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Der Israelit · 1891-01-15 · Heft 5 (15.1.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 5 (15.1.1891)
Date
1891-01-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXII Jahrgang. Erste Beilage;u M 5 öss , jsmlit & Jeschurun" Leitender Artikel. Der Retter aus der Ferne. (Zu Paraschath Bo.) Von Nabb. I)r. H. Sänger. Im Abschnitte ns wird uns berichtet, wie Pharao mit dem zähesten Widerstand sich gegen die Freigcbung unseres Volkes, dem er die Sclavenfetten aufgelegt hatte, wehrte und wie er sich gegen Gott und Seine Strafgerichte mit verhärtetem Sinn auflehnte. Gott aber hatte dieser Sclaverei ein Ziel gesteckt, und dagegen war selbst das mächtige Egypten machtlos. Endlich mußte es das Volk Israel freigeben. Als Nachbarvölker', wie es das Volk Israel und die Egyptcr später wurden, da nur die Halbinsel Sinai zwischen ihnen lag, waren sie zur Zeit der großen Umwälzungen in Asien durch die Lage ihrer Länder auf gegenseitigen Schutz angewiesen. Denn die Eroberung Kenaans erschloß dem Sieger den Weg nach Egypten, diesem vielbegehrten Reiche, nach dessen Besitz alle jene großen asiatischen Eroberer strebten. Und doch vermochte es Egypten nicht über sich gewinnen, dem einstigen Sclavenvolke ein ehrlicher, offener Bundesgenosse zu sein, freilich, zu seinem eigenen Nachtheile. Egypten ist von seiner Macht und Größe, von seinem Glanz und Ruhme herabgestürzt worden und das Sclavenloos, das es einst in so undankbarer, frevelhafter Weise den Söhnen und Brüdern Josephs, dem ganz Egypten seine Errettung vom Hungertode verdankte, bereitete, es hat es selbst bis auf den heutigen Tag zu erdulden. Es hat seine Selbstständigkeit eingebüßt, und seine Einwohner schmachten noch heute unter einem furchtbaren Drucke. Das Loos der armen Fellahs ist ein geradezu bejammernswerthes und um so bedauernd weither, weil im eigenen Lande unter eigenen Fürsten dieser traurige Zustand besteht. Und unser Volk? Es ist zwar fern von seinem Lande, zerstreut unter allen Völkern, aber auf der Höhe der Cultur und Bildung, immer mitschreitend, auf derselben geistigen Stufe wie die gebildeten Nationen der Erde und dabei sich seine reine Gotteserkenntniß bewahrend wie vor 3000 Jahren. nnn ^ni apjr nay NTn nnsi. „Aber Du", so ruft der Prophet Jirmijahn unserem Volke zu, das nach Babylon geführt wurde, „aber Du, fürchte Dich nicht, mein Diener Jakob, sei nicht ängstlich Israel" pimo ■jjPBno ’Jjn ’a „denn siehe, ich werde Dir helfen von der Ferne" D'aty pnd ■jy-i; nw „und Deinen Nachkommen vom Lande ihrer Gefangenschaft" piksen open app on Tino vn*. „und zurückkehren wird Jakob und friedlich wohnen, ohne daß Jemand schreckt." Im Namen Gottes flößt Jirmijahn dem verbannten, zerstreuten Volke Muth, Trost und Hoffnung ein. „Mein Diener Jakob", nennt Gott das in serne Länder unter ihm feindlich gesinnte Völker hinausgetriebene Volk. So lange es sich als Diener Gottes weiß und bekennt; solange cs Jisroel heißt und stets aufs Neue sich diesen Namen verdient, Streiter und Kämpfer für Gott zu sein, unter den Menschen stets als Volk Gottes, als Volk der Religion und des Glaubens dazustehen, hat cs nichts zu fürchten, braucht es nicht ängstlich und verzagt sein, pimD ijtbmd 'xr\ »a „denn Ich werde Dir helfen oon der Ferne." Scheinbar ist Gott uns ferne, hat Gott uns verlassen, hinausgestoßen, ohne mehr auf uns zu achten. So wenigstens saßt die Welt es auf und glaubt die Berechtigung zu dieser Auffassung aus unserer Geschichte herleiten zu dürfen. Wohl nehmen wir seit 2000 Jahren eine Ansnahmsstellung unter den Völkern ein. Man faßt das als eine Strafe auf. Und doch hat gerade diese uns von den Völkern angewiesene Stellung uns als Volk erhalten. Daß Gott, der uns doch als Seine Kinder erkennt, dessen treue Söhne wir auch durch all diese schweren Zeiten geblieben sind, uns Jahrtausende hindurch büßen, entgelten lassen sollte, uns gar vergessen und verworfen habe, das zu denken ist eine Entweihung. Der Begriff von Gott als Vater aller Menschen, als Erbarmer und Gerechter, wäre ein sehr geringer, denn wir würden, wie es die heidnische Welt that, das göttliche Wesen mit irdischen, menschlichen Leidenschaften behaftet auffassen. Gott sei uns fern! Mit dieser Behauptung wollte man stets die Berechtigung herleiten, uns eine Ausnahmsstellung anzuweisen, ein Loos, wie es einst Pharao unserem Volke zugedacht, wieder zu bereiten. „Ich aber", spricht Gott, „werde Dir Helfer sein von Ferne." Vom Beginn unserer Laufbahn bis auf den heutigen Tag haben wir uns eines mächtigen Schutzes zu erfreuen gehabt. Und gerade in den schlimmsten Lagen, wo Hilfe uns fern zu sein schien, wo unser Loos oft ein verzweifeltes war, trat wunderbare Rettung und Hilfe ein. In Egypten

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