Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1891)
- Date
- 1891-01-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448125--31347-2479143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
■toisitdv.-aJUM 27 genügenden finanziellen Resultates: viel rentabler gestalteten sich schon die Verhältnisse, als man nach dein Vorgänge von Liebig Fleisch in Extractsorm anssiihrte und sind die groszartigen Installationen der Liebigsgesellschast in Frag BcittoS (Urngnan), von Kemmerich in Santa Elena und von Nelson in (^pdcta in der ganzen Welt bekannt. Ein noch neueres Verfahren besteht darin, die Thiere zu schlachten und nach Heransnahmc der Weichtheile in gefrorenem Zustande in ^eigens dafür eonstrnirtcn Schiffen zu verladen < Fabrik in San Nicolas». Die Hanptqnelle des Reichthnms von Argentinien, welche auch nicht so bald versiegen dürste, bildet der Erport von Weizen, Mais und anderen Landesprodncten, ferner von Häuten und Wolle. Diese sich jährlich steigernde und auch steigcrnngssähige Prodnetionskrast des Landes erklärt auch die berechtigte Hoffnung fast Aller, die dort gelebt haben, daß das Land in nicht ferner Zeit und ans sich selbst heraus im Stande sein werde, die augenblickliche schwere Krisis zu überwinden und zn neuer Blüthe zn gelangen. - Trotz dieser momentanen mißlichen Lage ist der Luxus dort noch ein ganz unvcrhältnißmäßig großer und muß man die Reihe von eleganten Eauipagen, welche tagtäglich in der künstlich angelegten Regolctta lind in den herrlichen mit elcctrischer Beleuchtung versehenen Parkanlagen Palermo mit ihren brillantengeschmiickten Senoras Eorsv halten, gesehen haben, um nicht an die von den Zeitungen gemeldete Nokl» daselbst zn glauben. An wirklichem Kunstsinne fehlt es wie bei jedem dcrEnltnr neu erschlossenen Lande entschieden, trotzdem giebt man für die zahlreichen Theater große Summen ans und haben Sarah Bernhardt und Patti, Rossi und Damagno dort ihre Rechnung gesunden. 'Noch mehr Geld freilich wird ansgegeben bei den wöchentlichen Rennen, bei dem von den Spaniern eingesührtcn Pelotas-Spicl, bei den Regatten und namentlich in Börsenspeculationen, an denen ach in Anbetracht des schwankenden Gvldcimes auch die sonst dem Börsentreiben fernstehenden kreise bctheiligen. Stierkämpse jedoch sind verboten, um n it den eivilisirten Landern gleichen Schritt zn halten: doch reist man ihretwegen in Massen nach Montevideo. — Vor dem Fremden, dem sogenannten „(^ringo", hat der Argentinier, nanientlich der in der Hauptstadt geborene, den man „Porteno" nennt, nur einen geringen Respect, ist dagegen für seine eigene Nationalität von einem unglaublichen, phrasenreichcn Stolze erfüllt. Einen wirklichen Antisemitismus, wie er hier zn Tage tritt, kennt man dort mit Ausnahme von einige»: deutschen reisen gar nicht, und wenngleich inan ähnlich dem französischen „juis" eine niedrige Handlung als „jndia" bezeichnet, so verhindert die semitische Abknntt keineswegs den Zutritt zu staatlich oder gesellschaftlich bedeutender Stellung. Wie wenig mau die Inden, wie dies bei ihrer geringen Anzahl auch selbstverständlich, dort kennt, geht schon daraus hervor, daß man die vielen großen deutschen durchaus christlichen Häuser, denen man hauptsächlich die specnlative Erhöhung des Goldagios znschrieb, als bangneros p nsnreros jndios alemancsjüdisch-deutsche Wucherer täglich angriff. Die herrschende Religion ist die katholische, doch ist der Argentinier, namentlich der großen Städte, weit entfernt, den (5nltns derselben so zn pflegen »vie dies etwa in Brasilien der Fall ist, und überläßt die Frömmigkeit meist seiner Frau. Ja gerade diesen Mangel an religiösem Fanatismus hebt derselbe als Gegensatz zn den Brasilianern und zn den Spaniern zn seinem Stolze hervor und betrachtet deßhalb diese Nationalitäten mit einer besonderen Geringschätzung. — Was die Bodenverhältnisse in Argentinien anbetrifft, so möchte ich zunächst daraus hinivciscn, daß die Sicherheit des persönlichen Besitzthnms trotz aller Revolutionen und trotz aller politischen Umwälzung vollständig geschützt ist ebenso wie in jedem europäischen Rechtsstaat, nitb werde ich mich hierüber, sowie-über die Aussichten der jüdischen Eolonisten in dem genannten Lande in einer der nächsten Rntnmern Ihres geschätzten Blattes verbreiten. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 28. Dez. Gestern fand die feierliche Einweihung einer neuen Wohlthätigkeits-Anstalt statt, welche ihre Entstehung der Munificenz des Hauses Ritter v. Gut mann verdankt. In der Feldgasse in Unter-Döbling erhebt sich auf weitem, freiem Platze der prächtige, dreistöckiges Neubau, welchen die Brüder Wilhelm und David Ritter von Gutmann in pietätvoller Ehrung des Andenkens ihrer Eltern zur Versorgung hilfsbedürftiger, israelitischer Waisenmädcheu errichtet haben. Dieses in seiner Einrichtung musterhafte, vom Architekten Max Fleischer erbaute Waisen-Mädchenhaus mit seinen geräumigen, luftigen Sälen und trefflichen Wohnzimmern, seinen Schul- und Kücheneinrichtungen, bietet Raum für 70 bis 80 Kinder, f Das Asyl für elternlose Kinder wurde schon im August 1891 von den Waisenmädchen bezogen. Gestern nachmittags erfolgte die feierliche Einweihung des Hauses in Anwesenheit einer den besten Gesellschaftskreisen angehörigen Versammlung. Die beiden Gründer des Waisenhauses, ferner der Gesammtvorstand des Vereins zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cnltusgemeinde, und verschiedene hohe Persönlichkeiten nahmen an der Einweihnngsfeier theil. Dieselbe wurde durch einen von den vierundvierzig Waisenmädchen des Hauses gesungenen Chor eingeleitet, worauf Prediger Dr. Jellinek die Festrede hielt. In seiner wirkungsvollen Ansprache feierte der Redner die beiden Gründer des Waisenhauses, die Herren v. Gutmann, deren Haus in zehn Tagen das vierzigjährige Jubiläum seines geschäftlichen Bestandes begeht, als unermüdliche Wohlthäter. In einem schönen Bilde verherrlichte der Redner die Humanitären Stiftungen des Hauses Gutmann, welche sich für Waisenmädchen, für Waisenknaben, für junge Männer, die sich zu Lehrern heranbilden, und für Arbeiter als segensreiche Anstalten erweisen. Der Feier, deren offiieller Theil mit der Volkshymne schloß, folgte eine ä