Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1891)
- Date
- 1891-01-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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%XXH Jahrgang. Erste Beilmgr M M 7 des..Israelit & Ieschurun" Leitender Artikel. UereK Schirah. XVI. Fortgesetzt von Liepman Philip Prins. (Der Lobgesang des Wassers.) Frankfurt a. M., 15. Januar, aw&'j r6ir. d'obq d'd pan inn Vipb *idw d’d .pwi napa „Das Wasser spricht: Nach jener Stimme ist Sein Geben eine Menge Wassers in Himmel und Er führt Wolken herauf von den Enden der Erde." •pnru D’i:6 Von Jeremiah wissen wir gewiß, daß er nicht der ausschließliche Prophet Israels ist, sondern auch der Prophet anderer Völker. „Dich habe Ich berufen" — so war der erste Ausspruch seines Gottes an ihn ergangen — „zum Propheten für die Völker." Jenes Lied, welches das Wasser zum Lobe des Allmächtigen anstimmt, ist nicht nur an Israel gerichtet, sondern auch an jenes Volk, zu welchem Juda in sein erstes Exil wandern mußte. — Zweimal kommen diese Worte in dem Buche Jeremijah vor, und zwar im 10. und im 51. Capitel. In beiden Capiteln finden sich die Worte, mit denen das Wasser den Allmächtigen preist. Ob Israel zur Zeit der Weissagung des 10. Capitels sich schon im babylonisch-chaldäischen Reiche befand, oder ob der Prophet das von seiner Heimath getrennte Volk mit seinem Seherauge betrachtete und ihm das Wort Gottes verkündete — wir können es nicht entscheiden. Eine Betrachtung der beiden Prophezeiungen im 10. und 51. Capitel, ein näheres Eingehen auf den Text und auf die Gedanken, welche unsere Weisen im Talmud und Midrasch an diese Worte knüpfen — dies alles wird uns vielleicht kund thun, was uns das Wasser mit seinem Sange lehren will. Zur Zeit, als Jeremijah seine Prophetenlaufbahn^begann, war Jerusalem noch die angesehene, reichbevölkertc Stadt und Palästina die Fürstin der Länder. Jedoch war dies nur äußerer Glanz; wie sah esffaber im Innern aus? Priester und Fürsten, Vornehme^und Geringe waren nicht mehr das, was sie als Gottesdiener, als Vertreter der göttlichen Lehre, als Unterthanen eines gottgeweihten Staates, hätten sein müssen. Ein Blick in das Buch der Elegien genügt uns, uns ein Bild von den traurigen Verhältnissen des einzigen theokratischen Staates auf Erden zu entwerfen. Die Ausbildung der Gottesidee, die Hochhaltung der Gottesgesetze bildete nicht mehr das Bestreben Israels auf dem heiligen Boden. Israel betrachtete sich nicht mehr als das Gottesvolk, welches dazu bestimmt ist, den Monotheismus der Welt zu verkünden. Israel hatte doch die Aufgabe, durch sein keusches Familienleben, sein sittliches Benehmen, das Vorbild der Mitwelt zu sein — doch das Gegentheil wurde leider nur allzu wahr. Materialismus und Luxus, wodurch die damals weltbeherrschenden Völker ihre Macht und Kraft dem In- und Auslande zeigen wollten, hatten sich auch Israels bemächtigt, und wenn sich auch die Familienväter dem Eindringen des fremden Cultus in ihre Häuser entgegenstellten, so schlossen sich die jüngeren Familienmitglieder den» noch den egyptischen und babylonischen Sitten an. So hatte das trauliche Familienleben allmählich aufgehört, und Israel stand entkräftet da. Kaum können wir uns einen Begriff machen von der Entrüstung jenes ernsten Mannes, der trotz seines sanften, liebevollen Characters eine unvergleichliche Festigkeit besaß, der das Wort Gottes: bz n«i niew bo by 'd iyi nonn hu "D“in -pro nm, „Sage nicht, ich bin ein Jüngling! sondern gehe, wohin ich Dich schicke und sprich' alles, was ich Dir gebiete", in seiner vollen Bedeutung würdigte. Strenge und ernst war der Befehl Gottes für den Mann, der der Natur nach mitleidsvoll und demüthig war. Jünglinge und Jungfrauen sah er heranwachsen, wie sie in Wiegen von Elfenbein gebettet wurden, wie sie sich mit den seltensten Kleinodien schmückten, wie sie sich der kostbarsten Parfümerien bedienten, wie sie sich an den feinsten Mahlen belustigten — und sie sah er schon im Geiste in Knechtschaft hinausziehen in jenes Land, dessen Sitten sie sich schon längst angeeignet hatten. Und da lautet seine Anrede: „Hört das Wort, welches Gott über Euch gesprochen, n’2, Haus Israels." rpD. Welch' tiefer Sinn liegt nicht in dieser Anrede! Schon in den vorhergehenden Capiteln begegnen wir öfters dem Ausdrucke rra, welchen der Prophet gebraucht, um dem Volke zu sagen, daß es kein würdiges Haus Israel mehr bilde; hier spricht der^Prophet in der Anrede tonr» n»3 ein hoffnungsvolleres Wort aus. Er wußte doch, daß Israel nur deßhalb ins Exil wandern mußte, nur deßhalb in der Diaspora sich aufhalten sollte, damit es sich selbst wieder zusammenfinde, um aus dem verworrenen Familienleben ein einheitliches herzustellen. Das Glück