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Der Israelit · 1891-01-15 · Heft 5 (15.1.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 5 (15.1.1891)
Date
1891-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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73 tuellen Zwecken aufhielten, haben mir irgend welche Meldung gemacht, oder machen lassen; nicht einmal den Gemeinde-Diener schickte man mir. Ich war deßhalb nicht in der Lage eine Anzeige zu veröffentlichen, oder Einladung an Verwandte und Freunde ergehen lassen, ebenso wenig konnte ich mich um die Hierherkunft des Herrn Rabbiners bemühen. Es war mir die Möglichkeit genommen, bei der Beerdigung den mir gebührenden Platz einzunehmen, und blieb deßhalb, wenn auch schweren Herzens, fern. Elkan Fröhlich. Gießen, 8. Jan. Ein würdiges Seitenstück zu dem von Ihnen gemeldeten Wormser Vorgang ist leider von hier zu berichten. Am Samstag, den 3. ds., Nachts 12 Uhr, betraten zwei als durchaus ehrenwerth und besonnen bekannte junge Leute, ein Christ und ein Jude, das Seitenzimmer des Cafe Hktler und ließen sich an einem leeren Tische nieder. Außer ihnen befanden sich in dem Raume nur noch 3 Korpsstudenten und ein Forftaffeffor, die ohne jede Veranlassung die Letztgekommenen zu hänseln und aufzureizen begannen, Aeußerungen wie: „Kerle saufen nur Wasser," „müssen die Kerle 'rausekeln," „werft doch die Judenbuben 'raus," u. s. w. fielen, ohne von der Gegenseite, die augenscheinlich jeden Auftritt vermeiden wollte, beachtet zu werden. Schließlich erhob sich einer dieser vielversprechenden Jünglinge und faßte, nachdem er die zum Hauptraume führende Thüre geschlossen und eine andere geöffnet hatte, den einen der beiden Herren mit dem Ausruf an der Brust: „Junger Mann, wollen Sie gutwillig herausgehen?" Bei der sich jetzt naturgemäß entwickelnden Prügelei (4 gegen 2) wurde sogar von dem Hirschfänger des Forftassessors Gebrauch gemacht. Frankfurt a. M, 10. Jan. Mit dem Sitz in Berlin hat sich ein über ganz Deutschland verbreiteter „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" gebildet, an dessen Spitze die Abgg. Gneist und Rickert stehen. Der Verein hat kürzlich einen Aufruf versandt, in dem es heißt: Die Unterzeichneten, Mitglieder verschiedener religiöser Bekenntnisse und politischer Parteien, haben einen Verein zur Abwehr des Antisemitismus ins Leben gerufen. Sie wollen der antisemitischen Agitation mit Wort und Schrift entgegentreten. Sie wollen wirklich vorkommende Ausschreitungen und Mißstände weder verhehlen noch entschuldigen, sondern durch positive Einwirkung, insbesondere auch durch wirtschaftliche Maßregeln, solche zu beseitigen suchen. Sie wenden sich an ihre Mitbürger, ohne Unterschied der Partei und des Glaubens, mit der Bitte, sie bei diesen Bestrebungen zu unterstützen und dem Verein beizutreten. Aus der langen Reihe der Unterzeichneten Namen heben wir folgende Frankfurter hervor: Dr. Baffe, Konsistorialrath und Pfarrer. Battenberg, Pfarrer. Diehl, Oberlandesgerichtsrath. Dr. Ehlers, Konsistorialrath und Pfarrer. Dr. Reinhardt, Gymn.- Direktor. Thorwart, Bankdirektor. Westphal, Major a. D. Stadtrath Flinsch, Fabrikbesitzer. Funk, M. d. R. Schräder, Landgerichtsdirektor. Dove, Landrichter. Justizrath Dr. Humser, Stadtverordneten- Vorsteher. Dr. jur. Fester, Stadtverordneter. Dr. Rößler, Stadtverordneter. Martin May, Stadtverordneter. Justizrath Siebert. Stadrath Metzler, M. d. Abg. Major a. D. von Reichenau. Dr. Lucius, Stadverordneter. Diehl, Justizrath. Teichmann, Pfarrer. Jean Andrea-Paffavant, Bankdirektor. Dr. Knoblauch, Sanitätsrath. Dr. jur. Schoberer. Karl Bolongaro. (Ausführliches über diesen Verein werden wir sobald wie thunlich zur Kenntniß unserer geehrten Leser bringen. Red.) Stuttgart, 8. Jan. Die seither im Dunkeln arbeitende „Deutsch-soziale antisemitische Partei" ist gestern zum ersten Mal öffentlich hervorgetreten. In einer von etwa 100 Personen — meist halberwachsenen Burschen — besuchten Versammlung hielt Redakteur Güttinger, ehemals Redakteur des Handelstheils der entschlafenen „Landeszeitung", eine Hetzrede niedrigster Art; insbesondere schimpfte er über die „total verjüdelte Presse." Nach Herrn Güttinger sprach noch ein sich „Schriftsteller" nennender V. H. Welcker, der die Versammlung einberufen hatte. Er schimpfte nicht minder kräftig auf die Juden, die an allem Uebel in der Welt und speziell in Deutschland schuld seien. Noch ein Reallehrer betheiligte sich an den Schmähungen ganz in der Art des Herrn Böckel. Was die „Deutschsoziale antisemitische Partei" anstrebt, ist laut den von ihr ausgegebenen „Grundsätzen" nichts Anderes als die „Aufhebung der Gleichberechtigung und die Stellung der Juden unter Fremdenrccht in Deutschland." O e st e r r. Ungar. Monarchie. Wien, 27. Dez.'^Jn^.der Brauhaus-Restauration in Liesing gab gestern das excessive Benehmen einer aus Antisemiten bestehenden zahlreichen Gesellschaft Anlaß zu einem Scandal, über den uns Folgendes berichtet wird: Seit einiger Zeit pflegen sich die Wiener Antisemiten Sonntags in der Liesinger Brauhaus-Restauration zu versammeln, und es geht bei diesen ^'Zusammenkünften, die den bezeichnenden Namen „Bierfreundschaft" führen, gewöhnlich sehr lärmenden, weßhalb die antisemitische Gesellschaft schon wiederholt aufgefordert werden mußte, sich etwas ruhiger zu benehmen und'die übrigen Gäste nicht zu belästigen. Für gestern hatte das hiesige antisemitische Blatt die „Gesinnungsgenossen" zu einer „sehr großen Bierfreundschaft im

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