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Der Israelit · 1891-01-12 · Heft 4 (12.1.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 4 (12.1.1891)
Date
1891-01-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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57 die gerechte Würdigung jüdischen Verdienstes erkennen lassen, und darum soll auch Nachstehendes in diesem Blatte nicht unerwähnt bleiben. In unserem Lande werden nämlich alljährlich im „Staatsanzeiger" die Namen derjenigen Lehrer verzeichnet, die sich durch vorzügliche Leistungen in der Schule und treue Hingabe im Amte auszeichnen; aber seit einem Zeiträume von mehr denn 25 Jahren ist diese Anerkennung keinem jüd. Lehrer zntheil geworden, bis in diesem Jahre der Name des Herrn Lehrer Emil Marx in Oberdorf (bei Bopfingen) in der Reihe unserer prämiirten Kollegen glänzt. Dieses kleine Ereigniß, so unbedeutend es auch erscheinen mag, zeugt doch von dem vorurtheilsfreien Geiste der Kgl. Regierung und ist um so bemerkenswerther, als Herr Lehrer Marx zu den^ wenigen, orthodoxen jüd. Beamten unseres Landes zählt, während sich doch der weitaus größte Teil derselben voni gesetzcstreuen Judenthume abgewandt hat; es zeugt aber auch ebenso sehr von der persönlichen Tüchtigkeit unseres geehrten Herrn Kollegen, der sich auch in der That der ungetheilten Liebe und Achtung seiner ganzen Gemeinde und aller derer, die ihn kennen erfreut. Oe st er r. Ungar. Monarchie. Wien, Ende Dezember. Im »niederösterreichischen Landtage gab es vor Kurzem wieoer eine Judenhetze, zu welcher — man sollte es kaum glauben — der Antrag auf Gewährung einer Subvention an den Deutschen Schulverein den Anlaß gab. Freilich, die Verunglimpfung und Beschimpfung des Schulvereines im Vereine mit der Hetze gegen die Juden wurde von den Herrn Schneider und Lueger betrieben, und das erklärt Alles. Diese patentirtcu Volksvertreter hat mau sich bereits seit geraumer Zeit gewöhnt, als Agenten des Nltramontanismus zu betrachten. Die revolutionär-katholische Partei bat gegen den Deutschen Schulderem Front gemacht, weil er treu auf dem Boden der Schulgesetze steht, und es ist ja bekannt, daß der Haß gegen den Schulderem so weit geht, daß au einzelnen Orten die Seelsorger die Ertheiluug des katholischen Religionsunterrichtes an den Schulvereinsschulen verweigerten. Dieser Haß kam' heute in den Reden der. Herren Schneider und LuegerZum Ausdrucke. In würdiger Weise wurden die Schmähungen gegen den Schulverein und die rohe Hetze gegen eine Confession von, den Abgeordneten Weitlof und Haberl, vor Allem aber von dem Abgeordneten Freiherrn v. Pirquet zurückgewiesen, welcher vornehm und doch ätzend die ganze Verlogenheit der Mittels darlegte, welcher sich die antisemitischclericale Clique bedient. Freilich, auf eine Lüge mehr kommt es ihr nicht au. Giebt es doch einen gewissen antisemitischen Agitator, der einen Gesinnungsgenossen zu einer Lüge vor Gericht?zusverleiten versuchte. 8. 8. Wien, 8. Januar. Wie bereits mitgctheilt, hat sich die österreichische Regierung das Recht Vorbehalten, ins Kuratorium der activirten Baron Hirsch'schen Stiftung vier Delegirte zu entsenden. Da aber der Stifter noch vor erfolgter behördlicher Genehmigung sechzehn Mitglieder nominirt hatte, so wird die Regierung für diesmal aus Courstoiste nur zwei Vertrauensmänner für den aus achtzehn Personen zusammengesetzten Verwaltungsrath ernennen. Die vom Baron Hirsch bczeichneten sechzehn Mitglieder sind: Sigmund Ritter von Bauer, Acmiuo Cohn, Josef Ritter von Fürth, Hofrath Eduard Ritter von Guiewosz-Olesor (Christ), Dr. Adolf Jellinek, Moritz Edler von Kuffner, Wilhelm Naschauer, Heinrich Nierenstein, I. M. Ritter von Pfeifer, Alexander Fr eiherr von Popper, Dr. Arnold Rapaport, Edler von Porada, Stefan Freiherr von Schey, Philipp Thorsch und Dr. Julius Freiherr von Waldberg. Am 6. d.' M. .wurde hier Dr. Samuel Lucca, einer der ältesten Aerzte Oesterreichs in seinem 88. Jahre zu Grabe getragen. Der Verblichene war in Prag geboren, fungirte in Marienbad mehr als ein halbes Jahrhundert als Badearzt und wurde ob seiner Verdienste um diesen Curort vor Jahren zum Ehrenbürger dieser Stadt ernannt. Seine zahlreichen Schriften auf dem medicinischen Gebiete wurden sehr geschätzt und auch in fremde Sprachen übertragen. Aber er beschränkte sich nicht auf sein Fachwissen, sondern war auch dichterisch thätig und gehörte seiner Zeit zur Gruppe der deutschböhmischen Poeten. Sein Trauerspiel der „Erbprinz" und sein Lustspiel der „Opalschmuck" fanden vielenzBeifall, und unter seinen lyrischen Gedichten machte sein Gruß an die Naturforscher-Versammlung in Prag im Jahre 1837 großes Aufsehen. Die letzten Lebenstage verbrachte er in Wien, und vor vier Jahren veröffentlichte er in der hiesigen „Neuzeit" unter dem Pseudonym Senes eine spannende Novelle, die auch in Buchform erschienen ist. — Wie aus Budapest telegraphisch gemeldet wird, senden die meisten israelitischen Cultusgemeinden Ungarns dem Lordmayor von London Dankadressen. Preßburg, 30. Dec. Heute weilte der König zur persönlichen Einweihung der neuen Brücke in unserer Stadt. Unter anderen Deputationen erschien auch jene der orth. Cultusgemeinde, bestehend aus den H. H. Oberrabbiner B. Schreiber, Joel Wolf, Moriz Bettelheim, Lazar Gestetner und Heinrich Frankl ihrer treuen Anhänglichkeit ehrerbietig Ausdruck zu geben. Anfangs wurde nur von dem Empfange einer Deputation gesprochen,

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