach der Erwiderung Böckels auf diese Ausführungen erhielt das Wort Redakteur Schreiber- Frankfurt, der sich schon unmittelbar nach Böckel's erster Rede zum Wort gemeldet, es aber nicht erhalten hatte. Er gab zunächst seiner Verwunderung über die große Zahl von Widersprüchen und die kaum glaubliche volkswirthschaftliche Unwis^nheit Ausdruck, die in Böckel's Rede zu Tage getreten seien, und ging dann in längerer Ausführung auf die Widerlegung der einzelnen Punkte derselben ein, wobei die Versammlung mit lautloser Aufmerksamkeit folgte. Nur Herr Dr. Böckel machte mehrere Male erregte Zwischenrufe, erhielt aber in jedem Falle vom Redner die entsprechende, sehr deutliche Antwort. Mit ganz besonderem Nachdruck betonte Schreiber die Unehrlichkeit der Kampfesweise Böckel's, der immer versichere, keine Judenhetze zu treiben und sich dabei in solch' unerhörten Ausfällen, wie heute Abend, gegen die Juden ergehe. Ein überaus stürmischer Beifall eines großen Theiles der Versammlung folgte den Schlußworten Schreibers, etwa lautend: „Unserer Zeit, insbesondere dem deutschen Volke, sind gewaltige Aufgaben gestellt, lassen Sie also Ihre Kraft nicht für eine so klägliche Bewegung wie die Böckel'sche Hetze mißbrauchen. Unsere Juden sind gewiß ebenso gute Deutsche, wie etwa der Herr Dr. Böckel. Wir Alle sind Söhne Eines Vaterlandes, das wir innig lieben. Meinungsverschiedenheit muß es geben, aber die Duldung

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