Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1891)
- Date
- 1891-01-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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26 fdjmalem Trottoir versehen, ba» Pflaster meist holperig und schlecht, doch noch sauber im Verhältnisse zu anderen sudamerikauischeu Städten. Das Ganze machr einen recht monotonen Eindruck, doch ermöglichen die geraden Straßen einen frischen Hnftdnrchzng im heißen Sommer und ihre Enge gewährt etwas schatten gegen die sengenden Sonnenstrahlen. Erst in neuerer Zeit hat man angefangen große, vielstöckige Käufer, mit allem deeorativen Schmuck ausgestattet, zu bauen, die aber gerade der engen Straßen wegen nicht so zur Geltung kommen. Auch die Binnenstädte zeigen fast alle dieselbe sumelrische bauliche Anordnung mit engen Straßen, schmucklosen, einstöckigen und flachen Häusern und nur Haplata, das heute schon ea. 60000 Einwohner zählt, macht mit feinen großartigen Palästen und seinen breiten Avenuen eine rühmende Ausnahme und ist durchweg elekrisch beleuchtet. Tiefe erwähnten kleinen, ein- bis zweistöckigen Hauser von Buenos Apres dienen meistens nur einzelnen Familien als Privatwohnung, haben oft auffällig viele Balcone, enthalten Gas. Wasserleitung, Badeeinrichtungec. und sind durchaus nicht selten mit einem Hnrns in Bezug auf Marmortreppen, Teckendeeorationen, reiche Möbel und Teppiche ansgestattet, der von wenigen Großstädten übertroffen werden dürfte. Auch ist jetzt dorr durch eine englische Eompagnie die Eanalisation bis zu den Vorstädten dnrchgeführt, welche auf die lmgienisehen Verhältnisse außerordentlich bessernd einwirkte. Die Hauptstraße Florida ist ebenso eng wie die übrigen, mit Holzpflaster belegt nnd mit vielen großartigen Hnrusläden ansgestattet; in ihr promenirt in den Nachmittagsstunden die vornehme Welt, und die Stutzer, die sog. Mocosos, bilden Spalier, um über die vorüberziehenden Schönen mehr oder minder ungezogene Bemerkungen zu machen: die Ealle Nivadavia und Piedad sind die Hanpteentren des außerordentlich lebhaften Verkehrs. Durch alle Straßen laufen Tramwans von kleinen aber ausdauernden Pferden gezogen bis zur späten Nacht, und macht das mit lcknhhörnern an jeder Straßenecke gegebene Signal einen recht unmelodischen Eindruck auf's fremde Ohr. Ihr Tarif ist billig, da er in Papier bezahlt wird, während die begnem eingerichteten und nur zwei Elasten führenden Eisenbahnen nur den Goldtarif zulasten. Durch die bauliche Anordnung von Buenos Apres ist eine große Naumverschwenduug eiugetreten und dürste die Stadt dieselbe Ausdehnung wie etwa Berlin haben. Ihre Einwohnerzahl beträgt mehr wie eine halbe Million und wird von nahezu der Hälfte von Fremden gebildet (ea. xoooo Italiener, 40000 Spanier, 23 00000 Franzosen, je 10—12000 Deutsche und Engländer'. Die Zahl der Inden in Buenos Apres schätze ich ans etwa 3000. Auch in den Provinzen spielt das fremde Element auch numerisch eine große Nolle. Die erste Bedeutung in der Handelswelt gebührt den Engländern, deren Kapital auch dort vorwiegend engagirt ist: doch haben auch die Deutschen eine führende Stellung und Häuser wie Matlmann, Bemberg, Thorngnift, Drepfns genießen einen Weltruf. Fast alle diese Firmen beschäftigen sich mit Import, Export, Banktransactionen und Gründung von finanziellen Unternehmungen!Bierbrauerei Ouilmes