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Der Israelit · 1890-12-22 · Heft 100 (22.12.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 100 (22.12.1890)
Date
1890-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1803 S evin von Ladenburg gegen ein unbemitteltes Ehepaar wegen Forderung angestrengt hatte. Der Anwalt der Beklagten hielt der Klage die Einrede des erschwerten Wuchers (8 3O2b des Strafgesetzbuches) entgegen. Der Gerichtsbeschluß ging, der „N. B. L.-Z." zufolge, dahin, daß die Akten der Staatsanwaltschaft zur weiteren Amtshandlung mitzutheilen seien. München, 18. Dezember. Das Militär- Verordnungsblatt gibt bekannt: „Dem Stabstrompeter Koh n des 2. Chev. Regts. wurde der Titel „Königlicher Musikmeister" verliehen. Der Viceseldwebel der Reserve Schaalm ann wurde zum Sek.-Lieutenant der Reserve im 13. Jnfantcrie-Reginicnt ernannt. Von Herrn Schaalmann in Wien, den ich zu kennen das Vergnügen habe, kann ich Ihnen berichten, daß derselbe streng orthodox lebt; er hat während der Dienstzeit seiner Religion manches schwere Opfer gebracht. Der Großvater des Herrn Lieutenants, Rabbi Moses Ettenheimer, ist der Senior der frommen Gemeinde zu München. Stratzburg. Die Anerkennung des Judenthnms als einer mit den anderen Bekenntnissen gleich berechtigten Religion verleiht den jüdischen Feierlichkeiten eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Bet der Installation des neuen Oberrabbiners von Straßburg am 2. November erschienen in der Synagoge, um dem Ereigniß gewissermaßen officietten Charakter zu geben, die Spitzen der Civil- und Militärbehörden von Elsaß-Lothringen unter Führung des Staatssecretärs, Sr. Ecellenz Herrn Puttkammer, und des Commandirenden von Straßburg, General von Lewinsky. Die protestantische Gemeinde wsr vertreten durch ihren Präsidenten, die römisch-katholische Geistlichkeit glänzte durch ihre Abwesenheit. O ester r.-U n gar. Monarchie. Wien, 16. Dezember. Ein Antiscmiten-Führer aus dem fünften Bezirke, der in Margarethen erablirte Zuckerbäcker und Hausbesitzer Anton Meyer, k. und k. Reserve-Oberlieutenant, welcher, wie erinnerlich, im vorigen Jahre von der antisemitischen Partei im Bezirke Margarethen in den Wiener Gemeinderath gewält, dessen Wahl jedoch annullirt wurde, weil der Gewählte am Tage der Wahl noch nicht dreißig Jahre alt war, stand gestern unter einer in einem öffentlichen Blatte aus Sittlichkeitsgründen auch nicht annäherungsweise anzudeutenden Uebertretung vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Alsergrund, Dr. Simon. Die Anklage basirte auf einer Anzeige der eigenen Gattin des Angeklagten, der Frau Anna Meyer, geborenen Kroniberger, die gegenwärtig auch den Scheidungsproceß gegen ihren Gatten führt. Die Verhandlung wurde mit Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Die einzelnen Details der Verhandlung entziehen sich, wie bereits bemerkt, aus Gründen der öffentlichen Sittlichkeit sowie auch deßhalb, weil sie in die tiefsten Familien-Geheimniffe eingreifen, der Wiedergabe. Der Angeklagte Anton Meyer wurde im Sinne der Anklage der Uebertretung des § 335 St. G. schuldig erkannt und zu drei Monaten Arrests verurtheilt, gegen welches Urtheil er die Berufung ergriff. Budapest, 8. Dezember. Im festlich beleuchteten Prunksaale des Israel. Mädchenwaisenhauses fand heute Abends die Chanukafcicr statt, an der auch die beiden Vorsteherinnen der Anstalt, Frau Johanna Bischitz und Frau Marie Herzl, sammt den übrigen Damen des Ausschusses theilnahmen. Die anwesenden hundertundzwanzig Waisenmädchen — cs befanden sich unter denselben auch nicht der Anstalt angehörende Waisen — stimmten flott das Lied „Fenyben lakik az isten“, welches das ungarische »nyics” *vs nyo ist, an, worauf Gesangsprofessor Samuel Glück die Chanukalichter anzündele und den üblichen Segen dabei sprach. Oberlehrer Moritz Stern hielt dann eine Ansprache, in der er den Mädchen die Bedeutung dieses Festes erklärte. Es folgten einige Declamationen, woranf den Mädchen eine ergiebige Jause gereicht wurde. In den Lokalitäten des hauptstädtischen Armenkindergarten-Bereins wurde heute eine das Andenken des großen Philantropen Baron Moritz Hirsch verewigende Marmortafel enthüllt, wobei Dr. Michael Singer die Weihrcde hielt. Hierauf richtete der Vereinspräsident Dr. Groß eine Ansprache an die 200 kleinen Schützlinge des Vereins, welche dann aus diesem Anlasse mit Winterkleidern bedacht wurden. Mit einer ausgiebigen Jause endete gleichfalls diese Feier. In der Max Kramer'schen Restauration hat, wie alljährlich, auch gestern eine Privatgesellschaft vierundZwanzig arme Kinder bekleidet, worauf Herr Kramer dieselben bcwirthete. — In der Synagoge in der Rombachgaffe hat sich heute ein kleiner Roman mit tragischem Ansgange abgespielt. Ein junger Kaufmann aus der Provinz sollte eine Wittwe in schon vorgeschrittenem Alter zur Trauung führen. Das Brautpaar stand bereits vor dem Rabbiner, der eben mit der Trauung beginnen wollte. Da stellte der Bräutigam plötzlich an seine Auserkorene das Ersuchen, sie möge alle ihre Immobilien aus seinen Namen schreiben lassen. Diese wies jedoch

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