Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1891)
- Date
- 1891-01-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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24 Schwager Perlberg nichts hören, er besteht darauf, daß Jakob im väterlichen Geschäfte bleibe und einst dieses, nicht meines, sortführe. Ich weiß, daß mein Schwager ein blühendes Geschäft besitzt, doch glaube ich, daß das meinige in mehrfachen Beziehungen ein viel besseres ist, und Jakob — der ja nicht beide übernehmen kann — klüger daran thäte, das meinige und nicht das seines Vaters zu wählen; allein ich bin ein verträglicher Mensch,^der mit Niemanden, am allerwenigsten mit seinen nächsten Verwandten und besten Freunden, Streit haben will, ich habe nachgegeben, Jakob wird, so Gott will, nicht mein Geschäft, sondern jenes seines Vaters fortführen, und nun wäre ich bet dem^Zwecke meiner Unterredung mit Dir angelangt. „Ich habe Dir schon gesagt, ich wünsche, daß mein blühendes Geschäft nach meinem Ableben weder aufgelöst werden, noch in fremde Hände gelangen soll, ich will's meiner Familie erhalten wissen. Wenn ich es also nicht meinem Schwiegersöhne, dem Sohne meiner lieben Schwester Hanna hinterlassen kann, sollst Du, lieber Philipp, der Sohn meiner zweiten, mir unvergeßlichen, in Gott ruhenden Schwester, Besitzer desselben werden. Ich liebe meine beiden Schwestern und möchte deren Söhne recht glücklich machen. Jakob bekommt meine schöne, anmuthige Tochter und mein Vermögen, warum sollst nicht auch Du ein dauerndes Geschenk von Deiner Mutter Bruder erhalten? Mein Vermögen muß ich allerdings ungeschmälert meiner Tochter hinterlassen, sie ist mein Kind und das Stammvermögen rührt von dem Vater ihrer Mutter her; — allein wenn Du Dich einige Jahre in meinem Comptoir eingearbeitet haben und als mein Geschäftsnachfolger bekannt sein wirst, kann es Dir bei Deiner Bildung und Deinem gefälligen Aeußern nicht an einer Braut fehlen, die nebst andern vortrefflichen Eigenschaften auch einen Vater besitzen wird, der das Vermögen und den Willen hat, einen solchen Eidam nach Gebühr auch dadurch zu schätzen, daß er seiner Tochter eine entsprechende Mitgift gibt, welche Dir die Mittel bietet, mein Geschäft zu übernehmen und zu führen." Onkel Josef lächelte in seiner liebenswürdigen Weise, ich aber war von seiner Herzensgüte so hingerissen, daß ich seine Hand ergriff, sie inbrünstig an meine Lippen führte und gerührt sprach: „Onkel, ich nehme dankerfüllt Deinen gütevollen Antrag an, ich will in Dein Geschäft treten und will Dir treu dienen mit all' meinem geringen Können und Vermögen; — und, Onkel, auch das will ich Dir sagen, Du sollst durch Dein Wort nicht gebunden sein; — wenn Du findest, daß ich nicht die nöthige Eignung zu einem tüchtigen Kaufmanne besitze, oder Gründe anderer Art Dein mir gegebenes Versprechen Dich bedauern lassen, bist Du ganz frei in Deiner Entschließung und ich will Deiner Zusage ganz vergessen!" „Ich bin überzeugt," hatte Onkel Josef bewegt geantwortet, „daß Deine Worte aufrichtig gemeint sind; — Du bist ein Prachtkerl, ein echter, rechter Zweig des Stammes Mandelbaum .... also abgemacht, morgen trittst Du, so Gott will, in mein Geschäft, masel tow!" „Da mußt Du Dich wohl unendlich glücklich gefühlt haben, nicht wahr?" meinte Therese. „Nein!" erwiderte Speier zu ihrer nicht geringen Verwunderung. „Weßhalb, Du unersättliches Väterchen?" rief Therese lachend. „Wenn ich Dir's aufrichtig sagen soll, gefällt mir das gar nicht von Dir! Du hättest ganz zufrieden und glücklich sein sollen!" und dabet hob das anmuthige Mädchen, als wolle sie dadurch den Tadel verschärfen, den schlanken Zeigefinger drohend in die Höhe. (Fortsetzung folgt.) „3*t<wUt* und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedermal in mindestens s Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel besiehe» bei E. /. St rinacker, Leipsig, Uoßpiatz 18. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einpsiende«. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Der Herr Regierungs-Präsident von Coblenz. Die heiligen Genossenschaften für Gemilluth Chassodim. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Briefen, W.-Pr. Trier. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — Rumänien: Bukarest. — Feuilleton: Das Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohn (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitende Artikel: Des Propheten Habakuk Weissagung. Von Jsaac Hirsch (Fortsetzung). — Ein Citat aus Rabbi Saadia Hagaons arab. Bibelinterpretation. Von Dr. I. Schwarzstein. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Aus der Provinz Posen. Aus Sachsen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.