Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 101 (25.12.1890)
- Date
- 1890-12-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1816 feeren Einfluß besitzen, wie mancher Beamte und Gelehrte, findet sich Keiner, der diese boshaften Albernheiten wiederlegen könnte. Woher kommt das Alles? Die Hochschulen des Talmud, die den Geist der Thora in die Gemeinden, in die Familien, in das jüdische Volk getragen haöen, sie sind fast gänzlich aus unseren! schönen Vaterlande geschwunden. Wohl besitzen wir Seminare und Schulen in großer Anzahl. Dieselben erfüllen ja vielfach ihre Zwecke voll und ganz. Aber vergessen wir das Eine nicht, diese Anstalten wollen nur Rabbiner und Lehrer ausbilden, Leute, deren Beruf die Kenntniß unserer heiligen Schriften ist, und das kann uns nicht genügen. .3ip>y nenn rwo ub mx min Von jeher waren wir Israeliten stolz darauf, daß die Kenntniß unserer heiligen Schriften nicht ausschließlich das Monopol der „Seelsorger" war, sondern daß wir Alle schöpfen dürfen aus der Quelle des Lebens, und da müssen wir auch Institute haben, die, wie die alten Jeschiboth, den späteren Kaufleuten, Handwerkern, Aerzten 2c. Gelegenheit bieten, vor ihrem Eintritte in's Leben einige Zeit voll und ganz dem Studium der uns von Mund zu Mund überlieferten Lehre sich hinzugeben. Nun, zur Errichtung einer solchen von Tausenden unserer Gesinnungsgenossen ersehnten Zionsstätte bietet sich nunmehr die herrlichste Gelegenheit; in unserer Schwesterstadt, der sw i'p, der großen und heiligen Gemeinde Frankfurt a. M. wirkt seit nahezu einem Jahre ein Mann, der wie selten Jemand dazu berufen ist, diese Pläne zu verwirklichen und wie wir zu unserer innigsten Genugthuung erfahren, soll auch eine große Anzahl der Mitglieder seiner Gemeinde bereit sein, denselben bei diesem Werke mit ihrem ganzen geistigen und materiellen Können zu unterstützen. Im Anschluß an deren Wünsche wagen auch wir es an Herrn Rabbiner Dr. Breuer '"r die innigste Bitte zu richten mit dem herrlichen Werke recht bald zu beginnen. Herr Dr. Breuer »*j sah in der Stätte seiner früheren Wirksamkeit Hunderte von eifrigen Talmudjüngern zu seinen Füßen, und es ist zu erwarten, daß derselbe, wenn er sich erst dazu bereit erklärt bat, mit der ünmberbareti Begeisterung die ihn für Juden und Judenthum beseelt, mit der Energie, mit der er stets bereit ist, Alles der heiligen Sache zu weihen, recht bald auch hier einen kleinen Kreis von omro d’^did, um sich versammelt haben wird, die die Strahlen der Thora dereinst über ganz Deutschland verbreiten werden. Durch die vorzüglichen Schulen der Frankfurter Religionsgesellschaft, ist den jungen Leuten Gelegenheit geboten, auch das profane Wissen aus lauteren Quellen zu schöpfen. Es ist selbstverständlich, daß die rcz> vor allen Dingen Deutschland zu Gute kommt und zunächst dem Wirkungsorte des Herrn Rabbineu, daß dieselbe überhaupt den Charakter einer deutschen Jeschibah wahren soll. Wenn vorerst auch nur eine kleine Zahl von die Lehren des Meisters in sich aufnimmt, so wird der gute Grund zum echten rechten Talmudftudium in unserem Vaterlande, auch in sogen. Laien-Kreisen gelegt und bald wird man auch anderwärts dem großen Beispiele folgen, denn: niLv irnu mxm msra man 12» „Das ist der Lohn der guten That, daß sie sortzeugend Gutes wird gebären." Literarischer Wericht. Juden in Freiburg i. B. von Rabbiner Dr. Adolf L e w i n, Trier. G e b r. Maas u. Cie. 1890. Die Geschichte der Juden eines einzelnen Orts trägt den Typus der allgemeinen jüdischen Geschichte, in jener vollzieht sich wie in dieser das durch Moses längst verkündete Geschick: .... Und unter diesen Völkern wirst Du keine Ruhe finden und der Sohle Deines Fußes wird keine Ruhestätte werden. Gott gibt dir dort ein Herz voller Zittern und Schmachten der Augen und Betrübniß der Seele. Dein Leben wird dir immer in ferner Schwebe sein; Du wirst Nachts und Tags in Angst sein und keinen Glauben an dein Leben haben." (5. B. M., C. 28, 65—66). Auch die Darstellung der wechselnden Verhältnisse, welche die Juden in der freundlichen an dem Ufer der Dreisam, am Fuße des Schwarzwaldes gelegenen badischen Universitätsstadt Fr ei bürg erfahren haben, ist nichts anderes als eine Illustration dieser göttlichen Verheißung, die der israelitische Volksstamm in seiner heiligen Urkunde seit vierunddreißig Jahrhunderten bewahrt. Man kann dem Verfasser nur Lob und Dank spenden für die Mühe, die er sich genommen, um größtentheils aus den vergilbten Urkunden des Freiburger Stadtarchivs eine authentische Zusammenstellung des wechselvollen Schicksals, welches das Wohlwollen, der Eigennutz, der Fanatismus und die Beschränktheit den Juden in Freiburg bereiteten, zu ziehen und für den Fleiß und das Geschick, mit welchen er diese Monographie ausgearbeitet hat. Er liefert damit einen werthvollen Beitrag zu einer Geschichte der Juden in Deutschland. Und von diesem allgemeinen wissenschaftlichen Interesse abgesehen, ist diese Schrift gerade in dieser Aera des wiederum