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Der Israelit · 1891-01-19 · Heft 6 (19.1.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 6 (19.1.1891)
Date
1891-01-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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92 Esau nnd Jischmael,**) bis die Völker alle Gott in Wahrheit huldigen, sich Seinem m-tw unterwerfen, es bedarf der Jahrhunderte bis aus ihrer Mitte das volle Licht der Gottes-Erkenntniß hinausstrahlen wird, wenn auch schon jetzt für den an Gott denkenden Menschen „der Glanz Gottes das Firmament deckt und die Erde voll ist der Verkündigung Seines Rubms." rnnn rmi Was aber bis dahin nur als Schimmer in dem Gemüthe der Edlen dämmert, wird dann zum vollen Lichte werden, Strahlen davon, Strahlen der Gottes-Allmacht, verbreiten sich über den ganzen Erdball — das ist das Geheimnitz der endlich Allem obsiegenden Herrlichkeit Gottes. Alles, Alles, was die Geschichte erzeugt, selbst das Schrecklichste und Furchtbarste, dient diesem endlichen Gottes-Stege, ist nichts als die Vorbereitung des Gottesreiches, als die Erziehung für die Gottes- Erkenntniß. Selbst die Verheerung, selbst die Vernichtung — aller Jammer und alles Leid, das der Menschenwahn und die Menschentücke heraufbeschwört — steht im Dienste der Verwirklichung des von Gott aufgestellten Ziels, Alles ist Werkzeug in Gottes Hand xsn w nsb. Mitten im Getriebe der Geschichte steht Gott waltend, lenkend, richtend. Er mißt alles Schaffen der Menschen, jedes Gebilde der Machthaber auf Erden mit dem Maßstabe Seiner Gerechtigkeit, Er schaut in das Völkergewoge; vor Seinem Blicke stieben die stolzen, gewaltigen Gefüge auseinander, sinken in Staub die vermeintlich für die Ewigkeit errichteten Zwingburgen der Tyrannei, — die Gänge der Zeilen ruhen in Seiner Hand, Er lenkt die Geschichte nach Seinem ewig unveränderlichen Willen. Wie die Gestirne die Bahnen ziehen, die Er ihnen vorgezeichnet, also unentwegt führt Er Seine Menschheit; £ D^iy rro^n. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 2. Jan. Rudolph von Gottschall, der berühmte Dichter, den die Antisemiten so gern als den ihrigen ausschreien, veröffentlicht in der jüngsten Nummer (Nr. 1, 1891) der „Gartenlaube" ein Gedicht, das so voll edler Gesinnung, so durchdrungen von dem Gedanken der Gleichberechtigung der Menschen ist, daß der Verfasser damit schlagend bewiesen hat, er stehe nicht auf dem Boden jener Finsterlinge, sondern wisse, die hohen Ideale der Menschheit, die Gedanken der Freiheit, Liebe und Menschlichkeit zu verherrlichen und für sie zu kämpfen. Ein Mann, der diese Verse zu verfassen im Stande ist, kann nicht zu den brutalen Vertretern der Knechtung, des Haffes und der Unmenschlichkeit gehören, kann kein Antisemit sein. Wir geben die hierhergehörtgen Verse nachstehend im Abdruck wieder. „Deutsche Traume, ferne Zonen, Haben Euch berauscht genug! Wiegt Euch nicht auf Palmenkronen, Lenkt zum Vaterland den Flug! Auf den heimathlichen Eichen Mögt ihr Euren Horst erbauen! Fernher flammt ein Feuerzeichen Drohend auf durch Nacht und Grau'n. Leichter ist's zu überbrücken Meer auf Meer mit Muth und Kraft. Als des Abgrund's finst're Tücken, Der zu unseren Füßen klafft. Wie ersehnt den inner'n Frieden Das zerspalt'ne Vaterland! Reich und arm sei nicht geschieden, Reiche sich die Bruderhand. Ueber den empörten Wogen, Aufgepeitscht von Neid und Groll, Wölbe sich der Regenbogen Friedlicher Verheißung voll! Der Verzweiflung Banner hebe Nie empor die bittere Noth Und der Heimath Boden gebe Allen ihren Kindern Brot. Stolze Fahne auf dem Meere, Strahlst du deutsche Thal und Kraft, Doch ein Sternbild hoher Ehren Leuchtet hell durch unsere Nacht. Keiner zög're, keiner säume, Ihm zu opfern froh bereit, Dreigestirn der schönsten Träume: Freiheit, Liebe, Menschlichkeit." Darmstadt, 15. Jan. Der Oberstaatsanwalt Schlippe hat jüngst ein Ausschreiben an die Staatsanwaltschaften und die Amtsanwälte in Hessen ergehen lassen, in welchem diese Behörden angewiesen werden, in allen Strafsachen antisemitischen Anstrichs, in denen Israeliten als beleidigte Privatkläger auftreten, wegen des anzunehmenden öffentlichen Interesses die Strafverfolgung der bezüglichen Klagen selbst in die Hand zu nehmen. Berlin, 14. Januar. Aus Königsberg wird dem ,,B. T." gemeldet: Wieder sind Ausweisungen verschiedener polnischer Juden verfügt worden, was um so mehr Aufsehen erregt, als dieselben erfolgen, nachdem für die Landwirthe die Annahme polnischer Arbeiter wieder gestattet worden ist. Berlin, 15. Interessant dürfte für manchen Leser die Antwort sein, welche vom Hamburger Vereinsblatt auf die Frage eines Abonnenten nach dem Glaubensbekenntniß des Redacteurs kürzlich ertheilt wurde. Es heißt in der uns vorliegenden Antwort: „Der betreffende Redacteur ist ein wirklicher Ehrist, der die christliche Liebe und Toleranz •*. ^nj>di^pn& ,wy*p’n.

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