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Der Israelit · 1890-12-25 · Heft 101 (25.12.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 101 (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1817 mächtig erstandenen Judenhasses sehr willkommen zu heißen. In einer Zeit, wo nicht der Pöbel, sondern gerade Kreise, die sich durch Bildung und Wissen über der großen Masse erheben, geflissentlich das im Herzen des Volks zu erlöschen beginnende Vorurthetl aufs neue anzufachen strebeu und sich nicht entblöden die niedrigsten Leidenschaften zu entfesseln und durch schamlose Lüge und dreiste Entstellung den jüdischen Namen und das Judenthum zu verunglimphen, da wird eine Darstellung wie die vorliegende doppelt willkommen sein müssen; — willkommen unseren nichtjüdischen Mitbürgern, welchen in dem Spiegel der Vergangenheit ein erschreckendes Bild von der Herzensrohheit und geistigen Umnachtung entgegen grinst, in welche der Antisemitismus die mühsam errungene Kultur der Gegenwart verkehren möchte, — willkommen unseren Glaubensgenossen, die auch in dem düstern Gemälde, das hier entrollt wird, die trostreiche Bestätigung der andern göttlichen Verheißung erkennen: ... .„ aber trotz alledem: selbst so sie im Lande ihrer Feinde sind, habe Ich sie damit nicht verachtet und nicht verworfen sie zu vernichten, Meinen Bund mit ihnen aufzuheben, denn Ich Gott bleibe ihr Gott." (3. B. M., C. 26, 44). Gott offenbart sich auch hier als den „Hüter Israels", als der Annehmer der Unterdrückten und Mißhandelten. Er ist der D»ny nwo, der die Zeiten gestaltet, Er hat Israel alle Stürme überwinden lassen und es aus den düstersten Tagen des Mittelalters, die in dem grellen Scheine der den Juden errichteten Scheiterhaufen leuchten und von dem Schmerzensschrei 'der gefolterten und martervoll Hingerichteten Juden widerhallen, dennoch zu neuem Leben gerettet bis auf diesen Tag; — Er wird es auch ferner beschirmen und schützen in den Gefahren, die die Gegenwart, und vielleicht auch die Zukunft, ihm zu bieten haben. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. ' Deutschland. Mainz, 23. Dezember. Auf Wunsch vieler unserer geehrten Leser werden in Kürze in unserem Verlag die ausführlichen Verhandlungen der zu London abgehaltenen Proteft-Versammlnng zu Gunsten der russischen Juden in einer Broschüre erscheinen. Herr M. R. Levy, beeidigter Uebersetzer der englischen Sprache zu Frankfurt a. M. hat die Uebertragung in das Deutsche übernommen und kann die Broschüre gegen Einsendung der Abonnementsquittung für das 1. Quartal 1891, um die Herstellungskosten im Betrage von 20 Pfg. durch unsere Expedition bezogen werden. Darmftadt, 16. Dec. Die Christlich-Sozialen haben heute eine Probenummer ihrer vom 1. Januar ab einmal wöchentlich erscheinenden Zeitung, „Hessische Volkszeitung" betitelt, hinausgegeben. Der Eingangsartikel „Was wir wollen" schließt mit den stolzen Worten: „Wir wollen kämpfen gegen Alles, was schlecht und verderblich, und arbeiten für Alles, was gut und heilsam ist. Möchte unser Blatt die Fahne werden, um die sich in alter Hessentreue alle sammeln, welche — abgesehen von ihrem sonstigen Parteistandpunkte — für Kaiser und Reich, für Fürst, Volk und Vaterland kämpfen und arbeiten wollen!" — Schön gesagt, für Volk, Vaterland, das ist ja auch die Devise, unter, welcher Stöckers „Volk" kämpft. Dem Drucker des Blattes haben die Herren, die hinter dem Unternehmen stehen, wie es heißt, 2500 Abonnenten garantirt. Unter diesen Umständen kann derselbe ja die Zeitung eine Zeit lang erscheinen lassen. Gießen, 16. Dez. In der heutigen Strafkammersitzung kam, der „Darmst. Ztg." zufolge, nachfolgender Fall zur Verhandlung. Karl Kratz in Wettsaasen hatte nach einer an die Kaufleute H e rmann und Leopold Wallach in Alsfeld geleisteten Zahlung an dieselben eine Postkarte folgenden Inhalts geschrieben: „Anbei schicke ich Ihnen den Betrag mit Mk. 221,53 und will Gott danken, daß es das letzte ist, welches Sie von mir erhalten, und wünsche Ihnen hiermit eine glückliche Reife nach Jerusalem. Achtungsvoll K. Kratz. Wettsaasen, den 17. Juni 1890." Auf seitens der genannten Kaufleute erhobene Privatklage wurde das Hauptverfahren vor dem großh. Schöffengerichte Grünberg eröffnet. In dem Hauptverhandlungsternntn hatte der Vertheidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Weidig, geltend gemacht, daß in den Schlußworten „und wünsche Ihnen hiermit rc.", keine Beleidigung liege, indem damit den Juden etwas gewünscht werde, wonach sie alle streben und sie hiermit an die Glanzzeit ihres Volkes erinnert würden. Das Schöffengericht hatte jedoch den Thatbestand des 8 185 des Strafgesetzbuchs als vorliegend erachtet, indem jene Kundgebung zwar objektiv nicht die Ehre der Privatkläger zu verletzen geeignet sei, allein die Absicht die Verachtung, Verhöhnung und Geringschätzung den Kaufleuten Wallach gegenüber auszudrücken, aus den Verhältnissen, unter denen die Karte geschrieben wurde, und aus der Art und Weise der Abfassung derselben klar hervorgehe. Die Karte sei geschrieben worden, um dem Unmuth des Angeklagten darüber, daß die Privatkläger gegen ihr? einen Zahlungsbefehl genommen hatten, Luft zu machen; außerdem komme hinzu, daß in der Gegend von Grünberg durch die antisemitische Agitatoren die Bevölkerung sehr gegen die Juden aus-

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