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Der Israelit · 1891-01-19 · Heft 6 (19.1.1891) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 6 (19.1.1891)
Date
1891-01-19
Page
– (sequence 19)
Language
German
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107 der seinen Thron auf Gerechtigkeit gegründet und auch die Menschenliebe zur Herrschaft bringen will." Am Abend fand ein Festmahl statt, an welchem 190 Vereinsmitglieder und viele Ehrengäste von hier und auswärts lheiluahmen. Die Reihe der Ansprachen eröffuete der Sanitätsrath Herr Dr. Hayn mit einem Toast ans Seine Majestät den deutschen Kaiser Wilhelm. Dann begrüßte der Stadtverordneten-Vorsteher Herr H. Bloch im Namen des Vereinsvorstandes die Gäste. Nachdem die Gäste durch vorzügliche Speisen und Getränke sich körperlich erfrischt und durch die Musikklänge der hiesigen jüdischen Kapelle ihr Gemütb erheitert hatten, ergriff der Rabbiner Herr Dr. L. Münz das Wort zu einer längeren, geistreichen Tischrede. Einen Gedanken aus dieser Ansprache wollen wir schon deswegen hier anführen, weil mit demselben eine Stelle im Tischgebet, die wohl die wenigsten richtig verstehen, treffend erklärt wird. „Zu den Schriftwortei? „und er gab ihm den Zehnten von Allem" (1. B. M. 14, 20) bemerken untere Weisen : Als Segen, als Lohn für die WohtthäügkKt. wie sie Abraham geübt, wurde der Genuß von drei köstlichen Gütern erlangt. Bei Abraham heißt cs, „der Ewige segnete den Abraham mit Allein", bei Jsak „ich aß von Allem", bei Jakob „rch habe Alles": diese drei Segnungen waren der Lohn jener fromm n Thal, welche bezeichnet wnd mit den Wonea „und er gab ihm den Zehnten von Allem.") Der Midrasch denket hier uns drei Segnungen hin, die in der Schrift genauer bezeichnet werden. Wem Gott, sagt Kohclek, dMönijum und Güter g e g c b e n und die Fähigkeit verliehen, davon zu genießen und sclueu Theil hirrzimehmeu und an seinen! Erwerbe sich zu freuen — das ist eine Gabe Gottes. (Pred. 5, 18). Hier wird von drei Segnungen gesprochen, die, vereint, eine beglückende Gabe bilden. Reichthum ist eine Gnade des Himmels. Doch der Besitz von Hab uns Gut rnacht allein das mdische Glück noch nicht aus. Gibt es doch Menschen, die eine Fülle von Gütern besitzen, und doch ein kümrnerliches Leben führen. Sic sind nicht die Herren, sondern die .Km.hte, die Sklaven ihres Besitzes; sie müssen sorgen und arbeiten, den Geldhausen zu bewachen und zu vermehren, haben aber nicht die Macht, davon zu genießen. llnd können es nicht auch äußere Ursachen sein, etwa körperliche Leiden, die den Menschen hindern, die Güter, die er hat, zu seinen! Nutzen zu verwendend Zu dem Reichthum muß daher die Gabe hiuzutreten, die Befähigung, denselben zu ge-!"DD neN P'D T CEO N"iV pDD "tttwp t im (* 'm rrna crnaNn ,cTya rnArn nrrrv 'j ro"o nm« 2'ftD pnsn Wv “ltt'jjp ff ]m map daa cmas n« “Ta ’j;n n aro apjra ffau> pwj?o ff ]rn man b?D Pdini icrno) ffav tpyn ff um man da ff 2" rn rnpW' (.yp “L'rn brauchen und zu genießen. Doch das Besitzen und Genießen, beide zusammen, machen noch immer nicht das irdische Glück aus. Manche haben viel und genießen viel, sie möchten aber noch mehr haben und noch mehr genießen. Aber „wer Geld liebt, wird des Geldes nicht satt", und wer lüstern ist, wird, da die Genußfähigkeit des Menschen von der Natur beschränkt ist, bald an einem Punkt anlangen, wo er noch zu genießen begehrt, aber zu genießen nicht urehr im Stande ist. Jene Hab- und Genußsüchtigen werden sich also immer unbefriedigt fühlen. Zu dem Besitzen und Genießen muß daher, wenn es zum Glücke führen soll, die Gabe der Genügsan.keit hiuzutreten, die göttliche Segnung, an seinem Erwerbe sich zu freu e u, mit demselben sich zufrieden zu fühlen. — Diese drei Segnungen werden bei den drei Patriarchen erwähnt. Bon Abraham heißt es „und der Ewige segnete den Abraham mir Allem", mit einer Fülle von Glücksgürern. Jsak spricht, „ich aß von Allem", ich genieße von all' den Gütern, die mir der Herr bestchwden; Jakob spricht, „ich habe Alles", ich ünjche nichts mehr, fühle mich mit dem, was ich habe, beglückt und zufrieden. Diese drei Segnungen, sagen unsere Weisen, sind der Lohn der wahren Wohlrhätwkeit. Den hier versammelte.'! Mitgliedern des Ehewra-Kadischa-Bereins, der Werke der Liebe im lötiilen Sinne übt, können wir darum den Segen ertheileu: nrs pa nsi wr» mw s-n pmn ffa ^32 apjn prri' crnzN pd „Der Allbarmherzige segne uns und alle nnfere ötugehöriger?, wie unsere Väter Abrahany Jsak und Jaroli gesegnet wurden, ür.t den Gnadengeschenken, die bezeichnet werden durch die Worte: „mit Allem", „von Allem" und „Alles"." Nach der mit allgemeinem Beifall ausaeuommenen Ansprache des Herrn Rabbiners gab der Gemeinde-Sccretär Herr S. Warschauer, ein durch Wissen und Frömmigkeit gleich ausgezeichneter Rtaun, in klaren, kurzen Zügen ein Bild von der Geschichte der hiesigen Gemcirrde, sowie von der Statistik des Vereins. Dein interessanten Vortrage entnehmen wir, daß das eiste Dokument, welches wir über die Niederlassung unserer Glaubensgenossen au: hiesigen Platze besitzen, das Datum „den 16. Mai 1674" trägt. Das Dokument, in polnischer Sprache abgefaßt, lautet, ins Deutsche übertragen, seinem wesentlichen Inhalte nach folgendermaßen: „Martin von Dlszowa Olszowski, Jägermeister der Woiwodschaft Seradz, Besitzer von Kempen, Kroszkowi, Rzetnie rc. überweist in seiner Stadt Kempen den dortigen Juden eine eigene Straße, in welcher nur ihnen Häuser zu bauen gestattet ist. Es soll ihnen freistehen, daselbst eine Synagoge und die für den Rabbiner und Eantor nöthigen Gebäude, welche von Abgaben frei bleiben, zu errichten; gleichzeitig ist ihnen erlaubt, ihre eigene Badean-

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