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Der Israelit · 1890-12-25 · Heft 101 (25.12.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 101 (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1821 russischer Familien, die trotz der großen Wohlthätigkeit, die hier geübt wird, ihre Existenz nur mit allergrößter Anstrengung erringen können. In diesem schweren Kampfe ums Dasein sind die Eltern selten im Stande, für die leiblichen Bedürfnisse ihrer Kinder hinreichend zu sorgen, und um die armen Kleinen vor dem harten Hunger zu schützen, entwarf Frau Rabbiner Dr. Klein einen edlen Plan, der auch zum gewünschten Ziele führte. Sie errichtete in ihrer Wohnung einen Wohlthätigkeitsbazar, der großen Anklang fand. Werthvolle Beiträge stoffen reichlich ein, und obgleich nur Aufforderungen an Glaubensgenossen ergangen waren, bethetligten sich auch angesehene Christen recht lebhaft. Der Erfolg fiel über alle Erwartung günstig aus, 2400 Kronen war der Ertrag des Bazars. Mit diesem Fonds wurde sogleich eine koschere Speiseanstalt eröffnet, in der täglich 30 jüdische Kinder ein gutes, nahrhaftes Mittagessen bekommen. Die Kommune zeigte sich so entgegenkommend, daß sie zu diesem Zwecke ein geräumiges, gut ausgestattetes Lokal nebst Küche gratis zur Verfügung stellte; aus Erkeuntlichkich dafür läßt das Komitee 10 christliche arme Kinder an den Mahlzeiten Theil nehmen. Nächst der gesch. Frau Rabbiner Dr. Klein hat sich auch Frau Wickert hier durch ihre seltene Aufopferung, sowie ihre enerische Aufsicht und Leitung um die Anstalt sehr verdient gemacht. Frau Rabbiner Dr. Klein ist auch die Gründerin des „Vereins zur Bekleidung armer jüdischer Kinder". Fast alle Frauen unserer Gemeinde sind Mitglieder dieses Vereins, zahlen jährliche Verträge, und an jedem Chanukahfeste wird ein Fest für die Schuljugend veranstaltet und alsdann Kleidungsstücke, Schulutensilien und andere Geschenke vertheilt.—Von der Toleranz, von der auch unsere höchsten Behörden erfüllt sind, möchten wir schließlich noch folgendes Zeugniß erwähnen. Herr D r. Meyer, Philologe hier, bewarb sich vor einiger Zeit um die Stelle eines Lektors an einer Gothenburger staatlichen Lehranstalt. Er wurde von der Kommission gewählt, doch refüsirte das Domkapitel die Wahl, weil Herr Dr. M. als Israelit nicht auch — wie eine alte Bestimmung erheischt — Mitglied des Domkapitels sein könnte. Dieser Anschauung schloß sich aber die Regierung nicht an, sie sah in der Konfession des Kandidaten keinen Hinderungsgrund, verwarf demgemäß das Urtheil des Domkapitels und forderte die Behörden auf, die Bewerbung des Herrn Dr. Meyer noch einmal zu prüfen. — Auch unser Kantor Herr G. Rosenberger ist von der Kriegsunterrichtskommission als Lehrer an der Königl. Kriegsakademie mit dem Range eines Offiziers angestellt. F e u ill e ton. Aas Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Koh«, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (Fortsetzung.) Viertes Kapitel. Nachdem die letzten der Gratulanten sich verabschiedet hatten, verfügten sich alle Personen, die an dem Familien-Festmahle theilnehmen sollten, in das Speisezimmer. Den Ehrenplatz an der Tafel mußte Tante Hanna einnehmen, die zwischen Philipp und Pauline Speier saß. Der Held des Tages, Josef, nahm, wie gewöhnlich, den Stuhl neben der Mutter ein. Die alte Frau, die schon seit sehr langer Zeit, seit dem Ableben ihres Gatten, nicht einem Mahle an fremdem Tische angewohnt, hatte nichts von ihren gesellschaftlichen Talenten, welche ihr in ihrer Jugend allgemeine Beliebtheit verschafft hatten, eingebüßt, und es that der seit der Abreise ihres Enkels noch Vereinsamteren wohl, sich wieder einmal bei freudiger Gelegenheit im Freundeskreise zu bewegen. Sie war gesprächig und ihre Anwesenheit übte auf die Gesellschaft einen so wohlthuenden Einfluß aus, daß sogar Philipp, Paultne und Therese Speier auf kurze Zeit ihres schweren Kummers vergaßen. Am Schluffe der Tafel, die Sonne war schon längst untergegangen, übertrug Philipp Speier seinem Sohne mesumen zu benschen. „Darf ich zu dem Tischgebete das Geschenk der Großtante benützen?" frug dieser. „Gewiß, mein lieber Sohn, es liegt noch unter den andern Geschenken auf dem Tische im Salon." Josef brachte dasselbe, setzte sich wieder an seinen Platz und nestelte, die nochmalige Aufforderung seines Vaters erwartend, die Spangen auf; als diese nun erfolgte, schlug er die Gebetstelle auf, allein statt zu beginnen, rief er, ganz erschrocken, an Hanna Perlberg sich wendend: „Großtante, um Alles in der Welt, was ist Dir denn da eingefallen?! Das kannst Du mir nicht zumuthen, das darf ich nicht annehmen, das wäre für ein Barmizwah-Geschenk viel zu kostbar!" Nun blickte Pauline.in das Gebetbuch und sprach überrascht: „In dem Siddur liegen einige Tausendgulden- Noten! .... Diese sind ohne Wiffen der Tante in dasselbe gelangt. Die Tante hat nur beabsichtigt, Dir das Gebetbuch, nicht aber dessen Inhalt zu schenken; diese mußt Du selbstverständlich der Großtante zurückgeben."

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