Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 3 (8.1.1891)
- Date
- 1891-01-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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39 Gemeinde, der ganze Gemeinderath mit dem Bürgermeister an der Spitze, sammtl. dahier wirkende Lehrer und noch v. a. Möge ihr tiefgebeugter Gatte hierin, sowie in der Verehrung, die sie stets gezollt erhielt, Beruhigung und Trost finden. Möge ihr schönes Beispiel zur Nachahmung ermuntern pHS rrrv "OT1?! Sie selbst aber möge eingehen in die lichten Höhen des Edens und dort die Frucht ihrer guten Saat ernten! n"3"ajn. Feuilleton. Das Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolg werden. Uebersetzuugsrechte Vorbehalten. (Fortsetzung.) „Du wirst mich hoffentlich milder beurtheilen, wenn ich den Grund angebe. War' es in meiner Wahl gestanden, ich Hütte meinem Cousin Jakob, den ich — ich habe es schon gesagt — gleich am ersten Tage meiner Ankunft lieb gewonnen und tief ins Herz geschlossen, gerne nebst dem zukünftigen Besitze des großen Vermögens des Onkels, ihm auch dessen glänzendes Geschäft überlassen; wenn ich dadurch mein Mühmchen Pauline hätte gewinnen können." Speier hielt einen Moment bewegt inne; „ich habe Dlr's erst vor Kurzem wieder und auch oft schon früher gestanden, Du hast mir gleich beim ersten Anblick außerordentlich gefallen, und als Du zu sprechen begannst, da schien mir Deiner Stimme Klang, wie Serphaimgesang — und dann als ich bei Tisch Dein Nachbar wurde, Du Deine Schüchternheit ablegtest und eine Geschichte erzähltest, da wurde ich ganz hingerissen vor Dir." „Was erzählte die Mutter?" frug Therese eifrig. „Sie war gerade an dem Tage meiner Ankunft, als sie Vormittags aus dem Musik-Institut kam, einem Knaben begegnet, der vier junge Katzen ersäufelstwollte; um diese von dem ihnen zugcdachten traurigen Schicksale zu retten, kaufte sie deni Knaben die Kätzlein um einen halben Gulden ab, zahlte ihm noch zehn Kreuzer Trügerlohn dafür, daß er sie in unser Haus trage, so daß dieses wenig luerative Geschäft ihr ganzes Taschengeld vollständig absorbirte, und war nur herzlich froh, daß sie die niedlichen Geschöpfe unter Pflege und Aufsicht der alten Köchin Hendl wußte, welche versprochen sie zu nützlichen, mäusefangenden Bürgern der Thierwelt und tüchtigen Hausgenossen zu erziehen. Speier wandte sich nun an diese, „Du kannst Dlr's nicht vorstellen, wie gut mir Deine Geschäfte und Du selbst gefallen. Ich erinnere mich noch meiner Gedanken von damals, als wenn mich diese erst vor einer Stunde beschäftigt hätten. „Ich dachte mir: es könnte für mich gar nichts Schöneres und Lieberes auf der Welt geben, — als wenn Du Pauline, an dem Fenster des dritten Stockwerkes eines brennenden Hauses stehend verzweifelnd die Hände ringen, oder bei dem Besuche einer Menagerie von einem Königstieger angefallen würdest — und ich Dich mit Lebensgefahr von sicherem Tode erretten könnte, und — so dachte ich damals — wenn mir bei dieser passenden Gelegenheit ein Arm zu Staub und Asche verbrannt, oder die nichtsnutzige Bestie ihn zerfleischen würde, ich würde mir gar nichts daraus machen!" „Wenn Du Dich mit solchen Kindereien aufhälst und unsere Geduld ermüdest, werde ich noch ernstlich böse werden", meinte Pauline, aber der liebevolle Blick, mit dem sie diese Drohung begleitete, schwächte die Wirkung derselben in hohem Grade ab. „Ich habe es schon gesagt, ich halte von dem, was ich Euch miltheile, nichts für überflüssig; — nur wenn ich Euch mein ganzes Vorleben entrolle, könnt Ihr mein Empfinden und mein Behoben richtig erfassen. Doch will ich mich womöglich kürzer fassen. — Ich trat in Onkel Josefs Geschäft ein, ich bot alle Kräfte auf, ihn zufrieden zu stellen; ich arbeitete mich unter seiner liebvollen, weisen Leitung in meinem neuen Berufe ein und fand Freude an demselben, für alle meine Bedürfnisse, sogar für alle gestatteten Vergnügungen wurde in ausreichendem Maße gesorgt, an meinem Cousin Jakob, fand ich einen edlen, gebildeten Freund, die religiöse Gesinnung, die im Hause herrschte, entsprach meiner Erziehung und meiner eigenen Anschauung, ich hätte glücklich und zufrieden leben können, aber das Gefühl heißer Liebe für Pauline, das sich je länger ich in ihrer Nähe lebte, desto intensiver entwickelte, die volle Ueberzeugug, daß sie mir für immer unerreichbar bleiben werde, verbitterte mein ganzes Dasein in solcher Weise, daß, wenn ich nur einen vernünftigen Vorwand gefunden, ich, auf die Gefahr hin, einer unbestimmten Zukunft entgegen, zu gehen, das Haus verlassen hätte. „So verlebte ich zwei Jahre. Pauline entfaltete sich täglich herrlicher, ich ward täglich betrübter, schwermüthiger und mußte alle meine Kräfte und Mittel der Vcrstcllungskunst, die meinem Wesen so fern als möglich lag. aufbieten, um äußerlich Seelenruhe und Heiterkeit zu heucheln. Plötzlich trat ein Ereigniß ein, das wieder eine wundersame Wendung in meinem Leben herbeiführte. ... An einem Sonntag Nachmittage, wo unser Comptoir geschlossen war, trat Cousin Jakob in mein Zimmer.