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Der Israelit · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5 und seine Dienstmagd. Der verrufene Moriz Scharf heißt diesmal Moses Giltst ein, ist 13 Jahre alt und bei Prenninger bedienstet. Der Knabe ist von kleiner, schmächtiger Figur und blaßgelber Gesichtsfarbe, hat grüne, zwinkernde Aeuglein und ein freches Wesen. Die wahren Thäter sind die Bauern Wasyl Wow ka und Iwan Hryk. Diese waren mit noch anderen vier Bauern am 21. Juui l. I. im obgenannten Wirthshause und tranken. Ersterer lockte den Fedko Czerniec am Abende jenes Tages in die Schänke, fing mit ihm Händel an, und als derselbe hinausging, schlugen sie ihn so lange, bis sie ihm die Rippen zerbrachen, woruf sie ihn so vor dem Wirthshause liegen ließen. Prenninger hörte, vom ersten Schlafe erwacht, ächzen, ging hinaus und fand den halbtodten Czerniec. Er lief sogleich zu der 90 Schritt von der Karczma entfernten Hütte des Czerniec, weckte dessen Frau und Sohn auf, und alle Drei trugen den zerschlagenen Czerniec nach Hause, wo dieser auf die Frage der Frau, wer ihn so zugerichtet habe, sterbend das Wort „Alle" hervorbrachte und bald darauf den Geist aufgab. Die Bauern, Wirth, Wirthin, Tochter und Magd wurden gefänglich eingezogen. Am 13. Juli d. I. stellte sich der oben genannte Knabe Moses Guttftein unberufen dem Gerichte und deponirte Folgendes: Nachdem er aus dem Dienste des Prenninger trat, drängte ihn das Gewissen zum wahren Geständnisse: Er hörte am 21. v. M., als er draußen am Fenster stand, wie Prenilinger seine Fran um Rath fragte, auf welche Art man des Wächters Czerniec loswerden könne. Diese rieth ihm, sich zu Wasyl Wowka zu begeben und ihm etwas zu stecken, damit er den Wächter tödte. Als dieser Abends kam, standen Beide, Prenninger und Wowka, im Vorhause, und er (Guttftein) stand hinter dem Schranke und hörte ihre Abrede zum Morde. Die Frau Prenninger riech dann, Czerniec im Zimmer zu ermorden. Als nun der Wächter ins Zimmer trat, zogen ihm die Verschworenen die Kleider vom Leibe, Wowka riß ein Brett vom Tische und versetze ihm damit einen Hieb in die rechte Schläfe, Czerniec fiel zur Erde, und Wowka zog ihm die Zunge aus dem Rachen. Prenninger setzte sich ihm uns den Kopf und schlug ihn mit einem spitzen Steine auf die Brust, dann auf den Bauch und würgte ihn mit der linken Hand — und die anderen Bauern'schlugen'mit Fäusten auf die Rippen. Dann zogen die Frau und Tochter" des Prenninger die Leiche wieder an, wobei die Magd mit dem Lichte in der Hand leuchtete. Hierauf trugen ihn Alle vor das Wirthshaus hinaus. Diese Angabe wiederholte Gutstein bei der Verhandlung so dreist und stand allen Kreuz- und Querfragen so fest gegenüber, daß man schier an seinen Aussagen nicht zweifeln durfte. Die Verhandlung aber brachte andere Resultate zu Tage, und durch das Votum der Geschwornen wurde die Familie Prenninger freigesprochen, dagegen die Bauern Wasyl Wowka und Iwan Hryk des Verbrechens des Todtschlaqes für schuldig erkannt, Ersterer zu vierthalb Jahren und Letzterer zu zwei Jahren schweren Kerkers verurtheilt. Rußland. Petersburg, 19. Dez. Rußland hat gestern einen großen Verlust erlitten. Der berühmteste aller zeitgenössischen russischen Belletristen, der Verfasser vieler bedeutender historischer Romane, die weit über die Grenzen Rußlands mit warmer Sympathie begrüßt wurden, Grigorji D a n i l c w s k i, der Chefredacteur des offiziellen Organs der Regierung, „Prawitelstwennij Wjeftnik", starb gestern nach kurzer, aber schwerer Krankheit. Er war einer der liebenswürdigsten und humansten Menschen, die ich gekannt, ein vorurtheilsfreier, aufgeklärter Mann, ein energischer Bekämpfer des leider bei uns immer mehr Oberhand nehmenden Antisemitismus, ein eifriger Beschützer der Juden und deren menschlichen Rechte. Der Verstorbene theilte mir noch vor Kurzem, bald nach seiner Rückkehr aus dem Süden Frankreichs, wo er Erleichterung eines unheilbaren Leidens (Gallenstein) gesucht, mit, daß er ein Werk zu schreiben beabsichtige, in welchem er als Verfechter der mit Füßen getretenen Menschenrechte aufzutreten gedenke und im Namen des ChristenthumS und der Humanität zu Gunsten eines Volksstammes zu sprechen, der im Lause von fast zwei Jahrtausenden als Sündenbock der menschlichen Geschlechter gedient: ^„Die Martyrologie des Judenthums", sagte mir Danilewski, „ist eine der wunderbarsten Erscheinungen der Geschichte und bietet ein reichhaltiges Material für die schöpferische Phantasie. Ich gedenke eine Reihe historischer Erzählungen zu schreiben, in welchen die Juden Kleinrußlands, Polens und Lithaucns eine hervorragende Rolle spielen, und ich hoffe, daß diese Serie literarischer Produktionen einigen Einfluß aus die Milderung der bis aufs Aeußerfte getriebenen Judenverfolgung in Rußland haben wird." Leider war es meinem berühmten Freunde nicht vergönnt, diese seine Idee auszuführen, ebenso wie sein neuester Roman unvollendet geblieben, in welchem als Hauptfigur die düstere Gestalt des Zarewitsch Alexis, einzigen Sohn Peters des Großen auftritt. Der Verstorbene hinterläßt sehr interessante Memoiren, die eine 40jährige denkwürdige Epoche umfassen. Da Da- ° uilewski im Laufe dieser vier Deceunicn mit den

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