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Der Israelit · 1891-01-08 · Heft 3 (8.1.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 3 (8.1.1891)
Date
1891-01-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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42 lige gelobt sei Er, hat die Thora nur gegeben, um die Menschen mit einander zu verbinden." Auf dieses mächtige Bindemittel hätten sie daher nimmer verzichten wollen, wo es sich darum handelte für irgend einen Zweck sich zu verbinden. Bevor sie daher in ihren Tekanoth des eigentlichen Zweckes ihrer Verbindung gedachten, setzten sie fest, daß man täglich, oder wenigstens allsabbatlich sich zu einem Lehrvortrag vereinige. Sie stellten dafür, wo es erforderlich war, einen besonderen Vortragenden Lehrer an und sorgten so dafür, daß der Geist und die wackere Gesinnung, aus welcher ihre Bereinigung hervorgegangen war, fort und fort neue Nahrung und Stärkung erhielt. Bon diesem inneren Werth des Thora-Lernens aber abgesehen, hatte dasselbe auch den äußerlichen Vortheil, daß die Mitglieder des Vereins durch ihre regelmäßigen Zusammenkünfte, sich eben als Mitglieder des Vereins fühlten und sich ihrer Zusammengehörigkeit für den Vereinszweck immer mehr und mehr bewußt wurden. DaS ist bei der Mehrzahl der jüdischen Vereine heute leider anders geworden. Das Lernen der Thora, die Abhaltung von Schiurim, gehört nicht nur nicht in ihr Programm, sondern man vermeidet geflissentlich alles, jede Discussion, jedes Wort, welches nur daran streift. Man glaubt nicht nur ohne Thora fertig werden zu können, sondern man glaubt es ohne sie besser zu können als mit ihr, und nicht mit Unrecht. Denn für sie und ihre Mitglieder hat die Thora leider ihre verbrüdernde Kraft thatsüchlich verloren. Wenn unsere Väter und Großväter in geschäftlicher, verwandtschaftlicher, sozialer oder politischer Beziehung noch so weit in ihren Ansichten aus einander gehen mochten, sobald sie sich gemeinschaftlich zum Thoralernen, zum Schiur niedersetzten, wußten sie sich auf einem Gebiet, in dem alle einig waren. Wenn dagegen die Söhne unserer Zeit in allen Fragen des Tages, in allen Angelegenheiten des Lebens, vollständig einig gingen, mit jedem Buch der Thora, das sie öffnen, werfen sie den Streitapfel in ihre Mitte. Bei der Zerrissenheit und Buudscheckigkeit der Ansichten über die Göttlichkeit und ewige Verbindlichkeit unserer Thora, kann das kaum anders sein. Zehn Vereinsmitglieder haben zwanzig verschiedene Ansichten, Prinzipien, Standpunkte und Auffassungen, die wie Tag und Nacht, wie Sein und Nichtsein auseiuandergehen. Das, was die Väter zusammen hielt, trennt die Kinder und Enkel. Wo man daher einen Verband anstrebt, entfernt man daher die Möglichkeit einer Differenz, indem sich jeder verpflichtet seine Herzensansicht tief in der Brust zu verwahren und kein Wort davon über die Lippen gleiten zu lassen. Man rettet dadurch den Schein; nach außen steht die Vereinigung respektabel da, sie hat ihre Mitglieder, Beiträge, Angestellte; und man muß gestehen, daß nian unter solchen Verhältnissen nicht viel mehr verlangen kann. Freilich geht den Vereinsmitgliedern das Bewußtsein ihrer Zusammengehörigkeit verloren, wenn sie es je gehabt haben. Sie wüßten gar nicht, daß sie zu einem solchen Vereine gehörten, wenn nicht jedes Vierteljahr eine Quittung daran erinnerte oder im glücklichsten Falle noch alljährlich eine schwach besuchte Generalversammlung über diese und jene Formalität in den Statuten debattirte. Wir wollen mm nicht verkennen, daß diese Vereine auch in solcher Form viel Gutes leisten, das Anerkennung und Achtung verdient, aber jüdisches Gemillus Ehesed ist cs nicht, weil wohl das kalte Geld, aber nicht das warme Herz und nicht die thätige Hand hier Menschenliebe üben. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspvndenzen. Deutschland. Berlin, l. Januar. Die hier erscheinende „Post", ein hochkonservatives und, wie mau sagt, Sr. Majestät dem Kaiser nahestehendes Blatt, veröffentlicht eine Zusammenstellung der bedeutenden Personen, welche im Jahre 1890 gestorben sind. Hierin ist auch der Begründer Ihres Blattes wie folgt angeführt: „Herr I)r. M. Lehmann, Herausgeber und Ehefredaeteur des „Israelit u. Jeschnrnn", Rad- Inner der israel. Religions-Gesellschaft zu Mainz, gestorben am 14. April 1890 im Alter von 59 Jahren." Oester r. H u g a r. M o u a r ch i e. Prag. Der Herr Statthalter hat eine Enquete zur Begutachtung eines Musterstatuts für die isr. Eultusgcmeinden auf Grund des neuen Gesetzes betreffend die Regelung der isr. Cnltnsverhälinisse einbernfen. An dieser Eiiqnete haben nachstehende Herren thcilgeuommeu: Statthaltcrei-Sccretär S t e t n f e l d, Ober-Rabbiner Dr. E h r e n f e l d, Dr. Arnold R o s e n b a ch e r, Dr. Friedrich D uscheues und Dr. Moritz Lichte nftern. Vor Eröffnung der Engnetverhandlungen ergriff H. Dr. Rosenbachcr das Wort und stellte die Bitte, die Statthalterei möge Allerhöchstenorts den ehrfurchtsvollsten Dank für die Sanetionirung des Gesetzes vom 21. März 1890, welches von den wohlwollendsten Intentionen für die isr. Religionsgenossenschast durchdrungen ist, übermitteln. Die Grundlage der Berathung bildete das vom Ccntralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten und das von dem Obmanu der Landesjudenschaft der Regierung vorgelegte Normalstatut.

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