der Firma Bemberg, großartige Zuckerfabrik von Thorngnift in Tuluman, Holzexport der Firma Drepfns ans dem Ehaeo reff. Was die dortigen Inden betrifft, so nehmen die deutschen und englischen eine fast durchweg recht geachtete Stellung ein, viele allerdings sind mit sogenannten „Hijas del pais" d. h. einheimischen Frauen verheirathet. Auch sonst fließt vielfach in der argentinischen Rare semitisches Blut und sagt man, daß z. B. die meisten Familien Nnnez nnd Mendez von de>i während der Inguisition ans Spanien geflüchteten Inden herstammcn. Die polnischen nnd portugiesischen Inden haften meist noch streng an ihrem Glauben, haben ein kleines Nestanrant, wo koscher gekocht wird, spielen aber eine recht untergeordnete Nolle. Die israelitische Neligionsgesellschaft, deren Rabbiner Herr Josef nnd deren Präsident Herr Simon Kraemer ist, verfügt über einen kleinen Betsaal in der Nähe der Parkanlage Negoletta und wäre von den beiden anderen kleinett Gemeinden (portugiesisch nnd polnisch» vollständig nnd auch soeial geschieden, wenn sie sich nicht mit ihnen in den Besitz eines einzigen Gutes zu theilen hätte, in den Besitz eines Mohels nämlich, der von dem recht geschickten Herrn Ullinann vertreten wird. Derselbe erhält für jede Operation je nach ^rand der teilte eine entsprechende Bezahlung von 10—30 und 100 Pesos sogar: bei armen Renten vollzieht er die Milah unentgeltlich und beschäftigt sich in seinen vielen Mußestunden noch mit dem früher sehr einträglichen Brillantenhandel. Was die niedere Bevölkerung der Hauptstadt anlangt, so wohnt dieselbe meist in hpgienisch recht schlechten Verhältnissen: namentlich Spanier nnd Italiener Hansen in den sog. Eonvenrillos, d. h. in kleinen Zimmern, welche fiel) ans einen langen Gang öffnen, nnd von dort ihr Hicht nnd ihre Hast empfangen, nnd wohnen in solchen einstöckigen, tiefen Häusern nicht selten 13—20 Familien zusammen, tvelche in dem Eorridore noch ihren Puchero «Suppenfleisch mit Mais nnd anderen Beilagen, Heibgericht» nnd ihre Polenta kochen nnd so die Pust noch mit allerlei appetitlichen Dingen füllen. Ans den: platten Hände aber gestalten sich die Dinge noch einfacher, indem die „Gauchos" d. h. die Abkömmlinge der alten Rassen und der zum Gaucho gewordene Fremde entweder in schmalen Strohhiitten Schutz sucht oder bei der andauernd milden Witterung direer im Freien campirt. Die Höhne für die Arbeiter haben sich trotz der enormen Entwerthnng des ausschließlich eirculirendcu Papiergeldes nur wenig gehoben, nnd obwohl bei dem jetzigen Goldagio der Peso, dessen Rominalwerth 4 Mark betragen sollte, kaum mehr als l Mark gilt, so hat der Arbeiter jetzt dort kaum eine größere Bezahlung in Papier zu erwarten als früher, wo das Goldagio nur die Hälfte betrug. Auf der anderen Seite haben gerade diese niedrigen Höhne in Verbindung mit der Erhöhung des Schutzzolles eine Reihe ganz bedeutender Jndnstrieen in's Heben gerufen, die eine recht profperirende Zukunft voraussehen lassen, so haben wir dort großartige Gerbereien, Hut,-Wagen,- Tabaknnd Oclfabriken ic. und wird mit dem Exporte von Fleisch nach den bis jetzt möglichen Methoden ein großer Handel getrieben. Zunächst hat man versucht, den Reichthum des Hundes an lebendem Viehe direct zu verwenden, indem man die Thicre einfach nach Europa transportirte, gab jedoch das bald ans wegen des mt*