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Der Israelit · 1891-01-22 · Heft 7 (22.1.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 7 (22.1.1891)
Date
1891-01-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Rawitsch, 5. Jan. Wir kommen von einem traurigen .Gang zurück, wirhaben soeben Frau Markus Cohn, eine nsw 7'N im eminentesten Sinn des Wortes, eine seltene Gattin und Mutter, eine edle, wahrhaft fromme Frau begraben. Die in Blüthe ihrer Jahre, 52 Jahr alt, von einem jähen Tode dahingeraffte, hatte mit ihrem Gatten, der ihr in das Jenseits vorangegangen ist, ein echt jüdisches, echt patriarchalisches Haus begründet, ein Dn"ON 712 rrs, welches den Armen und Bedrängten zu jeder Zeit weit offen stand. Ihre Kinder erzog sie in mustergiltiger Weise. Keines derselben, obgleich alle die höhere Schule besuchten und zum Theil absolvirten, durfte am Sabat in die Schule gehen. Für die Einführung der Söhne in das jüdische Schriftthum, speciell für den Unterricht im Talmud, wurden frühzeitig geeignete Lehrer gewonnen, von denen seither mehrere zu Rabbiner in orthodoxen Gemeinden gewählt worden sind. Damit das Talmudstudium stets geübt werde und seine Pflege in ihrer Heimatstadt Rawitsch nie erlösche, begründete die Heimgegangene, zugleich um non ’“Q“ □"DD zu sein, eine Stiftung, aus welcher für ewige Zeiten ein Klausrabbiner unterhalten werden soll, der zu lernen und im hiesigen Kmcn D’2 Lernvorträge zu halten verpflichtet ist. Ein unabsehbares Leichen-- gefolge gab der Verstorbenen die letzte Ehre. Aus dem Friedhof sprachen Herr Rabbiner Dr. Löb und Herr Stiftsrabbiner Auerbach innige Worte der Trauer; dann gaben die Schwiegersöhne, Herr Dr. Hoffmann, Rabbiner in Neustettin, und Herr Dr. Cohn, Rabbiner in Basel, dem tiefen Schmerze Ausdruck, den die Familie über den unersetzlichen Verlust empfindet. n"Dain Paris, 20. Jan. Ro thschil d sandte der Armenpflege- Verwaltung 150,000 Frs. Feuilleton. Z>as Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (Fortsetzung.) „Der Schlaf hatte mich", fuhr Speier fort, „geistig und körperlich gestärkt, und ich fühlte mich auch getrösteter, beruhigter. Ich erkannte die Nothwendigkeit, wieder in meinen gewohnten Familienkreis einzutreten. Ich hatte mich durch fünf Tage nicht um unser Geschäft gekümmert. Bei dem großen Umfange desselben war an dieses nicht nur unser eigenes, sondern auch das Interesse Anderer geknüpft. Geschäftsfreunde domilizirten ihre Wechsel bei uns und ihre Ehre und ihre Existenz hing davon ab, daß die Einlösung prompt und rechtzeitig erfolgte. Montag früh, gleich nach dem Frühstücke, wollte ich in's Comptoir, um mit möglichster Raschheit das Dringendste zu besorgen. Ich erinnere mich auch aller Vorgänge dieses Dages mit solcher Deutlichkeit, als wenn ich sie erst vor einigen Stunden erlebt hätte. Als ich mich ankleidete, um ins Comptoir zu gehen, schlug es. von der nächsten Thurmuhr neun, und bei dem neunten Glockenschlage fiel es mir urplötzlich ein, daß Jakob mir gesagt, daß ihm um diese Zeit die Bank einen Wechsel zur Zahlung präsentiren könne, zu welcher ihm noch sechstausend Gulden fehlen und ich ihm versprochen, ihm diese zu borgen. Mir wards plötzlich, als ob mich Jemand mit einem Kübel siedenden Wassers übergösse. Jakob hatte ja auf mein Wort gebaut! Ich machte mir die bittersten Vorwürfe und wollte keine überflüssige Minute versäumen, die Jakob in peinlichster Verlegenheit verleben müßte. Ich wollte zunächst in unser Comptoir gehen, um aus der Casse sechstausend Gulden zu nehmen, und der Gedanke quälte mich, daß ich möglicherweise nicht den vollen nöthigen Betrag oorfinden und mit der Beschaffung des Restes kostbare Zeit verlieren würde. Da fiel es mir plötzlich ein, daß ja sechstausend Gulden im ersten Stocke in Onkel Josef's Wohnung in dem rothen Portefeuille in der kleinen, eisernen Casse lägen. Ich eilte in das Schlafzimmer des Verstorbenen, schloß die kleine, eiserne Casse auf und griff hastig nach dem rothen Portefeuille; — allein als ich dasselbe öffnete — fand ich es leer!" „Leer?!" riefen die drei Frauen wie aus einem Munde. „Wo, um alles in der Welt, mußte ich mich fragen, sind die sechstausend Gulden hingekommen? Als ich Freitag Nachmittags Onkel Josef auf eine Stunde verlassen hatte, war das Geld noch vor ihm auf der Bettdecke gelegen, Jakob Perlberg war während meiner Anwesenheit fortwährend bei ihm gewesen, und, wie. er mir dies aus- und nachdrücklich gesagt, hatte während meiner Ab- und Anwesenheit kein fremder Mensch das Zimmer betreten! Allein jetzt nahm ich mir nicht die Zeit, über diese Unbegreiflichkeit nachzudenkcn, ich mußte nur daran denken, Jakob das Geld zu bringen, dessen er so nothwendtg bedurfte. Ich machte mir gerechte Vorwürfe darüber, daß ich, trotz meiner Aufregung, meines besten, treuesten Freundes vergessen konnte! Unwillkürlich traten die zahlreichen Beweise seiner Freundschaft vor mich, sein Edelmuth in meine Erinnerung, vor allen andern der Moment, wo er Dich, Pauline, für immer verloren und doch die Seelengröße besessen, mir den Weg zu zeigen, auf welchem ich mein höchste Glück zu erreichen vermochte! — Ich eilte, so rasch ich konnte, in unser Comptoir, ich mußte alles vorhaudene Baargeld zusammenraffen, um die sechstausend Gulden zusammenznbringen. Als ich in der Nähe von Jakob's Geschäftslokal anlangte, sah ich den Beamten der Nationalbank von dem Diener, der das große Portefeuille an einem Riemen umhängen. hatte, begleitet, in dessen Haus treten. Ich heflügelte meine Schritte, aber als ich athemlos in Jakob's Comptoir stürzte, sah ich ihn ruhig am Zahl-

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