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Der Israelit · 1890-12-22 · Heft 100 (22.12.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 100 (22.12.1890)
Date
1890-12-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1804 diese Forderung mit Entrüstung zurück, worauf der Bräutigam die Verlobung für aufgelöst erklärte. Die Gäste bestiegen nun wieder ihre Wagen und fuhren nach Hause. Die Wittwe soll, wie man versichert, schon fünfundfünfzig Jahre zählen. Gäes in Ungarn, im Dezember. Herr Ed. Stricker errichtete auZ Anlaß seiner silbernen Hochzeit in Gücs, wo er seine Fabriken besitzt, einen Tempel, dessen Einweihung in würdevoller Weise gefeiert wurde. Die ganze Gemeinde, an der Spitze der Pfarrer, ging zum Tempel, wohin auch die Grafen und Gräfinnen ForgLch gefahren kamen, um bei der Einweihung anwesend zu sein. Die Feuerwehr machte hierbei Spalier. Sodann kamen die Deputationen, zuerst die Juden, denen folgten die jungen Leute, ein Bouquet überreichend. Ganz reizend war die Deputation der Schulkinder mit dem Pfarrer, Lehrer und den Lehrerinnen. Alle Mädchen waren weiß gekleidet und ein allerliebstes kleines Mädchen hielt an den Erbauer eine Ansprache, die allgemeine Rührung hervorrief. Auch ein Mädchen der von Herrn Stricker vor einiger Zeit in's Leben gerufenen Kinderbewahranstalt ergriff das Wort, um den Dank der Kleinen auszudrücken und nebst drei Bouquets auch eine Adresse zu überreichen. Nun ergriff der Pfarrer im Namen der Lehrer daS Wort und pries die ausgezeichneten Eigenschaften des Fabriksherrn mit solcher Rührung, daß er vom Weinen übermannt wurde. Die Beamten überreichten ein prachtvolles Album mit einer Adreffe. Mit der feierlichen Uebergabe des Schlüssels zum Tempel durch Herrn Sticker fand die erhebende Feier ihren Abschluß. Bei dem darauf folgenden Diner waren die Grafen Forgäch, der Stuhllichter und der Pfarrer anwesend. Den ersten Toast brachte Graf Forgäch auf Herrn und Frau Sticker aus, dem dann noch andere folgten. Abends veranstalteten die Bauern einen Fackelzug. Ein Bauer, welcher 50 Jahre in der Fabrik arbeitet, führte eine Deputation und übergab ein Boquet mit langen Schleifen. Am darauf folgenden Sonntag war ein Arbeiterfest, an dem die Herrschaft 500 Gäste bewirthete und sich auch am Tanze betheiligte. Rußland. Petersburg, 2. Dez. In letzter Zeit ist im Königreiche Polen manchen galizischen Israeliten, welche seit Jahren dortselbst Märkte besucht haben, um die für ihren Handelszweig erforderliche Maare einzukaufen und auszuführen, selbst der momentane Aufenthalt beziehungweise die Bewilligung zur Thcilnahme an Jahrmärkten verweigert worden. Vom nächsten Frühjahr an soll auch der massenhafte Zuzug von landwirthschaftlichen Arbeitern, der alljährlich im Sommer aus dem Auslande nach Rußland erfolgt, nicht mehr gestattet werden. Dieses Verbot trifft hauptsächlich die Bevölkerung Galiziens. Es scheint der russischen Regierung gleichgültig zu sein, ob die polnischen Landwirthe genügende Arbeitskräfte haben oder nicht, denn der Zugang aus der Fremde ist doch nur auf den Mangel an einheimischen Arbeitskräften zurückzuführen. Frankreich. Paris, 15. Dezember. Den 15. November haben 2500 russische Juden auf dem Dampfschiffe „Stuttgart" Buenos Ayres passtrt, um sich in Brasilien anzusiedeln. In welcher Provinz dieses Landes dieselbe sich niederlassen werden und ob sie Verträge mit Colonisationsgesellschaften abgeschlossen, ist nicht bekannt. Isidore Loeb. Paris. Herr Isidor Löb ist wieder in das Lehrercollegium des Rabbinerseminars eingetreten und unterrichtet Geschichte und hebräische Grammatik. Türkei. Zefath nLü), 1. Dez. Soeben wurde unsere Gemeinde vom Kaimakam verständigt, daß der Sultan der Baronin Adelaide Rothschild in Paris, Gattin des Baron Edmund Rothschild, für das Spital, das sie hier uoy ’ja nana!? errichtet, den Schefakatorden verliehen har. Spanien. Madrid. Der Antisemitismus sucht auch in Spanien Boden zu gewinnen, obgleich nur wenig Juden im Lande wohnen. Ende Februar nächsten Jahres soll ein internationaler Anrisemitencongreß in Barcelona abgehalten werden. Vermischtes. < Berli«, 12. Dezember. In den Straßen werden wieder einmal jene niederträchtigen antisemitischen Flugblätter verbreitet, in denen mit schamlosen Ausfällen vor Einkäufen bei Juden gewarnt wird. Wahrscheinlich ist das Gleiche in anderen Städten der Fall, und wir machen deßhalb darauf aufmerksam, daß der Verfasser derselben, Ingenieur Th. Fritsch in Leipzig, wegen ähnlicher Flugblätter auf eingereichte Anzeige wiederholt von der Staatsanwalffchast belangt und recht empfindlich bestraft wurde. Jeder jüdische Kaufmann hat das Recht, bei der Staatsanwaltschaft Anzeige zu erstatten, und wir hoffen, daß von diesem Rechte ausgiebigster Gebrauch gemacht werden wird. Grünstodt (Pfalz), 13. Dezember. Im vorigen Monat feeirte hier Frau Wittwe Zerline Brandt ihren hundertsten Geburtstag. Aufseß, 5. Dez. Durchdrungen von den Empfindungen der tiefsten Wehmuth gestatte ich mir Ihren verehrlichen Leserkreis von dem erfolgten Ableben des Kaufmannes Moses Dittmann von hier in Kenntniß zu setzen. Der Verlebte war ca. 6 Jahre Mitglied des hiesigen Armenpslegschaftsrathes, viele Jahre hindurch Kassier der freiwilligen Feuer-

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