Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 3 (8.1.1891)
- Date
- 1891-01-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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38 England. London, 24. Dezember. Am jüngsten Sonntag wurden in zahlreichen Kirchen und Kapellen Predigten abgehalten, welche die Bedrückung der russischen Juden zum Gegenstände hatten. In seiner im City Temple am Sonntag gesprochenen Predigt sagte Dr. Parker: „Ich bin mir vollkommen klar über meine Stellung mit Bezug ans die Frage der religiösen Toleranz. Ich bin tolerant gegen jeden, der ehrlich und aufrichtig denkt. Mit unaussprechlichem Abscheu wende ich mich von der Bedrückung der russischen Inden ab, und ich erkenne dankbaren Herzens den Adel der Gesinnung und die Würde an, die Kardinal Manning in seinem Schreiben über diesen Gegenstand bekundet hat. Ich bin überzeugter Protestant und vertrete auf das Entschiedenste mein Bekenntniß, ich könnte aber niemals meine Stimme erheben für die politische Rechtsbeschränkung meiner römisch-katholischen Mitbrüder. Juden und Papisten wollte ich alles das gewähren, was ich für mich selbst beanspruche, aber weder Juden noch Christen, weder Paptisten noch Protestanten würde ich es gestatten, an die Constitution zu rühren, die unsere Freiheit zugleich beschränkt und schützt. Was die Paptisten anbelangt, so habe ich unendlich mehr Respekt vor dem Papst in Rom, als vor irgend einem Priester, der sich äußerlich zum Protestantismus bekennt, in der That aber der Religion des Papstthums dient. Einen ehrlichen Priester der Kirche von England ehre ich; einen heuchlerischen Diener unserer Lehre verachte ich". London. Am ersten Jahrzeitstage des Chief- Rabbi Dr. N. Adler (waw itnn twn aiy) wird in der isr. Suppenanstakt eine besondere Kostvertheilung an Arme stattfinden; die Familie Adler hat zu diesem Zwecke l2 Lstr. gespendet. Dieser Tage feierte Herr Joseph Levy seinen 101. Geburtstag; derselbe ist noch in guter Gesundheit und tnt vollen Besitze seiner Sinne. Amerika. Wie Dalziels Agentur aus San Francisco, 30. Dez. meldet, sollen die „leitenden" Juden daselbst beschlossen haben, einen Fonds von Lst. 50.000 zur Unterstützung der verfolgten Inden in Rußland aufzubringen. Es sei im Plane, eine Million Acres Landes in Mexiko zu kaufen, dasselbe in kleine Parzellen einzutheilen und die aus Rußland ausgewanderten Juden daselbst anzusiedeln. Der Acre Landes sei in Mexiko für einen Dollar zu haben. Die Uebersiedelung der Juden soll durch eine englisch-jüdische Gesellschaft vermittelt werden und an der Spitze der Bewegung stehe ein Herr Daniel Mayer, ein „leitender" Makler von San Francisco. Diese Nachricht ist ebenso mit Vorsicht aufzunehmen, wie diejenige über die Bildung einer Gesellschaft mit einem Kapital von 25 Millonen Dollars zur Gründung von Ansiedelungen in Brasilien, worüber englische Blätter dieser Tage berichteten. In den mit der letzten Post eingetroffencn brasilianischen Blättern ist ebenfalls von diesem Plane die Rede, aber an Stelle der 25 Millionen Dollars findet man nur 35 Millionen Franks, allein auch die Existenz dieser wird in Brasilien selbst stark angezweifelt._ Vermischtes. Rülzheim, bayer. Pfalz, 26. Dezbr. pasn ly 7an i’mnE'C n1?!. „Wehe um die, welche dahinschwinden und nicht mehr aufznfinden find." — Wenn das Verdienst von edlen Männern, welche als öffentliche Eharactere in weiteren Kreisen Segen stifteten, besonderer Anerkennung würdig erscheint, so darf auch das Verdienst edler Frauen, die im engeren Kreise die Leuchte des echten, unverfälschten Judenthums, sowie das Licht wahrer Menschenliebe strahlen liehen, nicht ungcwürdigt bleiben. Einer solchen Edlen unseres Volkes lassen Sie uns, hochgeschätzter Herr Redakteur, gerade in dieser von ihr seit mindestens 25 Jahren regelmäßig mit großer Begeisterung gelesenen Zeitschrift ein bleibendes Denkmal setzen, nachdem deren Leben abgeschlossen vor uns liegt, und es umsomehr verdient, öffentlich erkannt zu werden, je stiller und bescheidener es wirkte. Frau Louise Salomon, in Wahrheit ein Muster echter Frömmigkeit, im wahren Sinne des Wortes kitte"?'!"! nEW hat am 17. Dez. nach längerem Leiden ihre irdische Laufbahn vollendet. Zu Herschberg, eiuein kleinen Drte, von zwar wohlhabenden, aber einfach lebenden Ellern stammend, erhielt dieselbe, fern von allem eiteln Prunke, eine fromme, relig. sittliche Erziehung. Ganz besonders hatte sich in ihr die echtreligiöse Gesinnung ihrer Mutter n"y, einer Tochter des ehemaligen Rabbiners zu Homburg bei Zweibrücken, Rabbi Salomon, bewahrt, und so bildete □'££' pnt die reine und lautere Frömmigkeit den Grundton ihres Wesens, die Grundlage und den Mittelpunkt ihres ganzen Lebens. Und wenn die wahre Bildung besteht in der Rheinheit und dem Edelmuthe des Herzens, in der Biederkeit des Characters, so hat sie solche im höchsten Grade besessen und auf die wohlthuendste Weise kund gethan. Im stillen häuslichen Kreise, an der Sette ihres sie so zärtlich liebenden Gatten, N. Salomon ’"l, entfaltete sie als Gattin und Hausfrau in ihrer bescheidenen Art eine Fülle des Segens, und sie war der Mittelpunkt, von welchem aus Glück und Freude, Heiterkeit und Frohsinn nach allen Seiten hin sich verbreitete. Denn nicht auf den engen Kreis ihrer Familie beschränkte sich ihr edles Wirken; ihre emsige und wohlthuende Thätigkeit, ihre Herzensgüte kannte keine Schranken. Die Pforten ihres Hauses waren weit geöffnet allen, die Parin eine Stätte der Ruhe und der Erquikkung suchten.' In der umfassendsten Weise genügte sie einem heiligen Bedürfnisse ihres für n"Jl rnny min beseelten Wesens durch besondere Aufmerksamkeit gegen D’Qan ’TQ^n nun Als Hochgenuß galt ihr der Besuch des y'ana, den sie mit den Worten ‘l rva DHDwa TinDty einleitete, und wahrlich zeugte die Innigkeit, mit der sie die Gebete sprach, von ihrer Gesinnung und dem Verständnisse. Und so hat sie sowohl als Vorsteherin des isr. Frauenvereins seit 21 Jahren, wie überhaupt durch ihr liebesvolles, menschenfreundliches, segenbringendes Wallen und Wirken innerhalb wie außerhalb ihres Hauses die Achtung und Liebe aller, die mit ihr verkehrten, in hohem Grade erworben. An ihrem Leichenbegängnisse betheiligte sich die ganze isr.