Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 100 (22.12.1890)
- Date
- 1890-12-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1802 dienst wird in der vom Verein unterhaltenen Synagoge nach der althergebrachten Sitte unserer Voreltern verrichtet und soll nach deni Statute stets in dieser Weise erhalten werden. Die Liebespflichten endlich werden in den §§ 5—9 dieses Statuts vorgeschrieben. und wie bisher werden auch in der Zukunft die Leiter des Vereins darauf bedacht sein, diese Vorschriften aufs gewissenhafteste auszuführeu. Frankfurt a. M., 14. Dezember. In wenigen Tagen ist ein Jahr verflossen, daß die israelitische Religions-Gesellschaft zum zweiten Male, während ihres 40jährigen Bestehens zur Wahl eines Rabbiners schreiten mußte. Wie schwierig die Aufgabe war, einen Nachfolger für den unsterblichen Samson Raphael Hirsch ^>"Li zu finden, jenen Fürsten und Lehrer in Israel, jene Leuchte des Wissens, jenen Meister der Beredtsamkeit und Herold der Gottesbegeisterung, bedarf keines Hinweises. — Aber wenn es gestattet sein dürfte, nach so relativ kurzer Zeit sich zu fragen, ob es der Religionsgesellschaft gelungen ist, für den Heimgegangenen Führer einen würdigen Ersatz zu finden, so darf man mit freudiger Genugthuung diese Frage nach jeder Hinsicht bejahen. Wie wenig Andere hat sich unser hochverehrter Herr Rabbiner Dr. Breuer in der kurzen Spanne Zeit seiner hiesigen Wirksamkeit die Herzen seiner Gemeinde gewonnen und sich als ein würdiger Nachfolger seines großen Vorgängers y'ar bewährt. Vereinigt ja Herr Dr. Breuer '"j in seltenem Maße die Eigenschaften, die einen Führer in Israel auszeichnen, und der darauf rechnen will — namentlich in einem so bedeutenden Gemeindewesen wie das hiesige — eine ersprießliche Wirksamkeit zu entfalten. Wir meinen damit nicht nur die eminente Gelehrsamkeit unseres Rabbiners, sein tiefes Wissen, seine talmudische Gründlichkeit; gewiß sind dies Eigenschaften, die einem Rabbiner in erster Linie innewohuen müssen, aber — und darin liegt leider der Hemmschuh für die Wirksamkeit so vieler heutigen Rabbinen — dies Wissen muß begleitet sein, von der Gabe der Beredtsamkeit, von einer fließenden und gewinnenden Vortragsweise. Um so mehr darf die Religionsgesellschaft es als eine hohe Errungenschaft bezeichnen, daß es ihr gelungen ist, einen solchen Meister der Beredtsamkeit, einen so vorzüglichen Kanzelredner in Herrn Dr. Breuer gewonnen zu haben. Daß daher zu den Predigten stets ein großer Andrang herrscht, und selbst zahlreiche Neologen denselben beiwohnen, ist nach dem Gesagten nicht zu verwundern. Herr Dr. Breuer entfaltet auch außerhalb der Synagoge eine ersprießliche Wirksamkeit, und es ist erfreulich, in welch' herrlichem Grade das jüdische Leben unter seiner Leitung pulsirt. Der hiesige Verein Mekor Chajim, dem es gelungen ist, Herrn Dr. Breuer zu seinem Dozenten zu gewinnen, hat durch die Vorträge des Herrn Rabbiners eine so bedeutende Zunahme erfahren, daß sich die bisher innegehabten Lokalitäten des Vereins als zu eng erwiesen haben und der Verein zu deren Vergrößerung schreiten mutz. Soviel für heute — wir wiederholen, die Religiousgesellschaft darf sich zu ihrer Wahl Glück wünschen, und sicherlich wird jeder wahrhafte Jehudi mit innigem Wohlgefallen zu diesem Frankfurter Gemeindewesen anfblicken und ihm auch ferner eine gedeihliche Entwickelung wünschen. Hamburg. Eine israelitische Frau mit 5 Kinder kam in voriger Woche von Rußland hier an, um über England nach Amerika auszuwandern. Die Frau hatte von ihrenl in Amerika lebenden Manne die Karten für die Ueberfahrt der sechs Personen erhalten. Mit ihren spärlichen Baarmitteln kam die Frau bis Hamburg, kam aber hier von allen Mitteln entblößt an. Sie mußte deshalb mit ihren Kindern in Schutzhaft, bis zum Abgang des nächsten Dampfers, genommen werdon. Am Sonnabend-Abends wurden sie dann an Bord des nach England abgehenden Dampfers „Admiral" gebracht. Es waren jedoch bereits alle Plätze auf dem Schiffe besetzt, fo daß Nachts um 1 Uhr die bedauernswerthen Menschen vom Schiff abermals nach dem Kurhaus gebracht werden mußten. Vorgestern Abend gelang es endlich, die Frau mit den Kindern auf dem nach England bestimmten Dampfer „John Ormston" unterzubrineen. Hamburg. Die Testamentsvollstrecker des verstorbenen David Oppenheim überwiesen laut letztwilliger Verfügung dem Krankenhaus der Deutsch- Israel. Gemeinde, dem Deutsch-Israel. Waisen- Jnstitut, dem Frauen-Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen, dem Miethe-Hilfs-Verein der Deutsch- Israel. Gemeinde, dem israel. Tempel-Verband, der Pensions-Stiftung für Lehrer, der Stiftungsschule von 1815 und dem israel. Vorschuß-Institut je 750 M. Dauzig. Von dem bei A. W. Kafemann hier erschienenen ersten Hefte des Antisemitenspiegels war die erste starke Auflage schon vor mehreren Wochen vergriffen. In kurzer Zeit schon dürfte eine zweite Auflage nöthig werden. Das zweite Heft wird gleichfalls in den nächsten Tagen ausgegeben werden. Da die Wirkung des ersten Heftes an den Orten, wo dasselbe in größeren Mengen verbreitet wurde, die gewünschte war, so ist zu hoffen, daß auch die folgenden Hefte Freunde und Verbreiter finden. Mannheim, 12. Dez. Vor einiger Zeit wurde vor der Civilkammer IV des hiesigen Landgerichts ein Prozeß verhandelt, den der Antisemit Pros. Dr.