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Der Israelit · 1890-12-22 · Heft 100 (22.12.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 100 (22.12.1890)
Date
1890-12-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1805 wehr und seit 2l!z Jahren Mitglied der Gemeindeverwaltung. Als reeller Geschäftsmann war der Entschlafene allgemein beliebt und stand in seinem Bekanntenkreise in großer Achtung. Der Dahingeschiedene litt seit ungefähr Vk Jahr an einer unheilbaren Krankheit und wir sahen leider nur zu gut, daß hier menschliche Hülfe ausgeschlossen sei. Er beschloß seine irdische Laufbahn rDD 'n dv> im kaum vollendeten 37. Lebensjahre. Er hinterläßt eine jugendliche Gattin mit zwei kleinen Kindern. Von der aufrichtigen allgemeinen Theilnahme zeugte der imposante Leichenkondukt. Nicht nur daß die Koporationen der Gemeinde vollzählig erschienen waren, sogar der erst diese Woche hierher versetzte Hr. Pfarrer Großmann und die Herren Lehrer, sowie ein auswärtiger großer FreundenskreiS gaben dem Entschlafenen die letzte Ehre. Den Gefühlen der Trauer gab Einsender Dieses vor dem Trauerhause Ausdruck, die Trauerrede aus dem Friedhofe hatte Herr Schloß übernommen. „Da sah man kein Auge thränenleer." Die kleine isr. Gemeinde hat einen großen Verlust zu beklagen. Ter tiefgebeugten Wittwe kann es als großer Trost dienen, daß unser seliger Freund einen guten Namen hinterlassen hat. fQdr n'a sYn. Antwerpen. Dem Congresse zum Schutz verwahrloster Kinder gehörte auch der Rabbiner Raphael Lev y, Ferdinand Dreifuß und Reblaub an. Der König würdigte bei dem Empfange des Congresies im Schlosse zu Brüssel die jüdischen Delegirten besonderer Aufmerksamkeit und richtete an jeden ein besonderes freundliches Wort. Arnheim (Holland) 15. Dezember. Her Nathan Levi, welcher, wie wir berichteten, kürzlich fünf Kinder mit Gefahr des eigenen Lebens aus einem brennenden Hause rettete, ist den hierbei empfangenen Brandwunden erlegen. London. Wie verlautet, ist Herr Dr. Neubauer in Anerkennung seiner bedeutenden Leistnngen auf dem Gebiete der orientalischen Sprachen zum Ehrenmitglied des Exeter College ernannt worden. Mogador. Vor einiger Zeit hatte ein angesehener Glaubensgenosse Herr Lumbroso, italienischer Unterthan, mit seiner Familie einen Tag auf einer kleinen unbewohnten Insel zubringen wollen, die, an der Einfahrt des Hafens gelegen ist, von Europäern oft zum Vergnügen aufgesucht wird. Unser Ca'id verbot ihm ausdrücklich, die Insel zu besuchen und untersagte sogar den arabischen Schiffern, ihn hinzufahren. Herr Lumbrosa ließ den Gouverneur durch den italienischen Consul nach dem Grunde dieser Weigerung fragen, und dieser antwortete, er habe vom Sultan den Befehl erhalten, die Leute am Besuch der Insel zu verhindern. Bei dem Einwand, den ihm Herr Serusi, der italienische Consularagent, selbst ein Israelit, machte, daß es den anderen Europäern frei stehe die Insel zu besuchen, und Herrn Lumbroso dasselbe Recht zustehen müsse, gab der Caid die Antwort: „Die anderen Europäer sind keine Juden, aber Herr Lumbrosa ist Jude." Die Beleidigung war eben so gegen Herrn Serusi, wie gegen Herrn Lumbroso gerichtet. Es blieb dabei, und Herr Serusi theilte die Angelegenheit seinem Consul, Herrn Cantagalli, mit. Dieser eilte ohne Verzug nach'Rabat zum Sultan, erhielt von ihm einen Brief an unseren Caid, dieser mußte auf Befehl des Sultans sich zu Herrn Serusi begeben und in Gegenwart der ganzen italienischen Gesandschaft feine Entschuldigung wegen der den Herrn Serusi und Lumbroso zugefügten Beleidigung aussprechen. Eine glänzende und schnelle Genugthuung, die der Energie des Herrn Cantagalli zu danken ist. Seit dieser Lehre gewährt der Ca'id den Israeliten das Recht, die Insel zu besuchen. F e w i Uj ton. Aas Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (Fortsetzung.) Hanna Perlberg war eine hochgewachsene Frau, die sich noch immer aufrecht hielt. Da sie seit Jahren mit der Welt außer Verkehr stand und sich daher bei ihrer Toilletle nicht nach der herrschenden Mode, sondern nach jener, längst entschwundener Zeiten richtete, glaubte man schier, ein altes Familienbild hätte sich aus seinem Rahmen losgelöst und träte, Köiper geworden, in die Kreise lebender Menschen. Eine hohe Spitzenhaube, tief in bie Stirne hineinreichend, verdeckte ihr Haar und stand dem gelblichen, von tausend Runzeln durchfurchten, gutmüthtgen Gesichte mit den großen, noch immer feurigen, blauen Augen vortrefflich. Ueber daS araufeidene Kleid war ein rothes Busentuch nach längst vergessener Sitte hinten zusammengeknüpft. An ihrem Arme hing ein großer, brauner, seidener Beutel, wie ihn Frauen in früheren Zetten — wo man ihn Ridicüle nannte — trugen. Das Erscheinen der imponircnden Gestalt übte eine große Wirkung auf die Anwesenden aus. Plötzlich trat eine tiefe Stille ein, die Gruppen lösten sich auf, Alle traten ehrerbietig zur Seite, so daß sich von der Thüre bis zum oberen Ende des Salons ein Spalier, wie für eine regierende Fürstin, die Cour abhalten wollte, bildete. Philipp und Pauline Speier und deren Kinder stürzten ihr freudig entgegen. „Tante," meinte der Herr des Hauses mit aufrichtigem Vergnügen, „ich kann Dir das nicht schildern, wie angenehm mich Dein Kommen überrascht, .... wie gut, wie lieb bist Du! Der Weg hierher — Du konntest ja wegen des Sabbats nicht einen Wagen benützen — wird Dich angestrengt haben; vor Allem setze Dich!" und er holte rasch ein Fauteuil herbei, in welches die Greisin sank. „Großtante," sprach Josef ihr ehrerbietig die Hand küssend, „meine Eltern, meine Schwester und liebe Freunde haben mir heute viele Freude bereitet, aber zu den allerschönsten Ueberraschungen für mich, zählt Dein Erscheinen. Ich weiß es," fuhr der kluge, bescheidene Knabe fort, „diese Ehre gilt nicht mir, sie gilt meinen Ellern, aber . . Die Großtante schloß ihm mit einem Kusse den Mund, dann sprach sie: „Ich wünsche, mein lieber Josef, Du mögest

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