Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 102 (29.12.1890)
- Date
- 1890-12-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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1841 bleibt nichts anderes übrig, als sie durch alle Mittel der Moral und ihrer eigenen Religon zu sittlich guten Menschen zu bilden, zu treuen Unterthanen, zu echten Preußen. In solchem Volksrhum, das keine Sonderung zuläßt, folgt dann die Verschmelzung aller Nationalitäten und aller Konfessionen von selbst. Es giebt keinen besseren Lehrmeister als die Zeit. Wer ihr widerstrebt, geht unter; oder es geschieht obne ihn, was geschehen mutz." So dachte „der berühmte" Theodor v. Hippel, der Verfasser des Aufrufs: „An mein Volk" vor 50 Jahren, als Preußen noch absoluter Staat war und;bte Juden unter harten Ausnahmegesetzen zu leiden hatten, über die Pflichten des Staates gegenüber unseren jüdischen Mitbürgern. Lebte er unter uns, er würde in den Reihen derjenigen nicht fehlen, welche die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden auch in der Praxis durchgeführt wissen wollen. Seine Denkschrift ist ein Mahnruf an uns Alle, daß mit dem Antisenlitismus bald ein Ende gemacht werden muß. Das wird geschehen, wenn Alle,^ die dazu verpflichtetsind, ihre Schuldigkeit thun. München. Hier starb hochbetagt Frau Hanna Rothschild, eine strengreligiöse Frau; ihr war der „Israelit" seit seinem Bestehen die liebste und stete Lektüre. Der; Lebenswandel ihrer Kinder zeugt von der trefflichen Erziehung, welche sie ihnen angedeihen ließ. Holland. Amsterdam. Nach dem Ableben des Königs Wilhelm III. hat der Rath der Niederländischen jüdischen Gemeinde direkt vom Justizminisrer eine offizielle Notification vom Tode des Landesfürsten erhalten. Frankreich. Paris. Das Haus Rothschild hat der Mietheunterftützungskasse 100,000 Frcs. zugeschickt. Feu i l l e t o n. Ein Seitenstück zu den Weiöern von Weinsöerg. Eine wahre Geschichte aus dem 3. Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Sie war sehr schön, Täubchen, aber auch sehr leichtgläubig und dazu auch etwas leichtsinnig; wenigstens in ihrer Jugend. Und .jung - war sie, noch sehr jung, als der schöne Wolf um ihre Hand anhielt. — Er war aus einem benachbarten kleinen Städtchen und in R., ihrem elterlichen Hause gegenüber, 2 Jahre lang in der Kaserne bet den Jägern gelegen. Er war jeden Sabbat und Festtag ständiger Gast bei ihren Eltern gewesen, und gar oft war auf Täubchens Betreiben ihm auch an Wochentagen etwas auf seine „Stube" gebracht worden. Die Eltern freuten sich über Täubchens gefühlvolles, mitleidiges Herz und ahnten nicht, daß außer dem Mitleid auch eine damals noch unbewußte Neigung an der Fürsprache Theil hatte. Die Eltern hielten nicht viel auf Wolf. Er war nicht religiös, aß die ganze Woche, ohne große Gewissensbisse, in der Menage mit; er war auch nicht immer wahrheitsliebend; schon manche Strafe hatte er wegen leichtsinniger Streiche bekommen und gab regelmäßig an, er dulde aus Rischus, weil er Jude sei. Mit jeder derartigen künstlich ausgeschmückten Luge wuchs Täubchens Mitleid und Liebe mit dem Opfer solcher Ungerechtigkeit und wuchs die Abneigung der Eltern, die gar bald die falsche Vorspiegelung jeweils herausgefunden hatten. Er war endlich auch kein tüchtiger Mensch; er hatte eine gute Schule besucht, aber nicht viel gelernt, war nacheinander bei einem Handwerker, Gärtner, Kaufmann und Zahntechniker in Diensten gewesen, hatte aber nirgends lange ausgehalten und sich, als er, 23 Jahre alt, zum Militair eingezogen ward, weder etwas erspart, noch einen eigentlichen Beruf erlernt. Dagegen konnte er tanzen, Schlittschuhe laufen, war ein guter Turner und in seiner Uniform ein Prachtstück eines jungen Mannes. Ein Jahr nach seiner Entlassung — Täubchen war erst 18 Jahre alt, um 9 Jahre jünger als er — kam er und hielt bei ihrem Vater um sie an. Er hatte das Productengeschäft seines kürzlich verstorbenen Vaters übernommen und auch einige Tausend Mark geerbt. Jetzt erst erfuhren die Eltern, daß Täubchen ihm schon lange gut sei, ihm Treue gelobt und daß die Beiden inzwischen eine lebhafte, geheime Correspondenz geführt. Alle Vorstellungen, alle Abmahnungen blieben bei dem sonst so folgsamen Täubchen fruchtlos. Sie kenne Wolf besser. Er sei wahrheitsliebend, religiös, werde es sicher ihr zu Liebe immer mehr werden, 'sei gebildet und tüchtig und wenn er auch nicht so sehr viel verdiene, wolle sie gern mit wenig zufrieden sein. Da Täubchen nicht nachgab und Wolf drängte, ward bald die Hochzeit anberaumt und mit bangem Herzen, wenn auch äußerlich vergnügt, führten Herz und Sarah ihre einzige Tochter unter den Trauhimmel. Das junge Paar war überglücklich und auch den Eltern gelang es, nachdem der erste Act vorüber, sich zu beruhigen und in den hellen Jubel aller Hochzeitsgäste mit einzustimmen. Es war auch eine Lust, dieses Brautpaar zu sehen. Sie, wie eine im Morgentau aufgebrochene Rose, mit kindlich unschuldigem Blick, ihr liebreizendes Gesichtchen glückstrahlend dem Geliebten zugewendet, das dunkle