Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1891)
- Date
- 1891-01-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448130--31454-2479255- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ll3 Legate, Geschenke und Zinsen auf Mk. 82,203,21 vergrößert. Hiervon sind augenblicklich Mk. 26,000,— auf längere Zeit zinstragend belegt, weil dieselben für die Zwecke des Instituts einstweilen nicht erforderlich sind. Es wird gehofft, daß in Folge der vorgenommenen Statutenänderungen hierin baldigst ein Wechsel eintritt. Die Verwaltung des Israelitischen Vorschuß-Instituts besteht aus den Herren Levin Lion, Vorsitzender, John A. Israel, Jacob Reis, Ferdinand S. Cohen, Louis Levy, M. I. Liebermann, Alfred Levy, N. Otto Jonas, Martin M. Heilbut und Louis Leffmann. Hamburg. In Dr. Anton Ree, der in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Alter von 75 Jahren in seiner Vaterstadt Hamburg gestorben ist, verliert die Demokratie einen treuen Anhänger und Vorkämpfer. Ree entstammte einer Kaufmannsfamilie, hatte von 1829—33 Philosophie studirt und war 1837 Lehrer, 1848 Direktor der Israelitischen Freischule in Hamburg geworden. Später wurde die Schule in eine Simultanschule umgewandelt, die dann den Namen „Stiftungsschule von 1815" erhielt. Am politischen Leben Deutschlands wie an den Ereignissen auf kommunalem Gebiete der Vaterstadt, nahm Dr. Ree stets den regsten Antheil; namentlich 1848 trat er in den Vordergrund der Bewegung. Eifrig kämpfte er auch im Verein mit Gabriel Riesser für die Emanzipation der Israeliten. Er gehörte dem Parlament des Norddeutschen Bundes, 1867 bis 1870, und dem Reichstage, 1881—1884, als Mitglied an (HI. Hambnrgischer Wahlkreis); Mitglied der Bürgerschaft war er zu verschiedenen Zeilen. Sein 50jähriges Lehrer-Jubiläum 1888 wurde durch eine größere Feier begangen, die zur Gründung der „Anton-Ree-Stiftung" führte. Mit Dr. Ree, schreibt der „Hamburger Cor resp.", ist eine der bekanntesten und geachtetsten Persönlichkeiten unserer Vaterstadt aus dem öffentlichen Leben geschieden, dem er Jahrzente hindurch angehört hat. Anhänger und Gegner seiner politischen Ueberzeugungen stimmen überein in der unbedingten Hochachtung vor dem lauteren Charakter dieses Mannes, der stets nur das Beste des Reichs und seiner Vaterstadt gewollt hat. Eydtkuhrren, 17. Januar. Vielfach werden wieder neue Unterdrückungen der Juden in Rußland bekannt, die feit dem 1. Januar 1891 in Kraft getreten sind. Unter diesen ist eine, die der Gouverneur von Wilna, der wegen seiner Grausamkeit gegen 'die Juden genug berüchtigt ist, in seinem Bezirk und besonders in der Stadt Wilna angeordnet hat. Dieselbe besteht in dem Verbote, daß von nun an keine Juden mehr Schenken hoben dürfen. Zu mildern suchte er scheinbar dieses Verbot, indem er verfügte, daß sie zwar auf christliche Namen solche besitzen dürfen, aber selbst nicht hinter dem Büffet betroffen werden dürfen. Sobald der jüdische Eigenthümer daselbst betroffen würde, würden seine Güter eingezogen werden. Oesterr. Ungar. Monarchie. Wien, 22. Dezember. Kaiser Franz Josef hat aus dem Erträgnisse der Staats-Wohlthätigkeits-Lottcrie zwanzigtausend Gulden zum Bau des iuterconfessionkllen Svitals in Teschen (Schlesten) gespendet. Gründer dieses Spitals ist bekanntlich der Superintendent der evangelischen Kirche, Dr. Theodor Haase, der so der leidenden und bresthaften Menschheit eine Zufluchtsiätte schaffen wollte, wo Jude, Christ und Heide die gleiche Pflege und zugleich auch die Nahrung, die er selbst wünscht, finden soll. Der jüdische Kranke wird sich daher in diesem Spitale seine rituelle Kost verschaffen könmn. Der strengkatholische Kaiser von Oesterreich wollte so mit seiner hochherzigen Spende zeigen, daß er die Absicht des evangelischen Pastors vollkommen billige und auch wünsche, daß man den heilungsuchenden Menschen nicht erst nach seinem Glauben, sondern blos nach seinen Schmerzen frage, um dieselben lindern zu können. Wien. Der einstimmg zum Präses der Cultusgemeinde erwählte Herr Wilhelm Ritter v. Guttmann entwickelte in nachstehender Rede sein Programm: Sie haben mir eine große Ehre erwiesen und ich werde mit Gottes Hilfe alles thun, um mich dieser hohen Ehre würdig zu zeigen. Unsere Hauptaufgabe ist die Erhaltung des Friedens in der Gemeinde, und ich strebe in dieser Richtung den hochverdienten Männern nach, die vor mir, an der Spitze der Gemeinde, stehend, es sich zur Pflicht gemacht haben, Eintracht und Einheit in der hiesigen Gemeinde zu wahren und zu erhalten, so daß wir, im Gegensätze zu den Gemeinden in den benachbarten Staaten, zu einer großen Gemeinde gehören. Diese Eintracht legt uns die Verflichtung auf, für die religiösen Bedürfnisse der verschiedenen Partheien die gleiche Obsorge zu treffen. Dies besteht in erster Linie in dem Bau eines neuen Gemeindetempcls, wodurch einem unabweisbaren Bedürfnisse abgeholfen wird. Eine nicht minder wichtige Aufgabe der Cultusgemeinde ist das Studium der Thora. Ich erinnere mich mit Stolz an die Zeit, in welcher ich dem Studium der Thora meine Muße widmen konnte. Durch Vermehrung der Bibelschulen muß den Kindern Gelegenheit gegeben werden, einen gründlichen Unterricht im Hebräischen und in der Bibel erhalten zu können. Auch eine Pflanzstätte für die jüdische Wissenschaft und zur Pflege derselben muß in Wien geschaffen werden. Aufgabe der Cultusgemeinde ist auch die Vertheidigung des Judenthums gegen alle feindlichen Angriffe.