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Der Israelit · 1891-01-08 · Heft 3 (8.1.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 3 (8.1.1891)
Date
1891-01-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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37 Segen hat ihr mühevolles Arbeiten wohl vollen und berechtigten Anspruch. Von den Zöglingen der Anstalt sind im abgelaufenen Jahre 6 in die israel. Lehrerbildungsanstalt Würzburg, 3 in das israel. Lehrerseminar zu Cöln a. Rh., 1 in das kgl. Seminar zu Würzburg und 1 in das jüd. Seminar zu Hannover nach bestandener Prüfung übergetreten. Mehrere andere haben sich, ausgerüstet mit den für das Leben nöthigeu allgemeinen und religiösen Kenntnissen, einer nützlichen gewerblichen Thätigkeit zugewendet. O esterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 30. Dezember. Der Anstreichermeister Johann Hruschka, Vorstand des Laudstraßcr Männergesang-Vereins und eifriger Antisemit, erschien heute unter der Anklage der Veruntreuung und der verschuldeten Crida vor Gericht. Im Jahre 1882 übernahm er nach dem Tode seines Vaters ein reuommirtes Anstreichergeschäft nebst einem kleinen Vermögen: im Juli d. I. war er genöthigt, den Concurs mit einem Deficit von 9700 fl. anzumelden. Gr muß zugeben, daß sein Geschäft durch seine starke Beschäftigung mit politischen, und zwar antisemitischen Angelegenheiten gelitten habe. Nach einer Note der Polizei-Direction hat sich Hruschka lebhaft an politischen Agitationen betheiligt, dabei sein Gewerbe vernachlässigt, viele Abende in der Woche in Gasthäusern zugebracht und hiedurch, wie auch seine Gläubiger erklären, seinen geschäftlichen Ruin und seine Insolvenz verschuldet. Hruschka hat sich aber überdies der Veruntreuung schuldig gemacht, indem er den Jubiläumssonds des von ihm geleiteten Landstraßer Männergesang-Vcreins im Betrage von 394 fl., sowie Mitgliederbeiträge von 140 fl. sich aneiguete. Als er um die Eröffnung des Concurses ansuchte, richtete er zugleich an den Borstand-Stcllvertrer des Vereins einen Brief, in welchem er sagte: „Ich werde mir eine neue Existenz gründen und euch, so ich gesund bleibe, Alles zurückerstatten; selbstverständlich wird es längere Zeit dauern." Die Plenarversammlung des Vereins begnügte sich wirklich hiemit und nahm von gerichtlichen Schritten gegen ihren Vorstand Umgang, wogegen die Gattin und ein Cousin des Defraudanten die Bürgschaft für einen Theilbetrag von 120 fl. übernahmen; Erstere hat hierauf auch wirklich 25 fl gezahlt. Als aber bei Eröffnung des Concurses der Sachverhalt der Behörde bekannt wurde, erhob die Staatsanwaltschaft auch wegen dieses Verbrechens gegen den Cridatar die Anklage. Hruschka wird in der heutigen Verhandlung durch Dr. Ehrentheil vertheidigt. Es ist dies nicht der erste Fall, daß verarmte heißblütige Antisemiten in ihrer Bedrängniß vor Gericht zu jüdischen Advocaten ihre Zuflucht nehmen. Der Angeklagte wurde zu acht Monaten schweren Kerkers verurtheilt. 8. 8. Wien, 4. Jan. Endlich! Endlich hat die Regierung die Baron Hirsch'sche Stiftung für Galizien und die Bukowina bestätigt. In Galizien verspricht man sich sehr viel von dieser Stiftung und ist es Sache der kompetenten Kreise, dafür Sorge zu tragen, daß das Jnslebentretcn nicht weiter hinausgeschoben werde. Wie bekannt, bildete die Zusammensetzung des Curatoriums den Zankapfel zwischen der Regierung und dem edlen Stifter, und es hat nicht viel gefehlt, so hätte sich die ganze Sache zerschlagen. Schließlich trug die Regierung den Interventionen des Baron Hirsch doch theilweise Rechnung, und das insofern, als sie sich damit begnügte, in's Curatorium vier Lertraucusmänner zu entsenden, während der Baron 14 Personen für's erste Curatorium ernennen wird, welche sich bei cintreteuden Vakanzen durch Cooptation ergänzen. Von den 18 Mitgliedern der Verwaltung müssen wenigstens zwölf in Wien wohuen und mindestens vierzehn Juden sein. Die Stiftung wird den Namen führen: „Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes im Königreiche Galizien und Lodomericn mit dem Großherzogthume Krakau und im Herzogthume Bukowina" und hat ihren Sitz in Wien. — Die Unterrichtssprache ist in Galizien die polnische und in der Bukowina die deutsche, doch ist auch in ersterer Provinz die deutsche Sprache obligat. Die Schulen können auch von christlichen Kindern frcqueutirt werden, sind also keineswegs konfessionelle, doch darf deren Zahl nicht den vierten Theil der gcsammten Schüler übersteigen und ist diesen Kindern ein christlicher Religionsunterricht auf Kosten der Anstalt zu ertheilen. Wie bestimmt verlautet, sollen Seitens der Regierung drei höhere Ministcrialbeamte und der liberale polnische Rcichtagsabgcordnete Hofrath Gniewoß, dessen jndenfrcundliche Rede im Parlament seiner Zeit Aufsehen erregt hat, als Mitglied des Curatoriums designirt werden. Wien, 5. Januar. Wie den hiesigen Blättern aus Königsmark in Böhmen telegraphisch gemeldet wird, wurde die für gestern dort anberaumt gewesene antisemitische Versammlung, behufs Organisation einer antisemitischen Partei in Böhmen aus Gründen der öffentlichen Ruhe und Ordnung, seitens der politischen Behörde untersagt. Die „Koryphäen" Schönerer und Türk hatten ihre Anwesenheit beim Antisemitentag in Aussicht gestellt, haben cs aber nicht nöthig gehabt, sich in dieser Kälte zu exponiren.

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