Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 3 (8.1.1891)
- Date
- 1891-01-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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36 15 des Goßler'schen Schulgesetzentwurfs der Beschluß gefaßt: Simultanschulen dürfen ohne Zustimmung der beteiligten Gemeinde nicht aufgelöst werden, auch steht der Gemeinde das Recht zu, neue paritätische Schulen ins Leben zu rufen namentlich dann, wenn dadurch eine zweckmäßigere Organisation der Schule ermöglicht wird. Der Referent des geschäftsführenden Ausschusses des Landeslehrervereins hatte in seinem Referat über den 1. Theil des Gesetzentwurfs, welcher die Aufgabe und Einrichtung der öffentlichen Volksschule behandelt, ausdrücklich für das Bestehenbleiben und den Ausbau der Simultanschule plaidirt. Er hob hervor, daß die Trennung nach Confessionen die friedliche Lösung der socialen Frage beeinträchtige; Protestanten, Katholiken und Juden opferten gleichmäßig ihr Gut und Blut für das Vaterland, wenn ihm Gefahr drohe, und so müsse auch der Grundsatz von gleichen Pflichten und gleichen Rechten auch auf dem Schulgebiete verwirklicht werden. Celle, 2. Januar. Wie der „Hann. Cour." meldet, ist der Oberlandcsgerichtspräsident Dr. Bardeleben seiner leidenden Gesundheit wegen vom 12. Januar an auf sechs Monate beurlaubt. Herr Dr. Bardeleben war vor kurzer Zeit Gegenstand heftiger Angriffe in einigen Blättern, weil er einige Referendare, die einen jüdischen Kollegen von ihrer Tischgesellschaft ausgeschlossen hatten, von Hildesheim strafversetzt hatte. Das Stöcker'sche „Volk" schreibt natürlich diesem Umstände die Beurlaubung des Herrn Präsidenten zu. Kattowitz. (O.-Schl.) Es ist hocherfreulich, daß in manchen Gemeinden unserer Gegend gegenwärtig der religiöse Geist erstarkt und Institutionen geschaffen werden, welche hiervon Zeugniß oblegen. In unserem Nachbarorte Königshütte ist das Rabbinat besetzt worden und wird demnächst eine Rcligionsschule eröffnet werden. Von hier ist zu berichten, daß der „Verein zur Förderung jüdischen Wissens" Talmud-Thora mit dem Beginn des Winterhalbjahres aufs Neue seine Thätigkeit eröffnet hat und seine Mitglider zweimal wöchentlich zum Studium der Mischna unter dem Vorsitze unseres Herrn Rabbiners Dr. Cohn zusammenberuft; die von demselben organisirte hebräische Unterrichtsanftalt gedeiht und blüht. Mit der vor längerer Zeit vom Gemeindevorftand zum Koscherfleisch-Verkauf mit nicht unbedeutenden Kosten eingerichteten Fleischhalle ist seit Kurzem eine Fabrik für Wurstwaaren verbunden, in welcher von einem tüchtigen Fachmanne unter ständiger Aufsicht eines vom Herrn Rabbiner bestellten Vertrauensmannes Wnrstwaaren fabricirt werden, so daß in Beziehung auf Kaschrus auch den weitgehendsten Anforderungen Rechnung getragen ist. Burgpreppach. Dem fünfzehnten Rechenschafts-Bericht über die Israelit. Präparandeu-Schule I „Talmud-Thora" zu Burgpreppach für das Jahr 1889—1890 entnehmen wir: Zu den erfreulichsten und verheißungsvollsten Wandlungen, welche im Laufe der letzten Jahrzehnte innerhalb der deutschen Judenhcit sich vollzogen haben, gehört unstreitig in erster Linie die Anerkennung des Bedürfnisses einer gründlichen religiösen Erziehung der Israel. Jugend. Allmählich bricht sich die Erkenntniß Bahn, daß religiöses Fühlen und Empfinden kein unwesentlicher Faktor sei für die Gemüthsbildung des Menschen, und daß die Bildung des Geistes und des Charakters nur gewinne durch eine auf Kenntniß der religiösen Urkunden des Judenthums und seiner Geschichte sich aufbauende religiöse Überzeugung und rchung. Soll aber die in langsamem Werden begriffene Wandlung von wirksamer Dauer sein, so bedarf es zunächst eines gründlich vorgebildeten Lehrerstandes, der, ausgerüstet mit umfassender allgemeiner Bildung und Gesittung, auch in der Wissenschaft des Judenthums tiefer eingeweiht ist und die Pflichten und Vorschriften der Religion, die er zu lehren hat, aus den Religonsguellen selbst zu schöpfen im Stande ist. Eine solche Kenntniß der Religion kann aber nicht in Anstalten mit 3—4 wöchentlichen Religionsstunden vermittelt werden, dazu bedarf cs vielmehr solcher Institute, in welchen der gesummte Lehrplan und seine Eintheilung zur Unterstützung des Religionsunterrichts herangezogen werden kann. Macht ja die Erweiterung deS vorschriftsmäßigen Lehrstoffes, wie er bei der allgemeinen Zunahme des Wissens und des Bildungsbedürfnisses für Lehrerpräparandten sich allmählich herausgebildet hat, selbst für solche Schulen einen gründlichen religiösen Unterricht ohnehin schwer genug. Kein Vernünftiger wird aber bestreiten wollen, daß dem jüd. Lehrer, der in kleineren Gemeinden die Stelle des Rabbiners oft vertreten muß, eine religiöse Ausbildung, wie wir sie eben gezeichnet haben, dringend noth thut. Diesem Bedürfuisse zu genügen, ist unsre Schule seit Jahren bemüht, und wenn auch sonst der greifbare Erfolg nicht immer der Maßstab ist, nach welchem das Edle und Gute gemessen werden darf, so glauben wir doch in der erfreulichen Entwickelung und in dem steten Wachsthum, auf welche die Schule während ihres nunmehr 16jährigen Bestehens zurückweisen kann, einen Beweis für die Würdigung und Anerkennung ihrer Leistungen finden und Muth und Zuversicht für die Zukunft schöpfen zu dürfen. Die Eingänge des abgelaufenen Jahres haben uns nicht nur in den Stand gesetzt, allen an uns herantretenden Anforderungen genügen, sondern auch den geringen Fonds der Schule vermehren zu können, damit endlich auch unsere Lehrer, nachdem sie das Möglichste geleistet, unbesorgt um des Daseins Noth in die Zukunft zu,blicken vermögen. Auf diesen L