Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 4 (12.1.1891)
- Date
- 1891-01-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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56 auf die gemeinste und brutalste Art. Der Angegriffene konnte sich nur mit Mühe in ein Zimmer retten, wo mehrere ältere Herren gemächlich beim Spielchen saßen. Aber dahin folgten ihm die Zudringlichen unter Führung zweier Wormser Bürgersöhne. Nach einigen unverschämten Aeußerungen griffen die jungen Leute mit dem Rufe: „Jetzt aber mal drauf, auf die Judde!" die nichtsahnenden Herren an. Es entwickelte sich eine Schlägerei, deren Resultat war, daß ein hiesiger hochangesehener Bürger und ein Commis aus mehreren Kopfwunden stark blutend von einem herbeigerufenen Arzt verbunden werden mußten. Die Geschichte wird ein gerichtliches Nachspiel finden. Worms, 7. Jan. In einer Zuschrift an das „Wormser Tageblatt" erklären „Die hiesigen leider bei dem Angriff auf friedliche Israeliten betheiligt gewesenen Studenten" (Korpsstudenten aus Gießen), daß sie an einer Provokation keinen Antheil gehabt hätten. Diese sei von einigen freut' den Studenten ausgegangen, die zu Besuch anwesend waren und ohne Wissen und Willen der hiesigen Studenten den Skandal hervorriefen. Was die höchst unfeine Aeußerung: „Jetzt gehn mer uff die Judde" betreffe, so bedauerten sie, daß die fremden Besucher bereits abgereist seien; von den hiesigen Studenten habe keiner die Aeußerung gethan. Was schließlich die Besudelung eines älteren Herren betreffe, so werde zweifelsohne, falls die Beschuldigung sich als richtig erweise, auch von studentischer Seite gegen die Betreffenden vorgegangen werden. — Das Wort in Ehren, aber hoffentlich wird den feinen Herren auch von anderer Seite noch der Standpunkt klar gemacht werden. — Die Vorgänge vom Samstag Abend bilden noch immer das Tagesereigniß und mit der höchsten Entrüstung wird von dem frechen Benehmen der Korpsstudenten gesprochen. Uebrigcns kamen bei dem Streite, in den der Skandal schließlich ausartete, nicht unerhebliche Verwundungen auf beiden Seiten vor. Würzburg. Am 30. Dezember schied dahier ein Mann aus dem Leben, dessen hohe Tugenden und Eigenschaften ihn wohl seinen Verwandten und Bekannten unvergeßlich machen, die aber auch verdienen, für fernere Kreise hervorgehoben zu werden. .iwd »ai Goldschmidt von Zell ist es, der nach einem thatenreichen Leben im Alter von 81 Jahren seine irdische Laufbahn beschloß und dem wir diese Gedächtnißworte weihen. Von früher Jugend an wurde er von seinen Eltern in Heßdorf der zugeführt und er hatte noch die ro den Worten im »i?na vv bv, eines jya omax 'i und eines ipiyaoxa -wa jJKarty: 'i zu lauschen. Neben dem rrnnn hatte er aber auch profanen Studien obgelegen und das Gymnasium dahier besucht; doch wollte er insofern nicht .lim »iaiv ,uru sein, sie zum Erwerbszweig zu machen, sondern wählte den Geschäftsberuf, bei welchem er umsomehr nb*6 nun pDiy sein konnte und er es auch nie unterließ mir6 Q’ny jmp zu sein. In diesem seinem Berufe wurde er bald durch seine eheliche Verbindung mit der Tochter des rühmlichst bekannten tyjiya »ai Rosenbaum von Zell ^"2? unterstützt, und so wurde er ein würdiges Glied dieser durch ihre Begeisterung und ihre Thätigkeit für Juden und Judenthum bekannten Familie. Von zahlreicher Kinderschaar gesegnet, war ihm die Aufgabe als Familienvater nicht leicht geworden; aber sein seltenes Gottvertrauen, seine ungewöhnliche Gemüthsruhe ließen Sorgen nicht erkennen. Diese seine Aufgabe sollte ihm bald noch um vieles erschwert werden. Sein biederes Weib wurde ihm in den besten Jahren durch den Tod entrissen, ihm die Erziehung von 13 Kindern allein überlassend. Und wie materiell so auch geistig war ihm diese Aufgabe herrlich gelungen; er hatte die 70 sie alle nicht nur gut versorgt, sondern auch in seinem Sinne und nach seinem Willen leben zu sehen, seine Töchter sogar an mir, »ja zu verheirathen. 'n nt iaj “pp *a njn. So hatte ihm der Allgütige seine unsägliche Sorgen und Mühen, aber auch sein Vertrauen und seiner Ergebenheit reichlich gelohnt. Am späten Lebensabend überfiel ihn eine schmerzvolle Krankheit, die einem Leben ein Ende machte, das von allen Seiten als fleckenlos, ja als musterhaft anerkannt wurde. Der Verblichene erfreute sich auch einer allgemeinen Beliebtheit und allseitiger Achtung, und mit Recht; denn sein bescheidenes Wesen, die Eigenschaft, auf niemand etwas Böses zu sagen, niemanden durch ein Wörtchen zu betrüben, mußte ihm die allseitige Liebe gewinnen. Diese Anerkennung fand nun bei seinem Leichenbegängniß nochmals getreuen Ausdruck. Eine große Trauerversammlung hatte sich eingefunden, um dem beliebten Manne, diesem p'i2 noch die letzte Ehre zu erweisen, und die ohsdi von seinen beiden Schwiegersöhnen, Herrn Distrikts-Rabbiner M. L. B a m b e r g e r in Kissingen und Seminarlehrer Herrn Dr. Tachauer dahier, sowie von Herrn Distriks-Rabbiner N. Bamberg er dahier gaben in beredten Worten Zeugniß von der Bedeutung des Mannes und dem Verluste, den man in seinem Hintritte beklagte. Sie alle hoben seine minn nartN, seine O’Djy oni» und seine besonderen Eigenschaften als Mensch hervor. .iaiai> p'iL iar. Sein Andenken wird nicht verlöschen, es wird stets ein gesegnetes sein. Aus Württemberg. In unseren Tagen, wo der Antisemitismus so manche traurige Frucht zeitigt, wird das Herz eines jeden Juden freudig bewegt, wenn ihm von Thatsachen berichtet wird, welche