Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1891)
- Date
- 1891-01-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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SS reichliche Vertheilung der Kinder mit nützlichen Geschenken. Die beiden Gründer wurden sodann allseitig zu der neuen Bethätigung ihres Wohlthätigkeitssinnes beglückwünscht. Erwähnt sei noch, daß das neue Mädchenwaisenhaus auch einen Waisenhausfond erhalten wird, der aus Stiftungsplätzen zu je 5000 fl. besteht. Die Gründer des Hauses, Gebrüder v. Gutmann, sind dem Fond als Inhaber von sieben Stiftungsplätzen beigetreten. Wien, 1. Januar. Vorgestern abends fand im Sitzungssaale des israelitischen Bethauscs in der Seitenstettergasse eine Versammlung der Vorstände der israelitischen Cultusgemeinde von Wien und den Vororten statt, in welcher der Präses der israelitischen Cultusgemeinde Wien, Ritter v. Guttm an n, den publicirten Erlaß zur Kenntniß brachte, der die Einverleibung der Vororte-Cultusgemeinden verfügt. Der Versammlung wohnte der Verwaltungsausschuß der Wiener Cultusgemeinde, der Präses der Cultusgemeinde Sechshaus, der Präses der Cultusgemeinde Hernals-Ottakring-Neulerchenfeld und der Präses der Cultusgemeinde Währing bei. Nachdem dieser Erlaß zur Kenntniß genommen worden war, theilte der Vorsitzende mit, daß die neuen Statuten bereits beim Cultusministreium eingereicht sind. An die Neuwahl des Ausschusses werde jedoch vor September oder Oktober 1892 nicht geschritten werden können. Die Vorstände der Vororte-Cultusgemeinden wurden daher ersucht, mit ihre Ausschüssen die Steuern wie in der bisherigen Weise einzuheben, wobei bemerkt wurde, daß weder eine Erhöhung, noch eine Neufatierung vorzukommen habe. Im Januar wird ein Delegirter der Wiener Cultusgemeinde bei den vorortlichen Cultusgemeinden erscheinen und deren Jnventarien und Stiftungen übernehmen. Betreffend die Matrikenführung wurde dem Wunsche der Vororte-Vorstände gemäß beschlossen, vorläufig auf die von diesen beantragte Decentralisirung der Matriken einzugehen. Secretär Dr. Lieben wurde auch beauftragt, in diesem Sinne mit dem Referenten in der Statthalterei, Statthaltereirath Ritter v. Marx, zu conferieren. Auch die Chewra Kadischa hat in gleicher Weise wie bisher zu fungiren, doch werden die Taxen von der Cultusgemeinde Wien behoben. Budapest, 29. Dezember. Die in dem nahe von hier gelegenen Marktflecken Kleinpest lebenden jüdischen Familien haben nun beschlossen, eine Synagoge zu erbauen und hat ihnen das dortige Munic pium den dazu erforderlichen Baugrund ganz unentgeltlich überlassen. Krakau, 23. Dezember. Der Gouvernenr von Wilna ließ sich vor Kurzem einen statistischen Bericht über die im Gouvernement befindlichen Juden erstatten.! Da nach amtlichen Angaben 2000 jüdische Familien I kein Aufenthaltsrecht besaßen, ließ der Gouverneur diesen 2000 Familien die Ausweisungsdekrete mit der Bemerkung übermitteln, daß die Juden gehalten sind, binnen 8 Tagen auszuwandern. Da jedoch mehrere Hundert Familien sofort nach Erhalt des Dekrets auszuwandern begannen, erschien ein zweiter Erlaß, welcher das Verbleiben der Juden bis 1. Januar a. St. anordnet. In dem Erlasse heißt es, die Juden haben vorher der Regierung und den Privaten gegenüber ihren Pflichten nachzukommen, und erst dann haben sie — und zwar unverzüglich — das Land zu verlassen. Stampfen im Preßburger Komitate, 28. Dez. Der hiesige Pächter Joachim Süß, in der Thorawelt auch unter dem Namen Reb Chaijim Süß bekannt, der ob seines Wohlthätigkeitssinnes allgemein geschätzt und geachtet ist, hat der hiesigen Cultusgemeinde folgende Schenkungen gemacht: Ein Haus sammt Aeckern im Werthe von 8000 fl. zur Gründung eines Versorgungshauses, 1000 fl. baar für ein Neschome (Scelen)licht im Tempel, 500 fl. für die Bekleidung armer Kinder, 600 fl. für die Erwähnung seines Namens und den seiner Gattin im Maskir-Neschomosgebet und 5000 fl. für die Aufnahme eines Dajans hier, im Ganzen also 15 000 fl. tontf’3 uv inioa. Mantua, 28. Dezember. Hier ist der seines Pariotismus wegen hochgeehrte jüd. AdvocatCi ro Finzi im vorgerückten Alter gestorben. Derselbe hatte als Freiwilliger Garibaldis kühnen Zug nach Sicilten mitgemacht und nannte er sich daher mit Stolz „einer der Tausend von Marsala". Seiner großen Vaterlandsliebe wegen hatte er auch mehrere Jahre im österreichischen Gefängnisse geschmachtet. Egypten. Kairo, 15. Dezember. Der eben hier eingetroffene katholische Missionär P. Ohrwalder (ein Österreicher), der in Begleitung zweier Nonnen aus der Gefangenschaft des Khalifen Abdullah, des Nachfolgers des Mahdi, in Chartum entflohen ist, berichtet, daß sich in der Gewalt des Tyrannen nebst mehreren Griechen und Italienern auch noch acht Israeliten befinden. Wer weiß, ob je für diese Unglücklichen die Stunde der Erlösung schlagen wird. Vermischtes. Berlin, 28. Dez. Herr Commerzienrath Louis S i m ü n Hot der hiesigen jüdischen Gemeinde 100000 Aik. gespendet zur Errichtung einer Baracke im jüdischen Krankenhause, welche 70 Betten enthalten soll. Odessa, 21. Dez. Herr Dr. L. Pinsker, der hochverdiente Vorsitzende des „Vereins zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Sprien und Palästina", ist heute gestorben.