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Der Israelit · 1891-01-19 · Heft 6 (19.1.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 6 (19.1.1891)
Date
1891-01-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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SI Des Drspheten Adskllk Melssugung. Von Isaak Hirsch. (Fortsetzung.) Die dem Propheten von Gott aewordene Belehrung, welche den Blick des Sterblichen von dem Trübsal der Gegenwart zu jener lichten Höhe hinauflenkt, auf welcher das Heil der Menschheit, das durch die wahrhaftige Gotterkenntniß und Gotteshuldigung endlich anbrechende Gottesreich auf Erden, als das Endziel der Geschichte den kommenden Geschlechtern winkt, löst jeglichen Zweifel, beschwichtigt jede bange Sorge. „Dem Propheten", so erläutert Samson Raphael Hirsch in seinem Kommentar zu den Psalmen (Kap. 7. 1) „war der bis zum Aeußersten ausschreitende Uebermuth der wachsenden Ehaldäer- Macht als ein solcher erschienen, daß, wenn die ihr hilflos preisqegebene Menschheit noch gerettet, und an Gottes Gerechtigkeit nicht ganz irre werden soll, es nothwendiq des hervortretenden Einschreitens des Gottes-Gerichtes bedürfe, und dieses vermissend, hatte er im ersten Kapitel sich mit seinem „Warum" rechtend an Gott gewandt. Im zweiten Kapitel war ihm die Antwort geworden: wenn auch das yp, das endliche, allgemeine, offenbare Gottes-Gericht noch lange ausbleibt, die endliche Gottesbestimmung nur fern und im Geist zu schauen ist — pin —, und nur einen ahnungsvollen Hinhauch zu diesem endlichen Ziel bietet — ppV nsn —, so doch ah, so liege dock keine Täuschung darin, so habe doch der Gott Vertrauende ruhig seiner wartend auszuharren, nun nonorp cn, und in diesem unerschütterlichen Vertrauen Leben zu gewinnen, mir muDtc pnsn, während selbst bis dahin die Welt keineswegs der Gewalt der Schlechten verfallen werde, vielmehr alles Schlechte, Uebermüthige und Gewaltthätige zuletzt sich selbst den Untergang bereitet. Dieser msvji? bv gewonnenen Belehrung ist nun die n^n-Betrachtung des dritten Kapitels geweiht. Sie ist eine nbm in des Wortes tiefster ureigenster Bedeutung, n^sn, Stwt. und verwandt mit bbi bezeichnet ja nicht diejenige Erhebung des menschlichen Herzens zu Gott, welche der Sehnsucht des Gemüths nach dem Außerweltlichen, Übersinnlichen Befriedigung gewährt. Der -Begriff erschöpft sich auch nicht in der Aussprache der Anliegen, deren Gewährung das gottgläubige Gemüth von Gott erbittet. Sie ist vielmehr die Aneignung einer dem Bewußtsein entschwundenen, oder noch nicht im vollsten Umfange erfaßten, oder einer ganz neuen Erkenntuiß der göttlichen Wahrheit. In der r\bsn sucht der Mensch sein ganzes Wesen mit dieser Wahrheit zu „durchdringen" (tto)*). In das von Zweifel aufgeregte Gemüth war die göttliche Offenbarung gedrungen und hatte Helle in das Düster hineingetragen. Der Prophet suchte in der n^sn die ihm gewordene Belehrung zu einer Umgestaltung seines Innern zu verarbeiten, seine irrige Anschauung durch sie zu berichtigen und das klare Urtheil für die kommenden Weltereignisse dauernd zu gewinnen. "jVDty TiyDty 't ('i G'omn mo) Wie trübe sich auch die Zukunft zu gestalten scheint, welches Unglück auch die Gewaltthätigen über Völker und Länder herbeiführen werden, Du, o Gott, bist und bleibst allezeit der Lenker der Geschichte, der in unendlicher Liebe über seine Schöpfung waltende allmächtige, jeden zukünftigen Augenblick dem von Ihm gewollten Ziele entgegen führende Herr und König. „Da ich Deine Verkündigung vernommen, hatte ich gefürchtet —" die Kunde von der verheerenden babylonischen Weltmonarchie — nun aber, nach dem mir gewährten Einblick in Deine Lenkung der Geschichte, ist Klarheit und Ruhe in meine Seele gezogen, ich weiß zuversichtlich, daß erst im Laufe der Jahre Dein Werk zur vollen Verwirklichung gelangen wird; — also liegt es in Deinem Plane der Erziehung des Menschengeschlechts durch die eigene Erfahrung. Welche Stürme im Laufe der Jahrhunderte durch der Menschen Thorheit und Unrecht Hereinbrechen werden; inmitten dieser Stürme, die der kurzsichtige Mensch als ein Zürnen Gottes betrachtet, Haft Du unverrückt die Liebe zum Ziele; Dein Zürnen ist Liebe, 112m am un, in den Stürmen reift die Lichtsaat, die mit der Offenbarung am Sinai in den Schooß der Menschheit gesenkt worden ist, unsichtbar ihrer Blüthe zu. Das m Bw, wie Moses den Inhalt dieser Offenbarung nannte, dieses „Feuer-Gesetz", das, alle Schlacken in der Menschen Brust läuternd, Licht und Wärme ausströmende Strahlen in alle menschengesellschastliche Verhältnisse zu tragen bestimmt isr, wird doch den endlichen Sieg der Wahrheit über die Lüge, des Rechts über die Gewalt, der Liebe über den Haß sich erringen. Es harret aber noch seiner Verwirklichung: r«2' idtid hiPn „Gott wird erst von Theman kommen und der Allheilige vom Gebirge Paran. Es dauert lange bis *) ^L-richten, entscheiden, urtheilen, O'^2-Richter. „Die Lüge nnd das Unrecht scheiden und schassen streitende Gegensätze. Der Richter bringt da8 Recht, die göttliche Wahrheit der Dinge; in die streitigen Verhältnisse, läßt es alle Fugen beherrschend durchdringen und gestaltet durch's Recht zu harmonischer Einheit, was rechtlos auseinanderklasst." (Hirsch's Kommentar zu 'T 'D n’tt'N"0).

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