Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-01-08 · Heft 3 (8.1.1891) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 3 (8.1.1891)
Date
1891-01-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448126--31369-2479166
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

40 „Ich habe Dir Wichtiges mitzutheilen", wichtig für Dich und mich, eröffnete er ohne jede Einleitung das Gespräch, und war dann sogleich fortgefahren. Ich glaube es ist vor Dir und Jedermann im Hause — etwa Pauline selbst ausgenommen — ein offenes Gebeimniß, daß ich der Gatte unserer liebenswürdigen Cousine werden sollte. Zur Zeit als diese Verabredung zwischen meinen Eltern und Onkel Josef getroffen wurde, war Pauline noch ein Kind von vierzehn Jahren, das lange Zöpfe und kurze Röcke trug, man frug sie nicht um ihre Zustimmung, man theilte ihr nicht einmal das Projekt mit. Meine Eltern in ihrer großen Liebe für mich und Onkel Josef von seiner Familienauhänglichkeit verblendet, hatten es als vollkommen selbstverständlich vorausgesetzt, daß ich, wenn Panline reif und urtheilsfähig ihren Beifall finden würde. Es bestand zwischen mir und meiner Cousine ein eigenthümliches Verhältniß, wie man dies selten vorfindet. Bei der anmuthigen Liebenswürdigkeit, mit der sie Jedermann entgegenkommt, vermochte ich nicht zu erkennen, ob sie mir ein größeres Maß von Neigung als allen Andern zuwende. Leise Anklänge, die ich bei dem halben Kinde anschlug, fanden kein Echo, deutlicher von unserer Zukunft zu sprechen wagte ich nicht. Meine Eltern und Onkel Josef glaubten einem so klugen Mädchen wie Pauline könne die wahre Sachlage nicht entgangen sein und betrachteten ihr Stillschweigen, ihr freundliches Benehmen gegen mich als Zustimmung. Seit längerer Zeit aber glaubte ich zu erkennen, daß Pauline ihre Neigung nicht mir zuwende, ein Mtibever ihr junges Herz gewonnen. Ich, und in Folge der Zweifel, die ich geäußert, auch meine Eltern wollten endlich Gewißheit erlangen, um so mehr als ich, ein Siebenundzwanzigjähriger, in dem Alter stehe, wo ein Mann sich ein Heim gründen, eine Hausfrau heimführen soll, und Pauline in vierzehn Tagen ihr siebzehntes Jahr erreicht. Gestern verlangten meine Eltern von Onkel Josef, am nächsten Geburtstage Paulineus möge unsere Verlobung gefeiert werden. Onkel Josef hatte nichts dagegen einzuwenden, nur wollte er mit Pauline sprechen. Als er dies sagte, dachte der wahnbefangene Mann uicht daran, daß er sein Kind um seine Zustimmung fragen müsse, die setzte er voraus, er wollte von Pauliueu, welche die Haushaltung führte, nur erfahren, ob sie die Vorbereitungen zum Verlobungsfefte, das er recht glänzend feiern wollte, in so kurzer Zeit treffen könnte. Aber er ward überrascht und enttäuscht, Pauline, das halbe Kind, entpuppte sich in merkwürdigster Weise als ein auch geistig hochgereiftes Wesen. Mit einer Festigkeit, welche durch die angenehme Form, in der sie das that, nichts an Entschiedenheit einbüßte, erklärte sie, daß sie mich achte, meine guten ,Eigenschaften vollkommen anerkenne und würdige aber mir nicht jene Neigung entgegenbringen könne, welche eine Verbindung für das ganze Leben erfordern. Das kluge, für ihr jugendliches Alter geradezu überraschend scharfblickende Mädchen, gestand, daß sie seit längerer Zeit geahnt, daß man an eine Verbindung zwischen ihr und ihrem Cousin denke, aber sie hatte es nicht vermocht, mich durch unfreundliches Benehmen zu kränken, und hatte, wenn auch nicht ruhig, so doch unthätig den Moment abwar - ten wollen, wo man denn doch gezwungen sein würde mit einer Erklärung an sie heranzutreten und Gelegenheit geboten würde, sich auszusprechen." — Mich überkam bei Jakobs Worten ein nicht zu schilderndes Gefühl. Wenn Pauline frei war, daun war ja die Möglichkeit vorhanden, daß mein sehnlichster Wunsch, den ich nie über meine Lippen gebracht, erfüllt würde! — (Fortsetzung folgt.) «Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedermal in mindesten» 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Ikichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel jtt beziehen bet E. F. Strinackrr, ftipjig, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigefpaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oefterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco «nzn^ende«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Das Judenthum und die Neige des 19. Jahrhunderts. Von Dir. Dr. Mendel Hirsch, Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Oppenheim. Berlin. Frankfurt a. M. Magdeburg. Celle. Kattowitz. Burgpreppach. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — England: London. — Amerika: San Francisco. — Vermischtes. — Feuilleton: Das Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohn (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die heiligen Genossenschaften für Gemilluth Chassodim (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. — England: London. — Vermischtes. §nhalt der belletristischen Beilage: Das Duell. Von H. Berger. — Verschiedenes. — Räthsel. «halt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.