Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448124--31322-2479117
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3 auf, bei der bevorstehenden Präsidentenwahl Herrn Dr. Goldmann wegen seiner Haltung gegenüber den Antisemiten nicht wieder zu wählen. Zufällig brachte fast zu gleicher Zeit ein hessisches Blatt unter dem Ausdruck des Bedauerns die Mittheilung, daß Herr Geheimerath Goldmann eine etwaige Wiederwahl ablehnen werde. Die Vermuthung lag nahe, daß nunmehr bte Antisemiten die Handlungsweise des Herrn Dr. Goldmann dahin auslegen und ausbeuten würden, als wenn derselbe dem allgemeinen Unwillen weiche, und in der That meldete Dr. Böckel in der Nummer vom 11. November seines „Reichsherolds" mit fetter Schrift triumphirend: „Goldmann gestürzt. Wir forderten neulich auf, den Herrn Dr. Goldmann, den Verfasser des bekannten Erlasses des Oberkonsiftoriums, nicht mehr zum Präsidenten des Landwirthschaftlichen Vereins zu wählen. Sein Schicksal hat ihn schon ereilt, er hat bereits seine Entlassung eingereicht." Gestern fand nunmehr die statutengemäße Generalversammlung des genannten Vereins unter einer außerordentlich zahlreichen Betheiligung der angesehensten Landwirthe der Provinz dahier statt. Als zur Präsidentenwahl geschritten werden sollte, wurde aus der Versammlung vorgeschlagen, das bisherige Präsidium einfach per Akklamation wiederzuwählen, Herr Präsident Goldmann bat aber selbst, von diesem Modus abzusehen und durch Zettelabgabe abzustimmen. Das Resultat dieser Wahl, bei der in Folge der geheimen Abstimmung auch jeder Schein einer Beeinflussung wegfiel, war, daß Herr Geh. Rath Goldmann einstimmig zum ersten Präsidenten wiedergewählt wurde, indem sämmiliche abgegebenen Zettel auf seinen Namen lauteten. Der Gewählte sprach für diesen erneuten Ausdruck des ihm dargebrachten Vertrauens seinen warmen Dank aus und erklärte, daß es zwar, wie bekannt, schon lange seine Absicht gewesen, eine etwaige Wiederwahl abzulehnen, daß er aber in Folge einer bekannten Agitation in der Presse zur Vermeidung falscher Deutung von seinem Entschluß zurückgekommen und nochmals die Wahl annehme. Wir sind gespannt, bemerkt treffend das „Verl. Tagebl.", was Dr. Böckel zu dem für ihn ein jämmerliches Fiasko bedeutenden Ausgang der Wiederwahl des Herrn Dr. Goldmann sagen wird? Den Juden kann er denselben sicher nicht auf's Konto schreiben, denn es war in der Versammlung auch nicht ein einziger Jude anwesend Diese einmüthige Verurtheilung seiner wüsten Hetzerei durch eine zahlreiche, nur aus angesehenen und unabhängigen Männern bestehende Versammlung ist gewiß ein erfreulicher Beweis, daß seine Agitation bei den intelligenten Landwirthen keinen Boden fand. Offenbach. Der Obmann des hessischen Landeslehrervereins hat sich jüngst in einer Lehrerconferenz gegen den Antisemitismus ausgesprochen. Seine Schlußworte lauteten: „Und gerade wir Lehrer, denen die Erziehung der Jugend zur Nächstenliebe, Duldsamkeit und Friedfertigkeit gegen Jedermann obliegt, sollten uns gewiß nicht von solchen falschen Bestrebungen irre leiten lassen, in welcher Form sie auch an uns herantreten." Berlin, 22. D zember. In der gestrigen Sitzung der Repräsentanten-Versammlung der jüd. Gemeinde wurde mitgetheilt, daß Herr Heimann Simon der Gemeinde eine Stiftung von 17,000 Mark letztwillig zugewendet hat. — Für das Erziehungshaus in Pankow, welches seit dem 1. October d. I. in den Besitz der jüdischen Gemeinde übergegangen ist, wurde unter Genehmigung des vom Vorstand entworfenen Reglements ein jährlicher Zuschuß von 27,000 Mark auf drei Jahre bewilligt. Berlin, 22. Dezember. In Hamburg werden 30,000 russische Juden erwartet, zu deren Beförderung nach Brasilien sich ein konnte gebildet hat. Berlin, 23. Dezember. Hervorragende Männer unter Führung von Gneist haben den „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" gegründet. Der Verein fordert die Männer aller Parteien auf, angesichts der täglich wachsenden antisemitischen Agitation und der massenhaften Verbreitung antisemitischer Schriften, namentlich in ländlichen Bezirken, sich zur Abwehr in Wort und Schrift zusammenzuthun. Berlin, 23. Dezember. Antisemitische Blätter kolportirten vor Kurzem einen Schmähartikel gegen Kaiser Friedrich. Jetzt behauptet die „Staatsbürgerztg.".- daß man von Antisemitenblätter spreche, sei eine Lüge; „es handelt sich offenbar um einige partiknlaristische Blätter, die von den Judenblältern je nach Bedarf zu antisemitischen Blättern gestempelt werden". Dem gegenüber konstatirt das „B. T.", daß das Pamphlet u. A. in der „Antisemitischen Korrespondenz", in dem antisemitischen „Leipziger Tagesanzeiger" und in dem „Bürger- und Bauernfreund" in Flosheim abgedruckt ist. Das sind aber nicht partikularistische Blätter, sondern antisemitische Licbermann v. Sonnenberg'scher Richtung, d. h. derjenigen Richtung, welche sich mit ihrer Königstreue gar nicht laut genug brüsten kann. Berlin. Unter dem Titel „Aus der preußischen Landeskirche" spricht sich jetzt die Protestanten- Vereins-Correspondenz über die Gründe derEntlaffung Stöcker's und das Regiment der preußischen Landeskirche aus. Zur Entlassung Stöcker's schreibt die genannte Korrespondenz: Es mag mit den Gründen der Entlassung des Hofpredigers Stöcker stehen, wie es wolle, wem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.