Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 5 (15.1.1891)
- Date
- 1891-01-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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78 schienen wir unserem traurigen Schicksale überlassen, dem schweren Druck erliegen zu müssen, fern von jeglicher Hilfe. Da wird von der Ferne Moscheh, der Bote Gottes, geschickt um Hilfe, ja um Erlösung zu bringe«. Ohne Macht und Ansehen, ein Fremder, ohne Heeresgefolge, nichts als seinen Stab in der Hand trat er vor den Beherrscher Egyptens. im Namen des allmächtigen Gottes des Himmels und der Erde die Freigabe von 2,/2 Millionen Sclaven zu fordern. Und Pharao, der diesen Gott und feine Macht nicht anerkennen wollte, und auf seine Macht pochte, er mußte einwilligen. — In Babylon schien der Rest unseres dorthin verpflanzten Volkes seiuer inneren Auflösung entgegenzugehen, inmitten den dortigen Völkern verschwinden zu wollen. Da kamen sie noch rechtzeitig unter persischer Herrschaft, wo ihnen Haman als Feind erstand, der die Vernichtung der zerstreuten Juden beschlossen und die „unwiderrufliche" Erlaubniß des Königs dazu erhalten hatte. Und wie fern stand damals unser Volk seinem Gotte! Es glaubte ja, durch die Auflösung seines Reiches, durch seine Verpflanzung in ferne Lande von seinem Gotte aufgegeben, des Bündnisses mit demselben ledig zu sein und hatte sich deßhalb losgesagt von Seinem Gesetze. Und doch, trotz des Anschlusses an das herrschende Volk, nicht die erhoffte bessere . Stellung, sondern drohende Vernichtung! Wie konnte es auf Gotte- Hilfe rechnen! Doch Gott hatte ihm durch seines Propheten Mund zurufen laffeu „Ich werde Dir ein Helfer sein von Ferne." So groß auch die Entfremdung war, die Israel selbst verschuldet hatte, Gott trat in unerwarteter Weise als Retter und Helfer auf. Haman fiel und der mächtige Perserkönig, der seinen Befehl als unwiderruflich erklärt hatte, der sich wie eine Gottheit dünkte, er hat doch widerrufen, hat einem höheren unwiderruflichen Beschluß sich fügen müssen. .Und zum Drtttenmale, zur Zeit der Syrer- . Herrschaft drohte Vernichtung dem Gesammtvolke. Upd wieder war es die eigene Schuld, die eigene . Entfremdung, das Bestreben, ganz so leben zu wollen , wie die anderen Völker, nicht mehr das Volk Gottes zu sein. Der Uebermuth eines mächtigen Königs,?;epaört mit höchster Grausamkeit, wähnte durch einen Befehl das göttliche Gesetz endgiltig entkräften und damit die jüdische Nation aus der Reihe der Völker auslöschen zu können. Doch der Retter , .aus der. Ferne hat auch hier ungeahnte Hilfe gebracht. Eine haadvoll muthiger Männer, die begeistert für ihr Gesetz ihr Leben einsetzten, ohne Höffen zu können, aus diesem so ungleichen Kampfe , als Sieger hervorgehen zu können, aber durchdrungen von der Pflicht, für ihr Heiligstes kämpfen zu müssen, kämpfend unterzugehen; diese handvoll Männer, denen Gott überirdischen Mnth und überirdische Kraft verlieh, haben den Uebermuth des mächtigen, stolzen Syrerkönigs gebrochen, haben damit unserem Volke für alle Zeiten ein Beispiel gegeben, wie in der verzweiflungsvollsten, hoffnungslosesten Lage der Retter und Helfer uns doch immer beistehen kann und beisteht. Durch die zweite Auflösung unseres Reiches, durch die Zerstreuung in alle Länder der Erde ist die Gefahr einer Vernichtung unseres Gesammtvolkes beseitigt worden. Nicht mehr stand unser Volk unter einem Herrscher, nicht mehr lebte es in einem Lande, und so konnte auch nicht mehr das Uebelwollen eines Mannes die Vernichtung des jüdischen Volkes beschließen. Aber auch die eigene Schuld, die so oft die größte Gefahr für unsere Erhaltung heraufbeschworen, kann heute nicht mehr eine so allgemeine werden, wie zu den Zeiten unseres Beisammenseins. Wenn ein Theil unseres Volkes, ja wenn die Juden eines ganzen Landes sich ihrer Religion entfremden würden, eine Gefahr für das Judenthum wäre doch ausgeschlossen. Neben unseren Feinden gab es immer wieder Wohlgesinnte und neben den sich von ihrem Gesetze Lossagenden immer wieder solche, die treu und fest hielten an demselben. Gerade diese Zerstreuung, die scheinbar eine Strafe, eine Entfernung unseres Gottes von uns war, hat sich als das rettende Mittel erwiesen, uns selbst und uns unserer Religion zu erhalten. Beim Wahrnehmen äußerer Gefahr wie auch des zunehniendcu inneren Verfalls sind wir ängstlich und betrübt, weil wir nicht erkennen, auf welche Weise eine Aenderung, eine Besserung unserer Lage eintreten soll. Und wie oft hört man aus dem Munde der für ihren Glauben und ihr Gesetz Einstehenden die Klage über die trostlosen religiösen Zustände, über den fortschreitenden Verfall des Judenthums, den zu bekämpfen aussichtslos sei. nnn ^«1 npy nny «Tn „Fürchte Dich nicht, mein Diener Jakob, sei nicht verzagt Israel", pimo mn ’d „denn Ich", so läßt Gott uns zurufen, „bin Dir Helfer von der Ferne aus." Wenn wir auch die Hilfe im Voraus nicht sehen, nicht ahnen, wenn sie uns unendlich fern zu sein scheint, da tritt sie, wie ja unsere vieltausendjährige Geschichte uns das zeigt, und oft zeigt', unerwartet ein. Bleiben wir nur treu ausharrend nny und jeder Einzelne ein Diener Seines Gottes, treu und ergeben und geduldig; bleiben wir nur Vertreter Jisroels, Streiter für die höchste und beste Idee, für Jisroels Wahrheit, für unser Gesetz und unfern Glauben, dann wird auch für uns der Retter und Helfer, wenn es an der Zeit ist, wenn es Roth thut, er-