Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1891)
- Date
- 1891-01-05
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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27 achtung verdienen; er übersetzt nämlich nai Dns ns ddöjh — vv 'dl dvd^n 'S „In Alfajuni und in Ajni Schamßi" — in, wie: Samuel richtete Israel ds in allen diesen Oertern." Sam. I. Kap. 7 V. 16 — Diese Interpretation scheint nicht blos eine muthmaßliche Combination, wie viele andere, zu sein, denn sie läßt sich durch die Thatsache begründen, daß Fajum, hebräisch Dins, eine Landschaft und Provinz im nördlichen Mittelägypten ist, welche durch den hineingeleiteten Josephskanal (Bahr Jusuf) fruchtbar gemacht wird; ebenso war zu jener Zeit Heliopolis, identisch mit Ajn Schamsi oder Raamses, einem größeren Landgebiete. Man vergleiche Septuaginta Genes. Kap. 46 V. 28: Und den Jehudah schickte er vor sich her zu Joseph, daß er ihm entgegen komme bis zur Stadt Heroon im Lande Raamses. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 29. De. Diese Woche war es bas hiersehr stille; nicht einmal die letze Predigt Stöcker's im Dom am gestrigen Sonntag hat die Ruhe gestört. Ruhig sah man den Mann scheiden, dessen Auftreten sonst man sich nur unter Lärmen vorbellen konnte. Seine Getreuen kamen freilich zu Haus nach dem Dom, um Stöcker's Scheidegruß von der Kanzel herab zu vernehmen, und Stöcker müßte nicht der vorzügliche Schauspieler sein, der Miene und Wort in Gewalt hat, wie wenige Demagogen, wenn er durch seine Abschiedsworte, deren versteckte Drohungen er in geschickt gespielte De- und Wehmuth verbarg, auf die Gemeinde nicht gewirkt hätte. Aber im Uebrigen verursachte sein offizielles Scheiden vom Amt keinerlei Aufregung. Man sprach kaum darüber. Berlin, 31. Dezember. Aufmerksamen Beobachtern kann es nicht entgehen, daß seit den letzten Wochen innerhalb der katholischen Presse Deutschlands eine bemerkenswerte Wandlung sich vollzieht, indem diejenigen Blätter, welche bisher in der antisemitischen Hetzcampagne im Hintertreffen gestanden, aus dieser Zurückhaltung herauszutreten und recht kräftig in's antisemitische Horn zu blasen beginnen. Ein rheinisches Blatt hat den Grund dieser ausfallenden Erscheinung ausgeplaudert: die „Judenblätter" sollen eingeschüchtert werden, an der Bekämpfung der Petition um Rückberufung der Jesuiten sich nicht zu betheiligen. Die Albernheit, für die Auslassungen jüdischer Redacteure politischer Tageszeitungen die gesammte Judenheit verantwortlich zu machen, bedarf für keinen Unbefangenen der Kennzeichnung; aber es dürfte sich doch empfehlen, jetzt bei Beginn dieses Preßkrieges, ehe derselbe größere Diniensionen annimmt, daraus aufmerksam zu machen, daß die jüdischen Abgeordneten im Jahre 1872 ausnahmslos gegen das Jesuitengesetz gestimmt haben, um dessen Aufhebung die Katholiken jetzt petitioniren. An m. d. Red. Auch heute werden sich noch genug unserer Glaubensgenossen finden, die für die Aufhebung des Jesintcngesktzes eintreten; es wäre doch wohl ein Gebot der Klugheit, sich nicht gewaltsam diese Stimmen abwendig zu machen. Uns in Süddeutschland ist übrigens von einer antisemitischen Hetze von Seiten der katholischen Blätter oder deren Partei nichts bekannt; im Gegentheil äußerte erst vor Kurzem Herr Rechtsanwalt von Brentano aus Friedberg in einer hier am 14. Dezember abgehaltenen Katholikenversammlung, „daß der Anlisemilismus in der katholischen Bevölkerung niemals Wurzel schlagen könne." Frankfurt a. M., 3. Januar. Wie wir jüngst berichteten, hat der antisemitische Abgeordnete Liebe rmann von Sonnenberg auf seinem antisemitischen Bauernfang im katholischen Münsterlande sich für die Aufhebung des Jesuitengesetzes ausgesprochen und dabei geäußert, die Erhaltung der Reste des Kulturkampfes komme nur den — Juden zu Gute. Jetzt verkündet der Böckel'sche „Reichsherold", die antisemitische Gruppe des Reichstags habe beschlossen, gegen die Aufhebung des Jesuitengesetzes zu stimmen, weil der Jesuitenorden keine Einrichtung der katholischen Kirche sei, weil er dazu diene, Unfrieden zwischen die christlichen Konfessionen zu säen, weil er einen internationalen Charakter habe — hat den die katholische Kirche nicht auch? — und weil die Zulassung der Jesuiten einen neuen Kulturkampf entfachen werde, deffen Früchte nur den — Juden zu Theil werden würden. Nach Herrn Liebermann profitiren die Juden also, wenn die Jesuiten draußen bleiben, nach Böckel und Genossen, wenn sie wieder hereinkommen, eine nette Konfussion in der liebenswürdigen Gesellschaft dieser „nationalen" Apostel, die folgerichtig jetzt einander der Bundesgenossenschaft mit den Juden beschuldigen müssen. (Franks. Ztg.) Aus der Provinz Posen. Dieser Tage wurde mir von befreundeter Seite die Nr. 50 der vornehmen „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" zugeschickt, in welcher die in derselben abgedruckte Novelle, „Der sterbende Musikant" von E. Birnbaum (aus der Sammlung jüdischer Novellen im Jargon von Leon Peritz) roth angestrichen war und also meine besondere Aufmerksamkeit auf dieselbe lenken sollte. Und in der That muß diese Novelle bei allen denkenden Juden Entrüstung Hervorrufen. Dieselbe ist an und für sich höchst ungeeignet für ein jüdisches Blatt. Die frivolen Worte „Nein