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Der Israelit · 1891-01-12 · Heft 4 (12.1.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 4 (12.1.1891)
Date
1891-01-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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58 später jedoch wurde bestimmt, daß auch eine Deputation der Ncligionsgemeinde beim König vorspreche. Ueber die Einzelheiten der Audienz wird Folgendes mitgetheilt: Gleich bei seinem Eintreten in den Empfangssaal hat der Oberrabbiner ’"j, dessen schöne, erhabene Gestalt, gehüllt in seinen prachtvollen Ornat, Jedem imponirte, die übliche nma gemacht. Sodann hielt er folgende Ansprache: „Eure kais. und kön. apostol. Majestät! Allergnädigster Herr und König! Geruhen Eure Majestät allergnädigst zu gestatten, daß ich im Namen der hiesigen allerunterthänigstcn orth. israel. Gemeinde unsere tiefste Huldigung und Verehrung allerehr-- furchtsvoll unterbreite. Möge der Allmächtige unsere inbrünstigen Gebete erhören, Eure kaiserliche und königliche Majestät in vollster Kraft und Gesundheit bis in das denkbar späteste Alter erhalten zum Heile und Segen des Vaterlandes und aller getreuen Unterthanen. Gott segne, schütze, erhalte Eure kaiserliche und königliche Majestät inmitten der Allerhöchsten Herrscherfamilie. Amen! Nachdem er beendigt, hielt auch der Führer! der anderen israel. Deputation eine Anrede, so daß die folgende Antwort des Königs an beide gerichtet war: „Ich nehme die Versicherung Ihrer Treue und Ergebenheit mit Befriedigung entgegen. Tie stets bewährte Loyalität der Preßburger Israeliten-Gemeinde ist Mir wohlbekannt und Sie können daher auch in Hinkunft auf Meinen Schutz und Meine unwandelbare Gnade rechnen." Der König erkundig! e sich sodann beim Oberrab. Schreiber, wieviel Synagogen die Gemeinde hat und aus wieviel Mitglieder!! dieselbe besteht. Nachdem dieses beantwortet wurde, wendete er sich zu den Herren Wolf und Gestetner und sagte: „Diese Herren habe ich schon das Vergnügen zu kennen.*) Darauf beehrte der König die anderen Mitglieder der Deputation mit einigen huldreichen Worten. Auch bei dem Führer der anderen isr. Deputation erkundigte sich S. Majestät, ob sie eine Synagoge besitzen, was dahin beantwortet wurde, daß auch ihre Gemeinde eine kleine Synagoge besitze, jedoch sei nun der Bau einer größeren geplant. Uebrigens wurden die israel. Abordnungen äußerst huldvoll von dem Könige empfangen, welches zeigt, daß unser allergnädigster Herrscher die innigliche Liebe und feste, unerschütterliche Treue kennt, die tief in unserem Herzen wurzelt. Prag, 2. Jan. Unsere altehrwürdige Chewra- Kadischa, bekanntlich die älteste solcher Jnstitutioncr in Europa — sie wurde im 16. Jahrhundert von dem berühmten hohen Rabbi Löw (bxbm p *ai y»;) gegründet — hat nun beschlossen, eine gründliche Revision ihrer Statuten vorzunehmen, da viele derselben schon zu veraltet sind und daher für unsere Zeit nicht mehr passen. Das von diesem frommen Vereine ans dem , neuen hiesigen jüdischen Friedhofe neuerbaute Leichen¬ *) Es sind dieselben Herren, die anläßlich derMartini- Gänseüberreichung bei S. Majestät vorsprachen. haus ist nun vollendet, und entspricht cs vollkommen den neuesten Anforderungen der Hygiene, Ventilation und Signal-Allarmirung. Für die Leichen sind nämlich zwei große Säle reseivirt, einer für die Männer, der andere für die Frauen, und kann ein jeder derselben zwölf Leichen fassen. Dieselben ruhen auf niederen höchst elegant gearbeiteten Marmorsockeln. Unser Cultusvorstand hat gleichfalls beschlossen, um eine Entlastung der Gemeindemitglieder zu ermöglichen, einige Aenderuiigcu im Gemeindestatnt vorzunehmen. Demzufolge sollen nun mehrere Abgaben zu religiösen Zwecken, die bisher von den Einzelnen eingehobcn wurden, in Zukunft wegfallen und würde die erforderliche Deckung ans der Central- Kaffe bestritten werden. Holland. Amsterdam. Alle Zeichen sind vorhanden, daß die junge Königin von Holland in die Fnßtapfen ihres verstorbenen Vaters betreffs der Ausübung von Wohlthärigkeit tritt. Die jährliche Unterstützung, die von dem verstorbenen König dem Waisen-Fond der jüdischen Diamant-Arbeiter in Amsterdam gewährt wurde, ist von der Königin fortgesetzt worden, in deren Namen der gewöhnliche Beitrag überwiesen wurde. Nuß and. Warschau, 30. Dezember. Die „St. Petersburger Zeitung" (deutsche Ausgabe) hat sich vor einigen Tagen in einem Artikel recht lustig gemacht über die hier von frommen Christen zur Bekehrung der Inden errichtete Missivnsaustalt, die sie als eine gänzlich nutzlose Jnftitntion schilderte, die zwar viel Geld loste, aber für die christliche Kirche von gar keinem Nutzen sei, da es ihr nur äußerst selten gelinge, einen Inden zum Abfall von seinem Glauben zu bewegen. Der evangelische Pastor in Minsk, Herr Meyersohn, suchte nun in einem Schreiben in dieser Zeitung ihre Behauptungen zu widerlegen. Letztere erklärt jedoch jetzt, daß'sie ihre Behauptungen noch weiter aufrecht erhält und fordert sie daher nochmals ihre christlichen Leser auf, die Mission ja nicht zu unterstützen, da dieselbe ganz unnütz und zwecklos für die Kirche sei. Afrika. Maroeeo. Die jüdischen Delegirten von Mogador, die kürzlich nach Marocco gekommen waren, um den Sultan um neue Bauplätze für das Mellah zu bitten, hatte den Erfolg, eine Audienz zu erhalten, in der ihnen mitgetheilt wurde, daß ein Beamter nach Mogador gesandt werden würde, welcher ein geeignetes Bauterrain zur Erweiterung des Judenviertels auswählen wird. Die neuen Häuser sollen auf Negierungskosten gebaut werden. Neuerdings höre ich, daß ein Architekt die Pläne bereits vorbereitet habe.

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