Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 6 (19.1.1891)
- Date
- 1891-01-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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94 in der bei ihnen üblichen rüden Weise die geplante Aufführung von Ottokars Ende als „jüdisches Unternehmen" bezeichnet und die Veranstaltung in der rohesten Weise angegriffen. England. London. Die hiesigen jüdischen Blätter veröffentlichen den die Religion betreffenden Theil vom Testamente des Chief - Rabbi Dr. 9t. Adler b"n:. In demselben ermahnt er seine Kinder, Enkel und Urenkel treue Bekenner der jüdischen Religion zu sein und zu bleiben, insbesondere fordert er sie auf, um stets mit dem jüdischen Gesetze vertraut zu bleiben, täglich nach dem Gebete oder zu einer andern passenden Stunde wenigstens e i n Kapitel, der hl. Schrift am Sabbat die Sidra mit dem Targum oder sonst einen leichten Commentar im hebräischen Texte, oder wenn sie in dieser Sprache nicht so versirt sind, in englischer Uebersetzung zu lesen und zum wenigsten am Sabbat mit einem Thcile unserer rabbinischen Literatur sich bekannt zu machen. Er bittet sie den Sabbat streng zu halten, den Freitag nach Beginn des Sabbats, ebenso strict wie den Samstag Nachmittag, die sich an Heiligkeit gleichftehen, im Haus ein streng religiöses Leben zu führen, die Kinder zu guten Inden zu erziehen, mehr durch das Beispiel als durch Worte und Belehrungen; so daß diese auch außerhalb des Hauses das jüdische Gesetz halten werden, den Haushalt streng ibo zu zu führen und nach allen Richtungen hin sich eines guten Rufes zu befleißigen, der nicht allein für sie nützlich, sondern auch zur Verherrlichung Gottes und zur Ehre unseres Glaubens gereiche. > Vermischtes. < Darmstadt, 12. Jan. Der dritte Ausschutz der zweiten Kammer hat beantragt, die Wahl des Antisemiten Köhler für ungültig zu erklären, da bei ihr verschiedene Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind. Ein Fall gröblichster Vergewaltigung durch die Juden, so lautete ein Artikel der Staatsbürger-Zeitung, wegen dessen der Redakteur Dr. C. Bachler vom Schöffengericht seiner Zeit zu 14 Tagen Gefängnitz verurtheilt worden war. Durch den Artikel hatten sich die Apotheker Heinemann und Levy in Görlitz verletzt gefühlt, von denen behauptet worden war, datz sie mit unlauteren Mitteln einen früheren Angestellten ihres Geschäfts dadurch vergewaltigt hätten, daß sie alle die Häuser, in denen er ein Konkurrenzgeschäft eröffnen wolle, in ihren Besitz brachten. Der Angeklagte hatte später sich selbst überzeugt, datz er düpirt worden war, und einen Widerruf veröffentlicht, und mit Rücksicht hierauf verwandelte gestern, wie die Nordd. Allg. Ztg. berichtet, die Berufs-Strafkammer Via die Freiheitsstrafe in eine Geldstrafe von 200 M. um. Hattingen. Von einem schweren unersetzlichen Verlust ist unsere Gemeinde betroffen worden. Einer unser bravsten und edelsten Männer, der Kaufmann Salomon Urias ist im 72. Jahre seines Lebens gestorben. Mit ihm ist ein Mann in das Grab gesunken, der allen voran in unserer Gemeinde die Fahne des wahren echten Judenthums stets hochgehalten Es war ein gerechter Mann, und wenn das jüdische religiöse Leben in dieser Stadt Westphalens sich noch auf einer höheren Stufe erhalten, und nicht ganz gesunken ist, so ist es seinem frommen Beispiel, seiner religiösen Begeisterung zu danken. 48 Jahre wirkte er als Vorsteher in unserer Gemeinde, und wie viel Segen hat er da gestiftet. Auf rm mny mm hat er die Ordnung in ihr aufgebaut, und sorglich darüber gewacht, daß keine diese 3 Säulen wankte. Mit dem kostbaren Schatz der Thora wohl bekannt, forschte er in ihr jeden Tag, und es wich dieses Buch nicht von ihm, selbst auf seinem Schmerzenslager. Als Hüter unseres Gottesdienstes war er der erste und letzte im Gotteshause. Und so lange die Schmerzen ihm noch das Gehen gestatteten, fehlte er nicht. Keine Mühe war ihm zu schwer, wenn es galt für seinen Glauben einzutreten. In seiner Wohlthätigkeit zeigte er so recht, das echte jüdische Herz. Kein Armer ohne Unterschied des Glaubens, ging mit leeren Händen aus seinem Hause. Den Kranken und Sterbenden war er der beste Pfleger und Tröster in langen Nächten, bis er selbst der Hülfe und des Trostes bedurfte. Darum war er auch wegen seinen Tugenden, bei allen Eonsessionen und Ständen so sehr beliebt, wovon der endlose Leichenzug das beste Zeugniß ablegte. Von seiner großen Beliebtheit ttitb der tiefen Trauer, über seinen Heimgang sprachen auch die Thränen, die au seinem Grabe flössen, wo unser Lehrer, Herr Katz, in bewegten Worten, die von Herzen kamen und zu Herzen gingen, nach dem Texte: Auf meinem Pfade hat er Finfternitz gelegt — und die Krone von meinem Haupte gerissen, die Verdienste des Entschlafenen würdigte. Möge der Dahingeschiedene, den Gotteslohn empfangen, alle Fromrnen, die auf Erden gottgefällig gelebt, und liebevoll gewirkt haben, zum Ruhme Gottes und zur Ehre Israels. Die Erde werde ihm leicht. rrnum I. Herzberg. Feuilleton. Das Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohu, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechle Vorbehalten. (Fortsetzung.) „In diesem Momente," fuhr Speier in seiner Erzählung fort, „wurde die Thüre hastig und geräuschvoll ausgerissen, das Stubenmädchen stürzte herein und rief mich in meine Wohnung, ins zweite Stockwerk. Du, Pantine, warst in Ohnmacht gefallen, eine solche konnte bei Deinem Zustande großer Schwäche tödtlich wirken. In furchtbarer Angst rief ich Jakob zu, „bleibe beim Onkel, bis ich wiederkomme." So rasch als mich meine zitternden Füße trugen, flog ich die Treppe empor. Das geschwätzige Dienstmädchen, das unfern kleinen Knaben zum Großvater heruntergetragen, hatte bei ihrer Rückkunft Dir, Pauline, berichtet, daß Dein Vater schwer krank sei und so verfallen und bleich aussehe, als wenn er in der nächsten Stunde sterben würde, und das hatte Dich erschreckt und er-