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Der Israelit · 1891-01-22 · Heft 7 (22.1.1891) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 7 (22.1.1891)
Date
1891-01-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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116 tische stehen, dem Bankbeamten zehn Stück Taufender-Noten vorzählen und seine Unterschrift auf dem Accepte durchstreichen. Ich blieb vor Erstaunen wie eingewurzelt stehen; — als sich der Bankbeamte und der Diener entfernt hatten und wir ganz allein blieben, zog ich die sechstausend Gulden aus der Tasche und sprach verwirrt: „Da ist das Geld, das ich Dir zu bringen versprochen!" Es schien mir, daß Jakob erbleichte, daß ein leichtes Zittern seinen Körper durchlief, als er mich erregt unterbrach. „Ich brauche Dein Geld nicht, Du hast es selbst gesehen, ich habe mein letztes Accept auch ohne Deine Hilfe bezahlt." „Woher hast Du das Geld genommen?" frug ich neugierig. „Das hat Dich nicht zu kümmern!" hatte der sonst sanfte, ruhige Mann geantwortet; dann wandte er sich heftig von mir ab, trommelte mit den Fingern nervös an der Fensterscheibe, wie man das sonst nur in höchster Aufregung zu thun pflegt. da . . . ." Speier brach plötzlich ab, er wurde kreideweiß und es zuckte eigenthümlich über sein Gesicht. „So sprich' doch weiter!" schrie Hanna Perlberg. „Da fühlte ich wie einen glühenden Dolchstoß in meinem Herzen — mich überkam ein Gedanke — ein Gedanke, der mich Jahre lang mit entsetzlicher Furchtbarkeit gequält — der das Glück meiner Familie zerstört hätte, wenn der allgütige, allweise Gott nicht Dir, Du liebe, theuere Tante, den herrlichen Gedanken eingeflößt hätte, unserem Josef zu seiner Barmizwah das Siddur seines Großvaters zu schenken." „Ich verstehe Dich nicht, sprich' deutlicher!" drängte die Greisin. „Tante Hanna sei' nicht böse, mache mir keine Vorwürfe, ich mache mir selbst die härtesten, bittersten, .... aber bedenke es, Tante Hanna, ich bin ja nur ein fehlbarer, der Nachsicht bedürfender Mensch. . . . Jakob hatte mir drei Tage zuvor erklärt, er brauche sechstausend Gulden, die er sich nicht verschaffen könne — er hatte in der Sinnlosigkeit verzweifelnder Angst hinzugefngt, er befinde sich in einer Nothlage, die den redlichsten Menschen zu einem Verbrechen drängen könnte, — die sechs Stück Tausendgulden-Noten, die, als ich Onkel Josef Freitag Nachmittag verlassen, vor ihm auf der Bettdecke lagen, waren in völlig unerklärbarer Weise während der Stunde, in welcher Jakob mit dem Todtkranken allein gewesen, verschwunden. — Jakob hatte mich nicht einmal an mein Versprechen erinnert, — er besaß zur Zeit das Geld, dessen er bedurfte, ich hatte es mit eigenen Augen gesehen, er hatte den Wechselbetrag in lauter Tausender- Noten ausbezahlt, Jakob war mir, so schien es, die letzten Tage scheu ausgewichen, er schien, als ich in sein Comptoir trat, von meinem Anblick unangenehm überrascht, erschreckt, er hatte meine harmlose, theilnehmende Frage, woher er sich das Geld verschaffte, unbeantwortet gelassen ... es bäumte sich in mir alles gegen den Gedanken auf, der mich erfaßte, aber ich mutzte ihm schließlich doch erliegen; ich mußte nach dem merkwürdigen Zusammentreffen der Umstände glaub en: Jakob, mein bester Freund, der edelste, selbstloseste Mensch — sei denn doch in seiner verzweiflungsvollcn Lage der übermächtigen Versuchung erlegen, Jakob Perlberg wäre — ah! ich kann das harte böse Wort schwer über die Lippen bringen — aber ich habe ja diePflicht, meinen Euch unerklärlichen Widerstand gegen eine Ehe mit Jakob Perlbergs Sohn zu entschuldigen . ... ich Wahnverblendeter mußte glauben, Jakob Perlberg — wäre ein Dieb geworden!" (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und DounerftagA, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis de8 Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür'S Ausland 18 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig , halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — purch den Suchhanüel su bestehen bei E. F. Steinacker, Leipzig, Poßpiatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeilc oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder ö st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzufendeu. Inhalt <Hauptblatt): Leitender Artikel: Das Judenthum und die Neige des 19. Jahrhunderts. Von Dir. Dr. Mendel Hirsch, Frankfurt a. M. (Fortsetzung.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu: Deutschland: Darmstadt. Worms. Griesheim. Berlin. Hamburg. Eydtkuhnen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Prag. — Rußland: Petersburg. — England : London. — Vermischtes. — Feuilleton: Das Geschenk der Großtante. Erzählung von S. K o h n (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Perek Schirah. Fortgesetzt v. Liepm. PH. Prins, Frankfurt a. M. (Fortsetzung.) — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Angermünde. — Egypten: Kairo. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen: Deutschland: Berlin. Hochstadt b. Hanau. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Pesth. — Italien: Livorno. — Amerika: Detroit (Mich.) Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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