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Der Israelit · 1891-01-22 · Heft 7 (22.1.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 7 (22.1.1891)
Date
1891-01-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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114 Freudig und opferwillig zur Verherrlichung des Namens Gottes wollen wir die Gemeinde verwalten und ich schließe mit den Worten des großen deutschen Dichters: „Die Liebe ist Gott auf Erden." Mit der Begeisterung fürs Judenthum, welche eine Tochter der Liebe zu demselben ist, wollen wir uns den großen Ausgaben, die unser harren, widmen. Mt Gottes Hilfe wird unser Thun gelingen, denn „wie man sichs vornimmt, so hilft einem Gott." A. G-. Prag, 16. Januar. Der eben ablaufende bürgerliche Halbmonat hat uns eine Reihe vortrefflicher Vorträge gebracht, oatp irry wurden wie alljährlich nach den Statuten der altehrwürdigen seit Jahrhunderten in unserer Gemeinde wohlthätig wirkenden Beerdigungsbrüderschaft zwei Büßpredigten abgehalten. In dem Sitzungssaale genannter Brüderschaft trat Religionsprofessor Rabbiner Knopfelmache r ein wegen seiner echten Frömmigkeit, Anspruchslosigkeit und sänes talmudischen Wissens allgemein beliebter Mann, in Prag das Erstemal als Redner auf und überraschte durch einen gediegenen trefflichen Vortrag, der sich des vollen Beifalls einer zahlreichen und gewählten Zuhörerschaft erfreute. Nach dem nmv-Gebete in der Klaussynagoge betrat der Oberrabbiner Dr. E h r e n s e l d die Kanzel. Seiner Predigt sandte er — der üblichen Gepflogenheit bei dieser ntnn folgend — ein in musterhaftem klassischen Hebräisch verfaßtes Gedicht voraus, welches in gedrängter Kürze Zweck und Inhalt der Rede skizzirte. Der formvollendeten, die Zuhörerschaft electrisirenden Predigt folgte zum Schluß eine gelungene talmudische Erörterung. Am letzten Sabbatausgang hielt Herr Dr. Grün im Vereine Afike Jehuda einen Vortrag „Jüd. Literatur und jüdisches Leben am Ende des vorigen und zu Beginne des gegenwärtigen Jahrhunderts." Wir würden es lebhaft bedauern den färben- und inhaltretchen Vortrag aus Mangel an Raum nicht wieder geben zu können, wenn wir nicht hofften, daß derselbe in Druck gelegt und in dieser Weise auch den weitesten Kreisen zugänglich gemacht werden wird. Der ebenso intereffante als amüsante Vortrag wurde von dem zahlreichen Auditorium, unter dem sich die Spitzen der Gemeinde befanden, mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt und mit rauschendem Beifall belohnt. Rußland. Petersburg. Die von dem Pariser „Times"- Korrespondenten wiedergegebene Nachricht, daß der Zar die Anwendung der gegen die Juden in Rußland gerichteten Gesetze auf drei Jahre verschoben habe» ist zu bezweifeln. Der erwähnte Korrespondent, bemerkt, daß er diese Nachricht von einem Freunde erhalten habe, welcher soeben aus Rußland zurückgekehrt sei und ihm auch folgende, wohlbeglaubigte Geschichte erzählt hat, die beweist, daß die Juden von dem gegenwärtigen Zaren nichts zu erwarten haben. Einem reichen und gelehrten Juden war es mit großer Mühe gelungen, ein langes Memorandum über die Lage der russischen Juden zur Kenntniß des Zaren zu bringen. In diesem Schriftstücke wurde darauf hingewiesen, daß es im Interesse Rußlands selbst liege, wenn die Verfolgungen gegen die Juden aufhörten. Der Zar las das Memorandum aufmerksam durch und schrieb dann Folgendes an den Rand: „Dieses Memorandum ist in sehr bemerkenswerther Weise geschrieben. Es enthält sehr schlagende Gründe, bisweilen wird es beredt und es bringt Thatsachen ans Licht, welche sehr betrübend sind, aber wir sollten nie vergessen, daß es die Juden waren, welche unseren Herrn kreuzigten und sein kostbares Blut vergossen." Diese zarische Randbemerkung war uns längst bekannt und wir haben auch bereits im Leitartikel vom 16. December v. I. auf dieselbe hingewiesen, gleichzeitig mit der Frage, ob denn Pontius Pilatus ein Jude war. (F. Z.) Wie man der „Polit. Corr." aus Petersburg schreibt, soll die aus dem Jahre 1838 stammende Bestimmung, wonach Kinder, Enkel und Neffen jüdischer Unterthanen, welche dem russischen Heere angehört haben, in den zwei Hauptstädten Petersburg und Moskau unbeschränkten Aufenthalt nehmen dürfen, dahin beschränkt werden, daß dieses Recht nur noch die Kinder solcher Militärpersonen haben sollen. Ferner hat die in dem Justiz-Ministerium eingesetzte Kommission zum Zwecke der Ausarbeitung einer Reform des Advokaturwesens im Prinzipe den Antrag angenommen, daß die Anzahl der jüdischen Mitglieder des Advokatenstandes in den Städten Petersburg, Moskau und Warschau nur ein Zehntel der Gesammtzahl betragen dürfe. England. gottium, 14. Jan. Der „Times" wird aus Paris gemeldet, daß die Anwendung der gegen die Juden in Rußland gerichteten Gesetze auf Befehl des Zaren auf drei Jahre verschoben worden sei, und zwar in Folge von Vorstellungen des Finanz- Ministers, welcher erklärt habe, die Finanzen Rußlands gestatteten nicht einen Streit mit den jüdischen Bankiers Europas. •£* Vermischtes. «4 In Hillesheim (Rheinhessen) starb am 9. d. der Vorsteher der isr. Gemeinde Herr Heinrich May er. Der frühere Lehrer dieser Gemeinde, Herr B ohe int hielt diesem braven Jehudi die Leichenrede. In Bruchsal hat sich unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Eschelbacher ein Verein zum Thorastudiüm gebildet.

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