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Der Israelit · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 noch die Notwendigkeit derselben unklar geblieben sein sollte, dem müssen es die Manifestationen, zu welchen sich die Gefolgschaft desselben an seinem Geburtsrag vereinigt hat, doch klar gemacht haben. Trotz aller Phrasen, die bestimmt gewesen sind, dies zu verhüllen, haben dieselben einen geradezu gefährlich demagogischen Charakter angenommen und an den Tag gebracht, daß Herr Stöcker zunr Kryftalisationspunkt aller Bestrebungen geworden ist, welche gegen eine ruhige, den Frieden im Staate zum Ziele nehmende Entwicklung ankämpfen. Der Prolog-Redner hat sein Pathos selbst unmittelbar gegen den königlichen Akt gerichtet, welcher Herrn Stöcker aus dem Amte entfernt hat, dem Gefeierten wird versichert, das; „Mäuuerlicbe selbst Kronen überglänzt". ... Es war wahrlich die höchste Zeit, daß die Krone unmißverständlich zu erkennen gegeben hat, daß sie mit diesen! Demagogenthum keine Gemeinschaft haben will. Kaiser Wilhelm hat vor einigen Tagen den Landgerichtsrath Sitten zum Ober-Landcsgerichtsrath ernannt. Die „Frankfurter Zeitung" hatte behauptet, Sittels, der Jude ist, sei unmittelbar vor seiner Beförderung zum christlichen Glauben nbergetreterr. Dein gegenüber erklären die „Freisinnige Zeitung" und die „Vossische Zeitung", daß Sitten seine Religion nicht gewechselt hat und daß er demnach der erste preußische Ober- Landesgerichts: alh israelitischer Eonfession i?t. Gleiwitz. Dem ersten Jahresbericht über die Israelitische Kinderhcilstätte im Soolbade Königsdorf.Jaftrzemb (Verwaltung zn Gleiwitz) entnehmen wir: In den lustigen und freundlichen Räumen einer zunächst pachtweise übernommenen Billa, die, von einem großen Garten umgeben, unmittelbar am Kurpark liegt, wurde am I. Juni 1890 die israelitische Kindcrheilstätte eröffnet. Die Bearbeitung und Erledigung der laufenden Geschäfte hatte das Comitö, welches die Bezeichnung „Verwaltung der israelitischen Kinderhcilfirttic im Soolbade Konigsdorff-Jastrzemb " angenommen hatte, den Herren Dr. Münz, Fracukl und Hahn übertragen. Die ärztliche Leitung wurde den bewährten Händen des Badearztes Herrn Dr. K a r f u n k e l in Jastrzcmb anvcrtraut. Derselbe hat in Liebe sind Opferfrendigkcit seine Aufgabe erfüllt. Tie erziehliche Aufsicht und Pflege der .Kinder wurde einer gewissenhaften, dazu befähigten jüdischen Dame übergeben und derselben weiteres Hilfspersonal zur B-.rfngnng gestellt. Die Bcrpflegungsfrugc wurde nach ärztlicher Vorschrift sorgfältig geordnet. Die Bade-Direktion zu Jastrzcmb, die dem Unternehmen freundlich gcgenübcrftand, hatte Bäder und andere Kurmittel zu ermäßigten Preisen gewährt. Besondere Förderung erwuchs der jungen Anstalt durch eine auf Ersuchen an sie ergangene Verfügung der Königlichen Eisenbahn - Direktion zu Breslau, wonach seitens der preußischen Staatscisenbahncn die Beförderung der in die Jastrzember israelitische Kinderheilstätte anfgenommenen .Kinder der ärmeren Volksklasseu und deren Begleiter auf der Hin- und Rückfahrt in der dritten Wageuklasse aller Züge zum Militärfahrprcis erfolgt. Wenn auch bei der Eröffnung der Heilstätte ein Bestand von 8 Betten in Aussicht genommen war. so sah sich doch in Folge der sehr zahlreich cinlaufendcn Aufnahmegcsuchc die Verwaltung veranlaßt, noch 2 Betten hinzu zufügen, so daß in den Monaten Juli und August durchschnittlich 10 Betten belegt waren. Jnsgesammt hat die Anstalt 28 Kinder (9 Knaben und 19 Mädchen) ans den verschiedensten Ortschaften in drei aufeinander folgenden Serien beherbergt. Von denselben wurden 9 ganz unentgeltlich, 1.1 gegen einen je nach den Verhältnissen bemessenen, sehr mäßigen Zuschuß, 8 gegen Zahlung eines Satzes, der den Selbstkosten nahe kam, ausgenommen. Die Kurzeit der Pfleglinge betrug in der Regel 4 volle Wochen, wobei der Tag der Ankunft und der Abreise nicht miigezählt wurde; bei einzelnen wurde dieselbe bis zu 6 Wochen verlängert. Jedem Kinde ist Wohnung, volle Verpflegung, erziehliche Aufsicht, Bäder und andere Kurmittel bezw. Arzeneien zu Theil geworden. Die Zahl sämmtUcher Verpfleguugstage in der Anstalt belief sich auf 972. Ein günstiger Heilerfolg war fast bei allen Kindern zur Beobachtung gelangt. Die einen bestätigten denselben durch eine Gewichtszunahme selbst bis zu acht Pfund, die anderen mit einem wesentlichen Rückgänge der Krankheitserscheinungen. Während der ganzen Dauer des Aufenthaltes der Kinder im Bade war auch nicht bei einem derselben eine erhebliche akute Erkrankung vorgekommen, die wenigen cingetreteuen Störungen bedurften nur einer kurzen vorübergehenden Behandlung. O c st e r r. Ungar. M o n a r ch i c. Tarnopol, 19. December. Ein Fall, der ein wenig an die Tisza-Eszlarer Affaire erinnert, spielte sich im hiesigen Gerichtssaale durch vier Tage ab. Ter Ermordete heißt Fedko Czerniec und war Straßenwächter in Dereniowce, die in böswilliger Weise durch einen jüdischen Knaben Angeklagten sind der Wirth der Dorfschänke „Roskorze“, Abraham P renninge r, seine Frau, seine Tochter

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