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Der Israelit · 1891-01-12 · Heft 4 (12.1.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 4 (12.1.1891)
Date
1891-01-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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60 ich ganz diensteifrig gesagt, will ich sie sofort hereinschicken, und bevor noch Onkel Josef ein Wort zu sprechen vermochte, war ich hinausgeeilt. Was Vater und Tochter mit einander gesprochen, wollte mir Pauline damals und auch später nicht offenbaren, doch hat sie", — Speier muhte unwillkürlich lächeln, „mir's endlich vor wenigen Wochen mitgetheilt. Das Resultat der Unterredung ist Euch allen bekannt. Wir verlobten uns; doch hatte Onkel Josef einen längern Brautstand bedungen. Ich war der dankbarste Freund meines Cousins Jakob geworden, der mir als Das erschien, was er wirklich war, der edelste, beste Mensch auf Erden!" Speier machte nun eine längere Pause; jetzt nachdem er zumeist Bekanntes berichtet hatte, schien er sich dem Kernpunkte seiner Mittheilungen zu nähern. Endlich begann er wieder. „Ich übergehe eine lange Reihe von Jahren, um zu einem Tage zu gelangen, der mir ewig unvergeßlich bleiben wird. In drei Tagen werden es genau dreizehn Jahre, als ich vollen Grund hatte mich in großer Aufregung zu befinden. Es war ein Freitag, Pauline hatte mich drei Tage vorher mit unserem lieben Josef beschenkt, und mein Schwiegervater und Onkel war plötzlich schwer erkrankt. t Man hatte dies Pauline verheimlicht, weil ihr in ihrem damaligen Zustande jede Gemüthsbewegung gefährlich werden konnte Ich ging gar nicht ins Comptoir, saß stundenlange an seinem Bette und gestattete mir nur in langen Zwischenräumen , ihn für einige Minute zu verlassen, um nach Paulinen zu sehen, und das Fernbleiben ihres Vaters, unglaublich genug, mit großer Geschäftsüberbürdung zu entschuldigen. Es war der dritte Tag seiner Krankheit, und unser Hausarzt war Nachmittag, etwa um drei Uhr, nachdem er den Zustand des Kranken bedenklich gefunden, zum zweitenmal erschienen. „Es ist", meinte er beim Weggehen im Vorzimmer, „leider eine weitere Verschlimmerung eingetreten. Ich habe keine Arzeneien verschrieben, da diese nicht mehr zu wirken vermögen. Er ist bei vollem Bewußtsein, aber seine Körperkräfte sind erschöpft und sind leider sichtbarlich im weitern Sinken begriffen. Die Lebensuhr des edlen Mannes ist abgelaufen, sein Dasein zählt nur nach Stunden. Er darf nicht eine Minute allein gelassen werden." Als ich wieder an das Krankenbett zurückkehrte, meinte Onkel Josef mit einem müden milden Lächeln: „Zwinge Dich nicht zu einem heitern Gesichte. Der Doktor wird Dir wohl gesagt haben, wie es mit mir steht; ich weiß es, Du liebst mich wie einen Vater und es thut Dir leid, daß wir von eiuander scheiden müssen. Ich fühle es, ich habe noch wenige Stunden zu leben. Es ist das Loos der Menschen auf dieser Erde, daß sich die Liebsten von einander trennen müssen.und wir sehen uns ja wieder! „Ich habe so gelebt, daß ich ruhig sterben kann — ich brauche vor dem Jenseits nicht zittern . . . Auch hier auf Erden lasse ich alle die ich liebe in geordneten guten Verhältnissen zurück. Meine Tochter hat einen braven, klugen Mann, ich weiß sie in besten Händen. Es thut mir leid, daß ich von Pauline nicht Abschied nehmen kann, sie ist noch schwach und liegt zu Bette; — was liegt daran? Im Geiste bin ich bei ihr." — Nach einer kleinen Weile fuhr er fort. „Mein jüngstes Enkelchen, Panlinens neugeborenen Sohn möcht' ich gern sehen; laß das kleine Kind herauftragen, und auch Therese soll heraufkommen; ich will die Kinder sehen und segnen, bevor ich sterbe!" (Fortsetzung folgt.) „JSraelit" und „Jeschuruu" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedeSma! in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Duchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel }ü beziehen bei E. F. Steinacker, Leipzig, Uostptatz 18. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Directe Francoznseudung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco ein-ufendeu. Inhalt (Hauptblatt) : Leitender Artikel: Die heiligen Genossenschaften für Genülluth Chassodiin (Schluß). — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Worms. Würzburg. Aus Württemberg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Preßburg. Prag. — Holland: Amsterdam. — Rußland: Warschau. — Asrika: Marocco. — Vermischtes. — Feuilleton: Das Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohn (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Ulkiges. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschnrnn", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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