Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 3 (8.1.1891)
- Date
- 1891-01-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXII Jahrgang. Beilage M M 3 des „Israelit & Ieschurun" Leitender Artikel. Die heiligen Genossenschaften für Gcmilluth Chassodim. «Forlsetzung.) Mainz, 6. Januar. -n. Die Abneigung vieler Chebroth gegen die alte Weise, die Kranken selbst zu besuchen und ihnen persönlich zur Hand zu gehen, wird vielfach auch damit zu begründen gesucht, daß dem Kranken besser gedient sei, wenn er geschulte und ausgebildete Krankenwärter, als wenn er Privatleute zu seiner Verfügung habe. Diese Begründung hat für unsere Verhältnisse, wie sie nun einmal liegen, eine gewisse Berechtigung. Weil marr eben vielfach davon abgekommen ist, daß die Mitglieder der Chewroth selbst bei dem Kranken anwesend und thätig sind, deßhalb ist auch die Uebung und Handfertigkeit seltener geworden, die zu einer richtigen Behandlung der Kranken allerdings erforderlich ist. In früheren Zeiten war dies anders. Ein richtiger Cdewra-Mann hat sich auf alles was hier zu leisten nöthig ist, in einer Weise verstanden, die auch dem geübtesten Krankenwärter zlir Ehre gereichen würde. Aus diesem Umstande dürfte sich auch die Tlfatsache erklären, daß mau bis auf die neueste Zeit bei uns nie auf den Gedanken kam, besondere Krankenpfleger auszubildeu und sie den Kranker« zur Verfügung zu stellen, wie dies von christlicher Seite mit so schönem Erfolg in nicht genug anzueikeunenber Weise geschieht. Dieser Mangel scheint uns ein ganz besonderer Vorzug zu sein, weil er und wenn er aus der gellannten Ursache entspringt. Wie nun diese Dinge zur Zeit liegen, läßt sich eine Aendcrnng im Sinne der ursprünglichen Handhabung der Chewrapflicht nicht einfach dckretiren. Es fehlt, wie bereits früher angedeutet, an dem rechten Geist, aus dem diese Chewroth entstanden sind. Diesen Geist zu wecken und zu festigen, müßte der Ausgangspunkt für eine jede Verbesserung nach dieser Seite hin sein. Um praktische Vorschläge hierfür zu machen, muß man sich vergegenwärtigen, daß eine treue Erfüllung dieses Gemiluth Chesed in der That eine seltene, opferwillige Hingebung erfordert, die nicht erst seit heute und gestern, sondern auch in früherer Zeit ein stark ausgeprägtes Pflicht-Gefühl und seine große Selbstverleugnung erforderte. Wie belebten und entwickelten unsere Altvordern diese Tugenden? Bevor wir zur Beantwortung dieser Frage die alten Tekanoth dieser Chewroth mit den modernen Statuten der großen Mehrzahl der heutigen, denselben Zwecken dienenden Vereine vergleichen, wollen wir noch zuvor einen Blick auf die Thätigkeit der Chewroth werfen, welche sich die Fürsorge für die Verstorbenen zur Aufgabe gestellt haben. Daß hier die zu vollziehenden Funktionen durch bezahlte Leute gehandhabt werden, ist G. s. D. viel seltener der Fall und kommt, unseres Wissens nur in vereinzelten Reformgemeinden vor. Aber während es sonst als eine besondere Ehre galt, in diese Chewroth ausgenommen zu werden, zu welcher sich dann immer die Bewerber reichlich meldeten, ist es auch hierin, bis auf vereinzelte rühmliche Ausnahmen, vielfach anders geworden. Es gilt auch hier die Begeisterung für dieBethütigung dieses btid.i ny ptsny» nox bv non neu zu beleben und zwar um so mehr, je seltener die selbstlose Hingebung an die Erfüllung von Mizwoth im allgemeinen und dieser Mizwo insbesondere geworden ist. Was unsere Allvorderen nach dieser Seite zu thun für geboten erachteten, macht sich mit doppelter und dreifacher Nothwendigkeit für unsere Zeit geltend. Sehen wir uns zu diesem Zwecke nach den Veranstaltungen um, die in den Tekanoth der alten Ehebroth enthalten sind, so fällt uns sofort eine Reihe von Eigertthümlichkeiten in die Augen, welche einen tiefgehenden Gegensatz zwischen den einstigen und heutigen Anschauungen bekunden. Wenn heute jüdische Leute zusammentreten, um einen Verein zu gründen, so Pflegen sie meistens dafür zu sorgen, daß die Besprechung religiöser Angelegenheiten durch einen besonderen Paragraphen grundsätzlich ausgeschlossen ist. Wenn unsere Väter und Großväter einen Verein gründeten, so war ihnen das religiöse Moment nicht nur das wichtigste, sondern sogar das einzige Motiv ihres gegenseitigen Anschlusses. Das verschwiegen und bemäntelten sie nicht nur nicht, sondern sie glaubten es nicht laut und deutlich genug sagen und durch ihre Bestimmungen constatiren zu können. Sie mochten daher, für welchen Zweck auch immer zusammentreten, daß dabei Thora gelernt werde, war immer und sirberall die stillschweigende, selbstverständliche Voraussetzung. Sie waren von der erprobten Wahrheit durchdrungen: im vb n»mn rw na nnnn rwn"2pn „Der Hei-