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Der Israelit · 1891-01-05 · Heft 2 (5.1.1891) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 2 (5.1.1891)
Date
1891-01-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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22 Zettel bei der Wahlcommission des zweiten Bezirkes abzugeben. Herrn Trebitsch war, wie sich nachher ergeben hat, seine Legitimation nicht zngestellt worden, sie gelangte jedoch auf eine mysteriöse Weise in das antisemitische Agitations-Lokal. Herr Trebitsch batte sich um die Sache nicht gekümmert; am Wahltage jedoch war in ihn gedrungen worden, daß er sein Wahlrecht ausübe, er hatte deßhalb in Begleitung von Agnoscirungszeugen uni die Ausstellung einer Legitimation angesucht und sodann seine Stimme abgegeben. Als nun Vielweber sich einfand, um unter dem falschen Namen Trebitsch zu wählen, fand man, daß Trebitsch schon von seinem Wahlrechte Gebrauch gemacht habe, und die Absicht Vielweber's war vereitelt. Staatsanwalt v. Soas bemerkte in der Verhandlung gegen den Angeklagten, es sei tief zu bedauern, daß die eigentlichen Faiseure dieser Actionen nie ausfindig zu machen sind, so daß nur diejenigen, die zuletzt auf die Scene treten, das Bad ausgießen müssen. Die eigentlichen Schuldigen ziehen es vor, vom Schauplatze zu verschwinden; dies sei vielleicht ein Milderungsgrund für sämmtliche Angeklagten. Vielweber wurde zu acht Tagen strengen Arrests verurtheilt. In dem letzten Falle hatte der Nähmaschinen- Agent Johann Luksch mit einer Legitimation des Gastwirthes Georg Brüll einen liberalen Stimmzettel in der Leopoldstadt abgeben wollen. Dieser Angeklagte hatte jedoch die Legitimation von dem Besitzer selbst empfangen. Herr Georg Brüll ist ein Mann von großem Phlegma. Sein Wahlrecht auszuüben, fiel ihm nicht ein, wie stark auch um ihn her das Wahlfieber herrschte. Als nun Luksch bei ihm erschien, um ihn einzuladen, daß er wählen gehe, lehnte er dies ab, erklärte sich jedoch auf Wunsch des Besuchers bereit, ihm seine Legitimation mit einem unausgefüllten Stimmzettel zu übergeben. Als Luksch fragte, ob der Wirth denn nicht auch ausgefüllte Stimmzettel zugesendet erhalten habe, sah er nach und fand einen, welcher die antisemitischen (Kandidaten enthielt. Er folgte nun auch diesen Zettel dem Agenten aus; es war ihm vollständig gleichgiltig, was geschehe. Luksch machte nun den Versuch, mit Hilfe der Legitimation einen liberalen Stimmzettel abzugeben. Der Gerichtshof verhängte über ihn gleichfalls acht Tage strengen Arrests. Wien, 29. Dez. Die gegen den früheren Chefredakteur der slavisch-antisemitischen „Tagespost", Spiridion Gopcevics, auf Grund der Denunciation eines Mitarbeiters erhobene Untersuchung wegen Majestätsbeleidignng wurde durch einen kaiserlichen Gnadenakt eingestellt. Frankreich. Paris. (Monatsbericht der „All. Jsr. Univ.") (November). (Mission in der argentinischen Republik). Im Monat Oetober entsandte Herr Baron Hirsch drei Vertrauensmänner nach der argentinischen Republik, mit dem Aufträge, sich dort und den umliegenden Ländern nach guten Terrains umzusehen, woselbst sich succesive israel. Auswanderer aus Rußland niederlassen könnten, hauptsächlich Ackerbauer oder Handwerker. Die Mission soll sich gründlich über das Land informiren und die Mittel ausfindig machen, um die Absichten des großmüthigen Philantropen zu verwirklichen. Man vermuthet, daß dieses Studium zwischen 6 und 12 Monaten dauern wird. Wenn es die erwarteten Resultate gibt, beabsichtigt Herr Baron Hirsch damit zu beginnen, daß er einer sehr kleinen Anzahl von Familien gestattet, sich auf Ländereien niederzulassen, die er ihnen leihweise überläßt; er ist entschlossen, diese coloniale Bevölkerung nur allmählich anwachsen zu lassen in kleinen Abtheilungen, damit ein jeder durch die Erfahrungen der früheren Abtheilungen lerne. Es ist leicht zu ersehen, daß noch viel Zeit dazu gehört, ehe man nur daran denken könne, das Werk des Herrn Baron von Hirsch zu organisiren, wenn dies überhaupt in der Möglichkeit liegt. Bis jetzt ist es nur ein Projekt. (Israeliten der Türkei.) Nachdem die Cholera über ganz Mesopotamien gewüthet, brach dieselbe vor einigen Wochen in Aleppo, im Norden Syriens aus. Nach den Mirtheilungen, welche ans dieser Stadt dem Central-Comite zugegangen sind, wurden alle geschäftlichen Unternehmungen unterbrochen, und das Elend der israel. Bevölkerung war ein erschreckendes. Die Notablen der Gemeinde haben große Anstrengungen gemacht, um die armen Familien und die Bedürftigen, die der Krankheit zum Opfer gefallen, zu unterstützen, aber sie konnten allen Anforderungen nicht genügen. Das Central- Comitö sandte sogleich 3000 Frcs. zur Vertheilung unter die Armen von Aleppo. Das Central-Comitö hat aus Beyruth und Caifa Mittheilungen erhalten, die von dem Gerechtigkeitssinn Zeugniß oblegen, der die Beamten S. M. des Sultans gegenüber den Israeliten beseelt. Sie lauten: Während der Sukkoth-Halbfeiertage, beerdigte die israelitische Gemeinde von Beyreuth einen ihrer Notablen. Der Leichenzug kreuzte auf seinem Wege einen christlichen Kutscher, der trotz der freundlichen Vorstellungen, die ihm gemacht wurden, den Zug zu stören suchte. Einige junge Israeliten versuchten

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