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Der Israelit · 1890-12-25 · Heft 101 (25.12.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 101 (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1819 Annahme, daß durch Orgelklang und Frauengesang die Andacht gehoben und der Synagoge eine größere Anziehungskraft aus die Gemeindemitglieder für die Dauer verliehen werden könnte. Die unheimliche Leere, welche an vielen Orten aus den Reform-Synagogen dem Eintretenden entgegenstarrt, ist ein unwiderlegbarer Beweis für diese Behauptung. Einen andern Beleg für dieselbe bietet auch unsere Gemeinde. Hier war man im Jahre 1868 ebenfalls so thöricht die Modenarrheit mitzumachen. Als damals, Dank der Opferwilligkeit der Gemeinde, ein neues Gotteshaus hier errichtet worden war, setzten die Neuerungssüchtigen trotz der Mißbilligung unseres derzeitigen Bezirksrabbiners in Saar-Union, Herrn Joseph Levy ^"st, ihren Willen durch und bewirkten die Anschaffung eines Harmoniums und die Errichtung eines Frauenchors. Der Anregung unseres gegenwärtigen Herrn Bezirksrabbiners Gongenheimer ist es aber gelungen, eine richtigere Schätzung des religiösen Erfordernisses zu bewirken, während andererseits auch bereits jene religionswidrige Neuerung den Reiz der Neuheit eingebüßt hatte und man sich größtenteils von derselben — cnnuyirt fand. So ist nunmehr Gottlob die Orgel aus dem Gotteshause wieder entfernt worden, während der Frauenchor sich aufgelöst hat. — Ich bin überzeugt, daß an vielen Orten eine solche Reform der Reform sehr gern ebenfalls gesehen würde, wenn man sich — nicht schämte, den begangenen Fehler einzugestehen und wieder gut zu machen. Uns ist nur geholfen durch bessere Erkenntniß unserer heiligen Religion, nicht, aber durch den albernen Firlefanz der Reform. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 22. Dezember. Der Kaiser empfing heute den Bürgermeister Prix und die beiden Vizebürgermeister, welche den Dank für Großwien abstatteten. Der Kaiser äußerte , es freue ihn, daß das Werk so rasch zu Stande gekommen sei; er danke Allen, die hierbei mitgewirkt haben. Er sei überzeugt, die Vereinigung werde für alle Kreise der Bevölkerung nützlich sein und auch die bisherigen Gegner der Vereinigung werden später die Ueberzeugung gewinnen, daß die Vereinigung für die geweihliche Entwickelung Wiens von größtem Nutzen sei. Der Kaiser hofft, in der Bevölkerung werde wieder Friede und Eintracht einziehen. Der Kaiser besprach auch die Vereitelungen der Vizebürgermeisterwahlen durch die Antisemiten. Prag, 16. Dez. Unter großer Betheiligung wurde am letzten Sonntag der Hofbuchdruckerei- Befitzer, kaiserl. Rath, Herr Ignaz Fuchs zu Grabe getragen. Der edle Lerblichene war allbekannt durch seine große Mildthätigkeit. Noch kurz vor seinem Tode vermachte er eine größere Summe den jüdischen und christlichen Armen unserer Stadt, dem jüdischen Kreuzer-Verein und vielen anderen Vereinen. An der Leichenfeier nahmen der Bürgermeister und der Landespräsident theil. Anwesend waren auch die Herren Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Regierungsrath Professor Dr. Kaempf, Rabbiner Dr. Tauber, Rabbiner Dr. Gelbhaus und Feldprediger Dr. Kisch. Pesth In Angelegenheit des Schreibens und Zeichnens am Samstag in den Mittelschulen hat Cultusminister Czaky unter dem 29. Oktober einen noch strengeren Erlaß als sein Vorgänger erlassen. Darnach dürfen die Schulinspectoren nur Söhne von Rabbinen oder solche Zöglinge, die sich für den Rabbiner beruf vorbereiten, in dem Falle vom Schreiben dispensiren, wenn diese durch ein Rabbinatsatteft nachgewiesen haben, daß sie Rabbinersöhne sind oder Rabbiner werden wollen. In Orten, wo Gymnasium und Realschule sind» darf die Befreiung nur am Gymnasium gewährt werden. (Kann man in Ungarn nicht bewirken, daß Gewissensfreiheit gewährt werde? Warum verhalten sich die Orthodoxen in dieser hochwichtigen Angelegenheit so ruhig? In Deutschland wird jeder jüdische Schüler vom Schreiben dispenstrt, sobald es dessen Vater wünscht. Die Schule übernimmt für den Ausfall von Kenntnissen natürlich keine Verantwortlichkeit; der Vater hat dafür zu sorgen, daß sein Kind den Mitschülern gegenüber nicht zurückbleibt, und muß, wenn nöthkg, durch Privatunterricht nachgeholfen werden. Red.) Pretzbrrrg, 12. Dezember. Heute roto m irug man hier einen Mann zu Grabe, der seinesgleichen nicht viele in unserer Zeit zählt. Herr David Brüll war ein Mann, hervorragend an Körper und Geist, ausgezeichnet durch Tugend, Gottesfurcht und Gelehrsamkeit. In ihm vereinigten sich alle Eigenschaften, die unsere v'QvN als notwendige Voraussetzung finden für einen x»2J DDni; denn auch materielle Mittel standen in Fülle ihm zu Gebote, um seinem Herzensdrange nach O'nvn niton vollauf Befriedigung gewähren zu können. Herr Brüll Va? stammt mütterlicherseits vom p"«n ri'bw. Um den in voller Manneskraft — er zählte erst 43 Jahre! — zum Leidwesen von Tausenden in Israel Dahingerafften, vergießen bittere Zähren seine ihn überlebenden hochbetagten Eltern, die er seit 20 Jahren verpflegte und besonders sein seit eben solanger Zeit bettlägeriger Vater, dem er daS treueste Kind gewesen, jammert die im Wochenbette sich befindliche Wittwe, klagen 6 unmündige Kinder,

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