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Der Israelit · 1890-12-25 · Heft 101 (25.12.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 101 (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1818 gebracht sei und daß augenscheinlich einer derartigen antisemitischen Kundgebung die obenerwähnten Schlußworte auf der Postkarte entsprungen seien. Das Schöffengericht verurtheilte deshalb den Angeklagten in eine Geldstrafe von 8 Mark nebst Kosten und privatklägerischen Auslagen, gegen welches Urtheil Angeklagter Berufung einlegte. In der heutigen Strafkammerverhandlung führte der Vertreter der Privatkläger aus, die antisemitischen Agitatoren hätten sich bei den Wahlen dahin ausgesprochen, die Juden müßten zur Auswanderung nach Palästina gezwungen werden, und nur in diesem Sinne sei der fragliche Wunsch den Privatklägern gegenüber zu deuten. Die Strafkammer schloß sich den Ausführungen des schöffengerichtlichen Urtheils in jeder Beziehung an und verwarf die Berufung des Angeklagten unter Verfüllung desselben in sämmtliche Kosten. Hamburg. Zum Andenken an den verstorbenen Herrn H.I. Lippmann erhieltenM. 1000 die Armen-Commission der deutsch-iSr. Gemeinde, M. 500 das Altenhaus der deutsch-isr. Gemeinde, M. 500 das deusch-isr. Waisenhaus, M. 500 der Miethe-Hilfs-Verein, M. 200 die Chewro-Talmud- Thora, M. 300 der isr. Gemeinde-Vorstand Wandsbeck zur Vertheilung an Armen. Hamburg. Bet einer Revision von Geschäften in der Vorstadt St. Georg wurden 14 Geschäftsinhaber, welche beschuldigt waren, Margarine als reineButter verkauft zu haben, notirt, und ist gegen dieselben wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz eine Untersuchung eingeleitet worden. Auch in unserer Nachbarstadt Altona wurden die von der Behörde in den Buttergeschäften entnommenen Proben Butter zur Untersuchung nach Kiel gesandt und viele davon als Margarine-Butter constatirt. Diese Verhältnisse geben zu bedenken, und richten wir an die gesetzestreuen Juden die ernste Mahnung, beim Einkauf von Butter sich zu vergewissern, daß die Butter wirklich rein ist. Man verlasse sich nicht darauf, daß vor Jahren seitens des Rabbinats durch einen Sachverständigen die Butter untersucht und für rein befunden worden. Die Geschäftsgebahrung mit der Butter ist inzwischen eine ganz andere geworden und gar oft kommt, wie oben berichtet, trotz des deutschen Reichsgesetzes Margarine-Butter als reine Butter in Handel. Am Besten wäre, wenn das Rabbinat dafür Sorge tragen würde, daß unter seiner Aufsicht ibo Butter bereitet würde; auf den Elbinseln wäre hierzu die beste Gelegenheit geboten. In mehreren holländischen Gemeinden besteht schon längst eine solche Einrichtung. Göttingen, 2l. Dezember. Der Prorektor der Universität Professor Dr. Orth hat folgende Erklärung erlassen : „Bisher habe ich die gegen mich gerichtete antisemitische Hetze stillschweigend über ergehen lassen; nachdem ich aber aus einem Bericht über die stattgehabte Antisemiten-Versammlung im Hürnerbräu ersehen habe, daß auch in dieser Versammlung, wie vorher in einigen Zeitungen, die unwahre Angabe gemacht worden ist, ich hätte alle Antisemiten als mit einem sittlichen Makel behaftet hingestellt, sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß ich gelegentlich einer nicht öffentlichen Jmmatrikulationsansprache an Studenten nur gesagt habe, daß in meinen Augen jeder antisemitische Agitator mit einem sittlichen Makel behaftet sei. Diese Anschauung habe ich noch heute und ich werde sie haben, so lange die Antisemiten ihre Agitation in der seitherigen Weise fortsetzen." Oborrrik. Am vergangenen raun pap feierte hier das S. Fr i edma nn'sche Ehepaar das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Beide Ehegatten erfreuen sich großer Rüstigkeit. Die Festrede hielt unser Herr Rabbiner Broh in der Synagoge. Meisterhaft brachte derselbe das Chanukahfest und seine Symbole mit dem Fest der goldenen Hochzeit in Beziehung, indem, wie er ausführte, eine wahrhaft jüdische Ehe einen für Gott errichteten Tempel, und die Pflege der Thora (mm) in den Herzen der Kinder dem Anzünden der roun Lichter ähnlich sei. Die Rede machte auf Alle einen bleibenden Eindruck. Auf die Rede folgte, dem Doppelfeste zu Ehren, das ,/nyw’ -ns nyo" von der Schuljugend angestimmt. Diemeringen (Elsaß). Die in dieser geschätzten Zeitung kürzlich bei Gelegenheit des Berichts über die Synagogen-Einweihung in Schlettstadt erwähnte Thatsache, daß bereits an manchen Orten des Unter-Elsaß, im Gegensatz zu den Synagogen im Ober-Elsaß, der Gottesdienst durch die Einführung des Orgelspiels seines jüdischen Charakters entkleidet worden ist, beruht leider allzusehr auf voller Notorietät. Die Tborheit des reformistischen Gedankens, durch die Nachäffung eines andern Kultus eine Verbesserung des jüdischen Gottesdienstes herbeizuführen, hat auch hier bei unwissenden und in Bezug auf das jüdische Pflichtleben leichtsinnigen einflußreichen Personen Anklang gefunden. Giebt es etwas Widersinnigeres als die Vorstellung, den Gottesdienst verbessern zu können durch eine von dem Religionsgesetze verpönte Handlung! Als ob man sich des göttlichen Wohlgefallens und Segens würdiger machen könnte, wenn man in demselben Augenblicke, wo man sich im Gebet zu Gott wendet, sein heiliges Gesetz mißachtet! — Aber auch ohnehin ist es eine durchaus irrige

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